Bestes Sommerwetter war der Premiere des Musical-Klassikers "Cabaret" auf der Seebühne in Bad Staffelstein vergönnt. Die Zuschauer wurden zweieinhalb Stunden lang auf eine Reise ins freizügig-frivole Berlin der 20er Jahre mitgenommen - geprägt von sexueller Liberalität, von Hoffnungen, Sehnsüchten und einer innigen Liebe, die aber dem aufziehenden Nationalsozialismus nicht standhielt.

Regisseur und Intendant Jan Burdinski von der Landesbühne Oberfranken inszenierte die Kostüm-Revue mit einem reduzierten Bühnenbild und den Schauspielern der Landesbühne. "Das Leben ist ein Cabaret" - oder modern ausgedrückt: "The show must go on" steht als großes Lebensmotto hinter dem Musical aus dem Jahr 1966, weltberühmt geworden durch die Verfilmung mit Liza Minnelli. Weltberühmt sind auch einige der Songs daraus wie etwa "Money, Money" oder der Begrüßungssong "Willkommen, Bienvenue, Welcome".


Glitzerwelt voller Lebensgier

Und willkommen fühlt sich auch der Zuschauer in dieser entschwindenden Glitzerwelt der gerade zu Ende gegangenen goldenen 20er Jahre. Er wird förmlich hineingezogen in diese sich widersprechende Atmosphäre aus Lebensgier und allmählich aufkeimendem Nationalsozialismus. Das Lebensgefühl der 20er Jahre verkörpert mit lasziver Lust an der Travestie der mit langen Wimpern versehene Conférencier des Kit-Kat-Clubs - eine der schillerndsten Figuren des Abends.

Seine Hauptattraktion ist die Engländerin Sally Bowles - eine junge, freiheitsliebende und erfolgsorientierte Künstlerin mit sprühendem Lebenshunger, den auch der nachdenkliche, junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw, in den sie sich verliebt, nicht zu stillen vermag. Es folgt eine kurze, aber aufrichtige Liebesgeschichte der beiden Ausländer in Berlin.

Bradshaw reist in die deutsche Hauptstadt, um dort einen Roman zu schreiben. Er bezieht Quartier in der Pension des ältlichen Fräulein Schneider. Dort lernt er unterschiedliche Zimmernachbarn kennen und knüpft Kontakte, so zu der englischen Sängerin Sally Bowles, die in einem Nachtclub als Star einer Varieté-Show auftritt.
Als Sally entlassen wird, nimmt sie Zuflucht in Cliffs Pensionszimmer, und die beiden werden ein Paar. Auch einem anderen Pensionsbewohner begegnet das Glück: Herr Schultz wirbt erfolgreich um Fräulein Schneider.


Politische Umbrüche

Doch die Atmosphäre Berlins verändert sich rasant unter den Stiefeltritten der kommenden Machthaber, und so hinterlassen die Vorzeichen politischer Umbrüche auch im privaten Bereich ihre Spuren: Fräulein Schneider löst die Verlobung mit dem nicht "rassereinen" Herrn Schultz und Cliff möchte Deutschland verlassen. Sally hingegen träumt weiter von ihrer großen Karriere in Berlin.

Die Resonanz des Publikums war verhalten. Es fehlte der Kontakt zu den Darstellern, da sie der Wassergraben und der breite Gehweg von der Bühne trennten. Eine ganz andere Atmosphäre herrscht in den Aufführungen im Brückentheater im Kurpark. Dort werden die Zuschauer in die Handlung mit einbezogen und erfreuen sich an der ausdrucksstarken Mimik der Schauspieler.


Mitwirkende auf der Bühne

Mitwirkende waren Julia Alsheimer, David Caravaggio, Melanie Day, Julie Griebau, Anna-Lena Heunke, Paul Kühn, Johannes Leichtmann, Theresa Lichtenberg, Carina Poleschinski, Stefanie Rüdell und Martin Rosenberg.

Andere
Piano Martin Steinlein, Inszenierung Jan Burdinski, Choreographie Kathleen Bengs, Bühnenbild Barbara Seyfried. Kostüme Christiana von Roit