Seinem "missionarischen Eifer" nicht mehr nachzukommen, empfahl Richter Armin Wagner in einem Jugend-Strafprozess am Montag einem 19-jährigen Staffelsteiner. Dem fiel es ein, ein Nacktbild seiner Arbeitskollegin an der Arbeitsstätte aufzuhängen. Somit, das befand das Gericht, machte er sich der Verbreitung jugendpornographischer Schriften schuldig.

Noch nach der Verhandlung und auf dem Gang hörte man die junge Frau, mit der ein übler Scherz getrieben wurde, schluchzen. Zwar hatte auch sie selbst ihren Anteil daran, aber der war nicht kriminell, sondern naiv. Dass ein Bild, das sie einem Bekannten zukommen ließ, in die Hände anderer fallen würde, damit hatte sie nicht gerechnet.

Nach Ansicht des Angeklagten verhielt sich die Sachlage wie folgt: Er habe im Januar dieses Jahres von einem Bekannten die Nachricht erhalten, wonach seine Kollegin, eine 17-jährige Auszubildende, mehrere Nacktaufnahmen von sich gemacht habe. Über Facebook seien ihm diese Bilder zugespielt worden, sagte der 19-Jährige. Er sei gefragt worden, ob er davon wisse, dass solche Bilder im Netz kursieren. Dann habe er, weil er das nicht geglaubt habe, Beweise "angefordert" - und erhalten.

Kein schlechtes Gewissen

"Haben Sie kein schlechtes Gewissen gehabt?", wollte Richter Wagner von dem Mann wissen. Der aber zeigte sich, wie auch ein Zeuge, vollkommen unsensibel in Bezug auf diese Frage.

Am 5. Januar hatte er, davon waren das Gericht und Staatsanwältin Daniela Möhrlein überzeugt, in den frühen Morgenstunden ein Nacktbild an einen gut sichtbaren Ort gehängt, wo es von dem Opfer bemerkt wurde.
"Ich habe das Bild genommen, um ihr zu zeigen, welche Bilder von ihr im Internet existieren", gab der Beschuldigte an. Diese Einstellung trug er bis zum Ende der Verhandlung zur Schau. In ihr mag der Grund dafür gelegen haben, weshalb er nicht die Gelegenheit nutzte, sich bei der 17-Jährigen zu entschuldigen.

Wutentbrannt und mit den Worten "Du Arschloch" hatte die Frau damals das Bild zerrissen. Der Einlassung, wonach er nur habe demonstrieren wollen, was im Netz über die Frau zu finden sei, folgte das Gericht nicht. Auch darum nicht, weil es im Besitz einer E-Mail war, die klar zu erkennen gab, dass der Angeklagte regelrecht nach weiteren Bildern recherchierte.

"Sie hat zu Ihnen gesagt ,Du Arschloch‘, und Sie haben nichts weiter zu tun, als weiterzustöbern?", fragte Wagner. Der Mann, von dem der Angeklagte die Bilder erhalten haben dürfte, war auch nicht astrein. Laut Wagner sollte die Staatsanwaltschaft darüber nachdenken, ob sie nicht doch ein Verfahren gegen ihn anstrengen möchte. Immerhin hat er das Foto, das als Jugendpornographie eingeschätzt wurde, nach dem Surfen heruntergeladen und weiterverschickt. In diesem Moment also ein Delikt.

Keine Entschuldigung

"Es kann Ihnen heute ruhig ein wenig warm in der Hose werden. Das ist eigentlich eine Schweinerei", sagte der Richter kommentierend. Auch dieser Mann, gleichfalls ein Kollege und 20 Jahre alt, sah in seinem Tun wohl nichts Anstößiges. Immer wieder argumentierte er damit, dass das Foto ja schon im Netz gestanden habe. Gerade so, als ob damit ein Weiterverfügen erlaubt sei.

Wagner machte den Mann darauf aufmerksam, dass es möglich sei, seinen (den des Zeugen) Kopf auf einen nackten Körper zu setzen und diesen ebenfalls als "Fake-Foto" in die Weiten des Internets zu schicken. Es blieb dabei: Der Mann entschuldigte sich nicht bei der jungen Frau, wie auch der Angeklagte dies nicht tat.
Nach Deutung Wagners ist in diesem Verhalten eine Handschrift sichtbar. Der Richter schilderte den 19-Jährigen als uneinsichtigen Menschen, der Schuld überwiegend bei anderen sucht. Eben darum wolle er ihm keine Geldstrafe aufbürden, die letztlich noch ein anderer für ihn bezahlt. Eben darum muss der 19-Jährige nun Dinge tun, die nur er erledigen kann: 120 Arbeitsstunden und eine sechsmonatige Teilnahme an einem sozialen Projekt.