Im Leben geht mancher Scherz daneben, mussten die Narren des Staffelsteiner Karnevals-Klubs (SKK) am Sonntag bei der Elferratssitzung leidvoll feststellen. Die Technik (ein alter Kassettenrekorder) widersetzte sich hartnäckig der geballten karnevalistischen Sachkompetenz. Und so kam der eigentlich für einen Sketch benötigte "Tatort"-Trailer eben nicht vom Band, sondern ganz mickrig jaulend und scheppernd von einem Handy. Doch jene, die so gern austeilen, trugen es mit Humor und nahmen sich selbst auf die Schippe.
Mit ihrem lauten Schlachtruf "S-K-K - ra-ra-raaaaa!" stolperten die Narren um 11 Uhr 11 ihrer Purzelgarde hinterher die Rathaustreppe hinauf. Oben mimte Zweiter Bürgermeister Hans Josef Stich (CSU) hartnäckige Gegenwehr, bevor er den Rathausschlüssel drehbuchgemäß herausrückte.
Ganz dem Motto der 94 Tage dauernden aktuellen Saison entsprechend - "Hollereidudljö! Almabtrieb und Aprés Ski, zum SKK do
gemmer hie!" - absolvierten SKK-Präsident Matthias Graß und seine Narrhalla mit dem Publikum im proppenvollen Rathaussaal das Jodeln. Der Präsident verlas die berühmten Zeilen von Loriot "Holleri di dudel do - diridi di dudel dö ...", was die Gäste im Saal nachsprechen sollten.
Analog zum Willkommenspaket, das Landrat Christian Meißner (CSU) allen Neubürgern des Kreises zukommen lässt, kreierten die Staffelsteiner Narren ein Willkommenspaket für alle am 11.11. Geborenen. Queen Mum, alias Margit Schnapp, stellte das Set vor, das aus Luftschlangen, Schminke, einer Pappnase und einem Lätzchen besteht. "Heute ist ein Stichtag", feixte Präsident Matthias Graß und hängte Zweitem Bürgermeister Stich das Lätzchen um den Hals. Mit einem "Holleri du Dödel du" promovierte er den Zweiten Bürgermeister und Dritte Bürgermeisterin Sabine Scheer (JB) zu Diplomjodlern. Brauchte Hans Josef Stich die Jodelformel nur vorwärts zu sprechen, musste Sabine Scheer - "die is' Lehrerin, also gescheiter" - die Silbenblöcke rückwärts aufsagen.
Den Staffelsteiner Keltenweg wollten die Karnevalisten in abgewandelter Form zum "kommunalen Erlebnisweg" erweitert sehen. In diesem Narrenweg möchten sie architektonische Fehltritte aufgenommen wissen. Dazu zählten Jo Riemer, Michael Heß und Matthias Graß unter anderem die ins Nichts führende Brücke im Kurpark, die nun als Brückentheater genutzt werde, das Spanierhaus am Kurpark, das für die TCM-Chinesen renoviert worden sei, die aber nicht da geblieben seien, und die verkorkste Angerbrücke.
Auch dem Energiewandel widmete der Elferrat einen Exkurs: Als "Vorrangfläche 11.11 " für Windenergie machten sie den Sitzungssaal des Rathauses dingfest. Michael Heß erklärte, warum: "Nirgendwo im Stadtgebiet wird mehr Wind gemacht und heiße Luft geplaudert."