Was ist das berufliche Ziel im Leben? Diese Frage stellt sich jedes Jahr aufs Neue zig Absolventen verschiedener Schulen. Nach dem Urteil so mancher Berufsberatungen ist man nur dann erfolgreich, wenn man sich rechtzeitig Gedanken über das Berufsziel macht. Anstelle der Freude am eigenen Tun in der Wahl des passenden Berufes zu folgen, denken wir stattdessen an Aufstiegschancen, Einstiegsgehälter und Zukunftssicherheit. In dieser Situation sah sich auch Reiner Seiz nach seinem Schulabschluss. Für seine Zukunft hatte der damalige Altenkunstadter "nicht unbedingt einen sicheren Plan". Umso erstaunlicher sein Werdegang. Mit einer Lehre als Schuhfertiger fing er seine herausragende Karriere an. Zumindest bei den Schuhen blieb es auch lange Zeit. Bis Januar 2013 war Reiner Seiz Mitglied im fünfköpfigen Vorstand der weltbekannten Sport- und Lifestylemarke Puma.
Gerne erinnert er sich daran zurück, wie alles begann.

Burgkunstadt war um die 1980er Jahre noch Standort zweier Schuhfabriken. Kein Wunder also, dass Vertreter dieser Berufsbranche nahezu überall anzutreffen waren. Von Kreativität und Eigenleistung war die Rede. "Das könnte ich machen", dachte sich Seiz. Und er machte. Nach einer dreijährigen Ausbildung zum Schuhfertiger in der Obermain-Schuhfabrik Burgkunstadt schloss er eine zweijährige Weiterbildung an der Berufsfachschule in Pirmasens an. Fachlich somit gut gerüstet machte er sich, zurück in der Obermainschuhfabrik, als Schuhdesigner und Modelgestalter einen Namen.

Ehrgeiz und Fleiß wurden belohnt. Schnell waren seine Modelle sehr beliebt und er als Gestalter eine gefragte Person. Das entging auch einem Headhunter von Puma nicht. Und somit stellte sich 1989 der nächste Karriereschritt ein. Als "Chefdesigner Schuhe" arbeitete er fortan für den damals 250 Millionen Umsatz schweren Großkonzern. In den kommenden Jahren kam ihm die Praxiserfahrung seiner Lehrzeit immer wieder zu Gute und bescherte ihm eine stete Erweiterung seines Aufgabenfeldes: "Schuhentwicklung, Textilauswahl, Einkauf und Produktion. Schnell hatte ich zu diesen Bereichen Kontakt und wurde für sie verantwortlich."

Auch bei den Verhandlungen mit Lieferanten und Geschäftspartnern bewies Seiz Geschick und griff oft auf das Wissen seiner Ausbildung zurück. Vom Leisten bis zur Sohle, er kannte sich aus mit den Schuhen. Das blieb auch der Führungsriege nicht verborgen. Seine Aufgaben konzentrierten sich immer mehr im kaufmännischen und Managementbereich. Mitte der 90er Jahre ging es dann rasant voran für Reiner Seiz: Er wurde zum Einkaufsdirektor von Puma in Europa ernannt. Schnell folgte die Verantwortung für den gesamten Weltverkauf.

Puma ist in der Produktion ein Outsourcing orientiertes Unternehmen. Durch den neuen Posten begann daher eine fast dauerhafte Reise rund um die Welt. Mit dem Ziel, die Qualität der Markenartikel zu verbessern, ging Seiz diese Aufgabe an. Mit dem reinen Produkt ist es für ihn dabei nicht getan. Die Sozialstandards in den Fabriken und angemessene Löhne liegen ihm am Herzen. Ziele, die mit viel Arbeit und vielen Treffen in verschiedensten Ländern verbunden sind. Doch was sagt eigentlich die Familie dazu? Reiner Seiz ist schließlich nicht nur erfolgreicher Manager, sondern auch Vater zweier Kinder. Natürlich sei er oft weit entfernt von zu Hause, doch "dieser Umstand hat sich lange entwickelt. Daher konnten wir uns gut da rauf einstellen", sagt er. Einen festen Schnitt habe es daher nicht gegeben. Zudem habe er eine starke und selbstständige Frau. "Sicher, man kann Stunden zählen. Für uns war hingegen immer wichtig, was wir aus der gemeinsamen Zeit machen." Qualität ist wichtiger als Quantität.

Mit dieser Einstellung ging es auch beruflich weiter bergauf. 2007 wurde er als Mitglied in den fünfköpfigen Vorstand berufen. Von nun an Entscheidungen für den gesamten Konzern zu treffen, war für ihn "nochmal eine ganz andere Dimension". Als Vorstand folgten "Jahre harter Arbeit", in denen er von einem Flugzeug ins nächste springen musste. Oft empfand er die wenige Zeit und die große Verantwortung auch als sehr belastend. Aber die Arbeit brachte auch Spaß und schöne Erinnerungen mit sich: In Shanghai konnte er 2004 Michael Schuhmacher seine ersten Puma-Formel1-Rennfahrerschuhe übergeben. Als Motorsport-Fan blieb Seiz gerade diese Erinnerung sehr deutlich im Gedächtnis: "Das war für mich ein wahnsinnig tolles Erlebnis", erzählt er.

Auf eigenen Wunsch verließ er Puma im Februar. Er blickt dabei "in Stolz zurück". Zu Recht. Der jährliche Umsatz ist während seiner Dienstzeit im Unternehmen auf 3,3 Milliarden Euro angestiegen. Jetzt wird es Zeit für neue Herausforderungen. Mit "Seiz Consulting" macht er sich in Form einer in Forchheim ansässigen Beratungsfirma für Unternehmen selbstständig, stellt sein über Jahre hinweg gesammeltes Wissen zur Verfügung. Dabei folgt er demselben Grundsatz wie seit jeher: "Den eigenen Weg gehen und authentisch bleiben."