Johannes Diller und Levin Fuchs sind verantwortlich. Nicht zum ersten Mal, aber erstmalig in solchem Umfang. Die beiden 27-jährigen Studenten der Innenarchitektur arbeiten derzeit zwischen zehn und 14 Stunden täglich. Ob die Ausstellung "Geflecht als Kunst" zum Korbmarkt ein Erfolg wird, hängt nicht zuletzt auch von ihnen ab.

Noch sehen die beiden obersten Etagen des Stadtschlosses schmucklos aus. Was man ihnen nicht ansieht, sind die schon erfolgten Vorarbeiten. 40 nationale und internationale, darunter sehr viele namhafte Künstler aus der Welt der Flechtwerkgestaltung werden für die Dauer vom 12. bis 29. September Exponate im Wert von geschätzten 100.000 Euro ausstellen.

Aber wie bringt man solche zur Geltung? Diller und Fuchs haben zwar schon eine gewisse Erfahrung in der Gestaltung von Ausstellungen sammeln dürfen, aber in Lichtenfels sei das "ein Schritt hinaus aus der Studienwelt". Kein bisschen theoretisch packen die beiden Männer an, wenn es gilt, Paletten zu stemmen, Requisiten zu besorgen, oder bis 22.30 Uhr telefonisch erreichbar zu sein. Um diese Uhrzeit notierte Fuchs den bislang zum spätesten Zeitpunkt bei ihm eingehenden Anruf.

Seit zwei Monaten wissen die Männer von der Ausstellung, aber "so richtig dran, sind wir seit vier Wochen", sagt Diller. Es liegt den Männern viel daran, denn sie tun es in Eigenverantwortlichkeit, nur noch im Austausch mit einer studierten Innenarchitektin und auf Empfehlung von Auwi Stübbe, Professor für Innenarchitektur.

Anekdotisches gibt es auch schon: In Untersiemau betreibt das Coburger Designforum Oberfranken eine Lagerhalle, und auf diese dürfen die beiden Männer, die im siebten Semester an der Hochschule in Coburg studieren, zurückgreifen. "Es ist schon gespenstisch, plötzlich einen Arm oder ein Bein in der Hand zu haben", sagen die Männer, die vor kurzem bei Dunkelheit Schaufensterpuppen aus Kisten holen mussten. Sieben von ihnen stehen im obersten Stockwerk auf jeder Seite, alle werden sie mit tragbaren geflochtenen Kunstwerken Berit Idas ausstaffiert.

"Das hätten wir nie hingekriegt. Du brauchst eine Organisation, die das im Fundus hat", sagt Manfred Rauh anerkennend und irgendwie auch dankbar. Der Lichtenfelser, der am Dienstag auf einen Sprung zu den Aufbauarbeiten im Stadtschloss vorbeikam, ist derzeit für den Verein ZEF (Zentrum Europäische Flechtkultur) tätig, der verantwortlich für die künstlerischen Aspekte des Korbmarktes zeichnet.

Sparen ist Teil des Konzepts

130 Holzpaletten stehen noch im Raum. Sie sollen Podeste werden, abgedeckt mit geschmackvollem weißem Stoff. Das geht auch günstig, dachten sich Diller und Fuchs. Sie entschieden sich daher für Materialien, die ein zweites, drittes oder viertes Mal Verwendung finden können. Das hilft sparen. Das ist Teil des Konzepts. Dieses Konzept musste irgendwann erstellt werden. Es begann mit Fotografien von Ausstellungsstücken, zu denen die Künstler auch noch Maßangaben lieferten. "Das ist wichtig, um abschätzen zu können", erklärt Fuchs. Ihm und seinem Kompagnon liegt auch der Grundriss der Ausstellungsräumlichkeiten vor.

Ansprechpartner für alle

Mit Maßangaben können die beiden Männer gut arbeiten, schließlich sind beide auch gelernte Schreiner. Aber sie müssen auch in Betracht ziehen, wie breit die Türen im Haus oder die Türen im Aufzug sind. Oder wie hoch die Decken, wie breit und lang die Kunstwerke selbst.

