Ein weißes Schild mit der roten Aufschrift "Geschlossen" hängt seit ein paar Tagen an den Hauswänden des Gasthofes Adam Riese. Seit 41 Jahren ist die Gastronomin Appolonia Bulheller in Bad Staffelstein tätig. "Wenn ich an das Aus des Gasthofes denke, habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge", erzählte sie, als wir sie vor der Schließung getroffen haben. Gerade von Urlaubern bekam die Wirtin für das gemütliche Ambiente und die fränkische Küche nur positives Feedback. "Die Touristen wollen einfach einen guten fränkischen Wein, ein fränkisches Bier und dazu ein Schäuferla, Haxen oder blaue Zipfel. Wo bekommt man das heutzutage noch?", fragt sich Appolonia Bulheller. "Aber in der Innenstadt hat man ohne Parkplätze und ohne Garten keine Chance."
Sie wollte ihr Gasthaus im letzten Jahr um eine Freischankfläche von 33 Quadratmetern erweitern.
Bis zu 40 Quadratmeter sind nach der bayerischen Bauordnung genehmigungsfrei. Am 11. Februar 2013 setzte die Wirtin die Stadt per E-Mail von ihrem Vorhaben in Kenntnis.

Die Genehmigung für die Freischankfläche bekam Appolonia Bulheller von der Stadt. Jedoch tauchte damit ein weiteres Problem auf: die Parkplatz-Ablöse. Vier Parkplätze waren geplant. Pro Parkplatz sollte die Wirtin 4000 Euro zahlen, also insgesamt 16.000 Euro. "Eigentlich sollte es kein Problem sein, eine Ausnahmegenehmigung dafür zu erteilen, um so die Gastwirte zu entlasten. Das habe ich der Stadt gleich in einer weiteren E-Mail mitgeteilt und gefragt, wie das bei anderen Gastwirten in Staffelstein gehandhabt wird", erzählt die Wirtin. Diese E-Mail wurde am 17. Juli 2013 versendet. Appolonia Bulheller bekam erst einmal keinerlei Rückmeldung von der Stadt. Einen Monat später, am 21. August 2013, traf eine Antwort ein: "Ihre Fragestellung wird bearbeitet." Aufgrund des Umfangs bat die Stadt um Zeit, um eine Lösung finden zu können. "So etwas wie eine Ausnahmegenehmigung geht eben nicht von heute auf morgen über den Tisch", verteidigt Bauamtsleiter Michael Hess das Vorgehen.

Am 3. Dezember hakte die Wirtin nochmals nach und leitete die E-Mail auch an den Stadtrat weiter. Wieder bekam Appolonia Bulheller weder eine Lesebestätigung noch eine Antwort. "Das ist eine Zermürbungstaktik, gesteuert von Ignoranz und Arroganz", meint die Gastwirtin in der Rückschau. Erst Tage danach, als sich auch die Industrie-und Handelskammer eingeschaltet hat, bekam Appolonia Bulheller vom Bauamtsleiter eine Antwort. "Das Problem mit den Stellplätzen ist bekannt. Wir bemühen uns, eine allgemein verträgliche Lösung zu finden", so lautet es in der E-Mail.


Unterschiedliche Sichtweisen

Zum Inhalt haben beiden Parteien unterschiedliche Ansichten. Von Seiten des Bauamtes redet man von einer Mitteilung, dass man sich im Stadtrat weitgehend geeinigt habe und plane, ab März 2014 eine Sondergenehmigung für die lokalen Gastronomen einzuführen. Genehmigungsfreie Freischankflächen sollen damit von der Parkplatz ablöse befreit sein. Appolonia Bulheller sah darin nur weitere Hinhaltetaktik. Zwar sei davon die Rede gewesen, einen solchen Beschluss zu fassen, doch völlig ohne zeitlichen Rahmen. Die IHK stellte der Wirtin eine Rechtsanwältin zur Seite, die sich für sie einsetzte und Kontakt zum Stadtrat aufnahm.

Im Februar diesen Jahres reichte es Appolonia Bulheller. Da sie von der Stadt aus ihrer Sicht immer noch keine klare Antwort bekommen hatte, entschloss sie sich den Mietvertrag des Gasthauses zu kündigen. "Sie haben mir ein ganzes Jahr lang in die Kniekehlen getreten. Dann bin ich eingeknickt", erzählt sie.

Das Bauamt sieht sich in dieser Zeit als aktiver Unterstützer der Sache: "Wir haben sehr intensiv mit dem Bürgermeister über eine mögliche Sondergenehmigung diskutiert. Hausintern kam es teilweise zu schwierigen Verhandlungen, um das Vorhaben durchzusetzen. Schließlich muss man sehen, wie man die kleineren Betriebe unterstützen kann, ohne die großen, die Parkplatzablöse zahlen müssen, ungerecht zu behandeln. Das dauert seine Zeit", erklärt Michael Hess.

Vom Beschluss, der am 28. März gefällt wurde, habe sie erst Mitte April erfahren, sagt Bulheller. Wieder nicht durch die Stadt, sondern durch die IHK. Die betreffende Satzung war zu diesem Datum geändert worden. Appolonia Bulheller könne ihren Schankgarten einrichten und müsse keine Parkplatzablöse mehr zahlen. "Man hätte mehr miteinander als übereinander reden müssen", meint Appolonia Bulheller.

"Neben dem Kochen arbeite ich sehr gerne im Garten. Ich hätte aus diesem Hof ein echtes Schmuckstück machen können. Jetzt muss man sehen, wie es mit dem Gasthof weitergeht". Der Vermieter bemüht sich, wieder einen Betreiber für eine fränkische Gaststätte anwerben zu können. Momentan jedoch noch ohne Erfolg.


Gastronomiebranche

Der Gasthof Drei Kronen hat schon seit etlichen Wochen geschlossen, der Gasthof Adam Riese - wie anfangs erwähnt- seit dieser Woche und das Restaurant Insel Mykonos macht zum 1. Januar 2015 zu. Neben diesen Schließungen gibt es aber auch einige Neueröffnungen, die dafür sorgen, dass die Gastronomiebranche belebt bleibt. Am letzten Altstadtfest eröffnete die Gewölbe-Bar-Lounge in der Bahnhofstraße.

Inhaber Christian Schubert schaffte in einem alten Kellergewölbe ein gemütliches Ambiente zum Cocktail trinken. Auch Enoteca-Besitzer, Nabil Karoui, will in Bad Staffelstein ein neues Restaurant eröffnen. Neben seiner Enoteca, in der er unter anderem Antipasti, Trüffel und Fisch verkauft, soll im Mai 2015 in der Bahnhofsstraße etwas neues aufgemacht werden. Ein Restaurant, in dem es zukünftig Pizzen aus dem Holzofen geben soll.