Über 1500 Mitarbeiter eines Schlachthofes der Firma Tönnies im Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Alle 7000 Mitarbeiter und deren Familien befinden sich nun in Quarantäne, das öffentliche Leben im ganzen Landkreis wurde wieder heruntergefahren. Die Entwicklung ist eine Folge der dortigen Arbeitsbedingungen.

Dass jeden Tag 20 000 Schweine in besagtem Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück geschlachtet und verarbeitet werden, hat einen Preis: Massen an Fleisch werden produziert, während Mindestabstände von eineinhalb Metern zwischen den Arbeitern, die häufig aus Südosteuropa kommen, nicht eingehalten werden können. Durch die Pandemie und den rasanten Anstieg der Corona-Fälle geriet der Betrieb in den vergangenen Tagen immer wieder in die Schlagzeilen.

Arbeiten mit ausreichend Abstand

"In so einem großen Stil könnte das hier nicht passieren - wir achten darauf, dass alle Mund- und Nasenmasken tragen und die Abstände eingehalten werden", sagt Harald Novotny, der in dritter Generation die gleichnamige Metzgerei in Schney betreibt. Einen Betrieb, in dem mehrere Tausend Schweine täglich geschlachtet werden, könne man mit einem kleinen Handwerksbetrieb, wie seinem, nicht vergleichen. In seinem Betrieb werde in Schichten gearbeitet, die Mindestabstände würden streng eingehalten.

"Bei mir arbeiten insgesamt 13 Personen in Verkauf und Produktion. In der Produktion kann jeder meiner Mitarbeiter an einem eigenen Tisch arbeiten", sagt Novotny. Durch angemessene Abstände und das Tragen von Mund-Nasen-Masken versucht er, das Risiko einer Ansteckung mit Corona möglichst gering zu halten.

Den Betrieb hat er 1994 von seinem Vater übernommen. Bereits vor dem derzeitigen Skandal ist das Interesse seiner Kunden für die Herkunft des Fleisches gestiegen. "Unsere Kunden haben vermehrt nachgefragt, woher die Tiere kommen und wo sie geschlachtet werden", berichtet der 44-Jährige aus seinem Alltag. Novotny legt viel Wert auf Regionalität. "Die Schweine und Rinder kommen von kleinen Bauern direkt aus Schney oder aus dem Kulmbacher Landkreis - aus Orten in Nähe des Schlachthofs", sagt der Metzgereimeister.

Hoffen auf Umdenken

Um die Zukunft seiner Metzgerei sorgt er sich, auch in Anbetracht des Skandals, weniger. "Meine Stammkunden kommen schon seit Jahren jeden Tag oder mehrmals die Woche", freut sich Novotny, er ist überzeugt, dass die Stammkunden weiterhin kommen werden, um Fleisch und Wurst bei ihm zu kaufen. Dennoch hofft der Metzgermeister auf ein Umdenken in der Gesellschaft. "Die Leute müssen ernährt werden und das Fleisch muss irgendwo her kommen", räumt er ein. Ihm ist bewusst, dass sich nicht jeder teures Fleisch leisten kann. "Vielleicht findet eines Tages ein Umdenken statt, so dass die Leute lieber mal einen Tag auf Fleisch verzichten und sich für den nächsten Tag etwas Besseres gönnen."

Der Preis kann entscheidend sein

Die Arbeitsweise bei größeren Schlachtbetrieben wie Tönnies ist auch für Doris Böhm unvorstellbar. "Was da am Fließband abgeht ist für mich eine andere Welt", sagt die Mitinhaberin der Bad Staffelsteiner Fleischerei Leicht und Finzel. Dennoch ist ihr bewusst, dass das abgepackte Fleisch beim Discounter günstiger und länger haltbar ist. "Manche können sich leider kein teureres Fleisch leisten", bedauert sie.

Stress für die Tiere gering halten

Im Betrieb ihrer Familie, der 1840 gegründet wurde, trugen die Metzger bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie Masken, um die Hygienestandards während der Produktion zu erfüllen. "Derzeit tragen wir auch in der Küche und im Verkauf einen Mund-Nasen-Schutz", berichtet Doris Böhm, die selbst im Verkauf und in der Küche arbeitet. Insgesamt seien bei der Fleischerei Leicht und Finzel sieben Metzger angestellt, die wursten und schlachten dürfen - darunter sind auch Böhms Mann und der gemeinsame Sohn, der den Betrieb einmal übernehmen wird.

Dass die Tiere vor Ort geschlachtet werden, hat einige Vorteile. "Die Tiere werden artgerecht geschlachtet. Wenn der Bulle nicht vom Hänger will, warten wir so lange, bis er von selbst runter geht", sagt Böhm. Dass die Tiere nicht gestresst werden, wirke sich auf die Qualität des Fleisches aus. "Kurze Transportwege sind uns wichtig. Die Schweine holen wir deshalb einen Kilometer entfernt in Wolfsdorf von einem Bauern." Außerdem werde ein Bulle pro Woche geschlachtet, der von einem nahe gelegenen Gut gekauft und einem Händler gebracht wird.

Regelmäßige Kontrollen

Um vor Ort schlachten zu dürfen, gebe es regelmäßige Kontrollen. "Die Stromzange, mit der die Schweine betäubt werden und der Apparat, mit dem der Bulle geschossen wird, werden regelmäßig überprüft und gewartet", erklärt sie. Von Seiten der Regierung werde regelmäßig vor Ort kontrolliert, ob alle Richtlinien erfüllt werden. Wer schlachtet, brauche außerdem eine bestimmte Ausbildung.

Vor allem die Stammkunden wissen die Qualität des vor Ort produzierten Fleisches zu schätzen: "Unsere Filiale in Staffelstein befindet sich in einem Wohngebiet. Laufkundschaft, wie in einer Fußgängerzone, haben wir weniger - außer die Leute werden gezielt hergeschickt." Mit dem Ausbruch von Corona habe sich das Kaufverhalten verändert. "Die Kunden kommen jetzt seltener und kaufen dafür mehr. In der letzten Zeit ist vor allem die Nachfrage nach Fleisch gestiegen, es werden momentan viele Rezepte ausprobiert."