"Kriegen wir die in den Aufzug?" Das alles hat Auswirkungen auf einen zügigen Ablauf, dann, wenn die Beförderung eines Ausstellungsstückes vom Lieferwagen zu den obersten Stockwerken ansteht, wenn Dutzende Paletten befördert werden müssen. Zudem: "Man wird zum Ansprechpartner für alle Beteiligten: Künstler, Versicherungen, Handwerker, den Bauhof, Lieferanten, oder den Ausrichter", weiß Fuchs um die Vielfalt der auch schon geleisteten Aufgaben. Reinreden lassen werden sich die zwei Männer bei ihren Kompetenzen nicht. Ein Künstler soll sogar die Bedingungen gestellt haben, mitplanen zu wollen. Wir haben ihm gesagt: "Das geht nicht!"

Von heute auf den morgigen Tag rechnen Diller und Fuchs mit einer Nachtschicht. Vielleicht sogar damit, einen ganzen Tag bis zum nächsten Morgen durcharbeiten zu müssen. Es ist ihr Projekt, und sie fragen sich, wie die Exponate unter welchen Gesichtspunkten in Szene zu setzen sind. Vermutlich werden die Lichter im Stadtschloss heute Nacht so schnell nicht verlöschen. Bis zur Vernissage am 12. September, ab 19.30 Uhr, muss alles stehen. Dann beginnt der Korbmarkt - zumindest schon im Stadtschloss.

Zu der Ausstellung und den Künstlern:

Susanne Thiemann aus München - Die international bekannte Flechtkünstlerin wird eigens für die Ausstellung gefertigte Flechtkunstwerke ausstellen. Susanne Thiemann hatte u. a. Einzelausstellungen in der "Martos Gallery" in New York und in der "Galerie der Moderne" in München.

Die Lichtenfesler Künstlerin Barbara Crettaz verbindet mit ihren künstlerischen Flechtwerken die alte Kunst des Flechtens mit modernen Materialien, was zu neuen Ansichten und Möglichkeiten führt.

Die Flechtwerkgestalterin Henny Riedl aus Wiesen schafft mit ihren Flechtwerken ein kreatives Spiel aus dichte und Transparenz, Schatten und Licht. Neben Weide und Binsen experimentiert die Dozentin and der Berufsfachschule auch mit recycelten Blechdosen oder Fahrradschläuchen - man darf gespannt sein.

Tim Johnson ist ein hochinteressanter "Künstler und Korbmacher" , wie er sich selbst bezeichnet. Der gebürtige Engländer ist Absolvent der "Winchester School of Art" und hat als freischaffender Künstler bereits eine unglaublich lange Liste an Projekten und Ausstellungen in seiner Vita. Sein künstlerisches Schaffen ist geprägt von Begeisterung für die Natur.

Die Rostocker Weidenkünstlerin Berit Ida Lüdtke zeigt im Rahmen einer Modenschau hochwertige Kostüme, kunstvoll von ihr gefertigt aus geflochtener Weide und Stoffen. Schülerinnen des Lichtenfelser Ballettstudios Doris Diroll werden diese Kunstwerke in professionell anmutiger Weise am Abend des Korbmarktsamstags präsentieren. Alle Kostüme der Modenschau und weitere Exponate von Lüdtke können während des Korbmarktes im Stadtschloss bewundert werden.

Verena Lydia Dreisbach hat die künstlerische Leitung und das "In-Szene-setzen" der Exponate inne. Zusammen mit Studenten der Fachrichtung Design an der Hochschule Coburg wird die Innenarchitektin für die gesamte Präsentation verantwortlich sein.


Öffnungszeiten

Die einmalige Ausstellung im Stadtschloss kann bis So, 29. September, besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind: MI, FR und SA 14 - 17 Uhr, DO 17 - 20 Uhr und Sonntag 10 - 17 Uhr. Am Korbmarktsamstag ist ebenfalls von 10 - 17 Uhr geöffnet. Die Vernissage ist am Donnerstag, 12. September, um 19.30 Uhr. Die musikalische Umrahmung wird von Thomas Schaller an der Gitarre übernommen. Und am Sonntag, 29 September gibt es ab 16 Uhr eine multimedial-musikalische Finissage mit dem AV-Treff Obermain und dem Vokalensemble "Spectaculum musicale".