"Es ist der Wahnsinn! Uns gehen langsam die Stellplätze aus." Die Schweißperlen auf der Stirn des Streckenpostens an der Einfahrt zum Michelauer Industriegebiet rührten nicht nur von den sommerlichen Temperaturen. Das Oldtimer-Treffen 2013 in Michelau sprengte alle Rekorde.

Schwerstarbeit mussten die Jungs in der Meldestelle leisten. Als sie am Nachmittag die Excel-Datei schlossen, hatten sie fast 450 Fahrzeuge registriert. In Wirklichkeit waren es weit mehr, da etliche Besitzer der Oldtimer angesichts der Wartezeiten da rauf verzichtet hatten, ihr Fahrzeug registrieren zu lassen.

Den besten Überblick über die rund 500 Fahrzeuge und zigtausend Besucher hatten immer noch die, die sich mit der Feuerwehrdrehleiter von Matthias Schneider auf einem Magirus Deutz Baujahr 1975 in schwindelerregende Höhe emporfahren ließen. Aus 30 Metern Höhe konnte man das gesamte Gelände überblicken. Bulldogs, Unimogs und Trecker im Süden, so weit das Auge reichte. Wie auf Perlenschnüren aufreiht standen im Westen dicht an dicht die edlen Karossen und die chromblitzenden Motorräder.

Gleich im Eingangsbereich erzählten die drei ältesten Fahrzeuge von längst vergangenen Zeiten. Willys Knight war ein Pkw, der 1923 von Willys in Toledo (Ohio) hergestellt wurde. Die ersten derartigen Fahrzeuge kosteten 2500 US-Dollar, ein Betrag, über den man heute nur noch schmunzeln kann. Fast genauso alt waren die beiden Chevrolet Sedan (Baujahr 1925). Immerhin 25 Pferdestärken hatten die Nachfahren der Postkutsche schon unter der Haube. Da nahm sich ihr Hubraum mit knapp drei Litern noch relativ bescheiden aus, zumindest, wenn man ihn mit den beiden Lanz D9506 aus dem Jahr 1935 vergleicht. Aus fast 10,5 Litern zauberte der Traktor 45 PS.

"So einen hatte ich auch mal!"

Die meisten Fahrzeuge stammten jedoch aus den 50er und 60er bis 80er Jahren. Da war so manches gute Stück darunter, an das sich die älteren Besucher noch gut erinnern konnten. "So einen hatte ich auch einmal", erklärte das der Papa dem staunenden Filius, und die Augen streichelten verträumt einen Ford Capri, mit dem man damals bei den Mädels schon Eindruck machen konnte.

Pünktlich um 13 Uhr machte sich Hektik breit. Die große Ausfahrt der historischen Fahrzeuge stand an. Ratternd und knatternd starteten die Bulldogs und Traktoren. Der Geruch nach Diesel lag in der Luft, und so manche Rußwolke scherte sich einen Teufel um die Fein staubverordnung.

Froh gelaunte, winkende Menschen drängten sich auf den Sitzen. Sogar des Besitzers "Lumpi" hatte es sich in einer Kiste auf dem Beifahrersitz bequem gemacht. Los ging´s in den strahlenden Sonntagnachmittag. In einer langen Schlange tuckerten die Trecker in Richtung Neuensee und lehrten den Autofahrer, was es heißt, Ruhe zu bewahren.

Rundfahrt ohne Pannen

Mit Vollgas ging´s den Berg hinauf, vorbei an Wiesen und Feldern und winkenden Badegästen am See zurück ins Michelauer Industriegebiet. Die schnelleren Motorräder und Kraftfahrzeuge waren an der Neuenseer Kirche längst abgebogen. Sie führte die Ausfahrt weit ins Coburger Land bis nach Sonnefeld und Neuses am Brand. Doch auch sie kamen ohne größere Pannen nach ihrer Rundfahrt wohlbehalten ins Industriegebiet zurück.
Noch einmal wischten sich am Abend Hauptorganisator Robert Gutgesell und seine Helfer den Schweiß von der Stirn. Mehr geht nicht, darin waren sich alle einig. Man muss sehen, ob und wie man in Zukunft einen derartigen Ansturm bewältigen kann.