Deutschlandweit gibt es mehr als 7,5 Millionen Minijobber. Im Kreis Lichtenfels sind es derzeit 5735 (Stand Dezember 2016). Davon sind 34,5 Prozent männlich und 65,5 Prozent weiblich. "Für Frauen ist ein Minijob neben Haushalt und Kinderbetreuung oft einfacher zu planen", erklärt Nicole Krank, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, den höheren Anteil. Ein Minijob sei eine gute Möglichkeit, seine Kenntnisse aufzufrischen und wieder in das Berufsleben einzusteigen. Beim Minijob gilt: brutto wie netto. Bis zur Grenze von 450 Euro bleibt das Einkommen für den Arbeitnehmer steuerfrei. Besonders für Studenten, Schüler und Rentner sei das eine gute Möglichkeit, die finanzielle Situation zu verbessern, ergänzt Matthias Klar, Pressesprecher der Arbeitsagentur. Doch man müsse auch aufpassen: "Mit einem Minijob hat man keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und auch für die Rente ist er sehr schlecht", erklärt Nicole Krank. Zudem sei ein Minijob nicht unbedingt ein Sprungbrett. Man steige häufig unterqualifiziert ein, die Aufstiegsmöglichkeit in eine sozialversicherungspflichtige Stelle sei oft nicht gegeben.

Die meisten Minijobs gibt es laut Matthias Klar in der Region im Handel (18 Prozent), gefolgt vom Gastgewerbe (17 Prozent). Im verarbeitenden Gewerbe sind es 12 Prozent, ebenso viele in privaten Haushalten.
Als Matthias Klar und Nicole Krank die Statistik rund um Minijobs durchgegangen sind, sind sie auf einige Überraschungen gestoßen. "Viele denken ja immer, dass Ausländer häufig Minijobs machen, aber das ist gar nicht der Fall. Im Landkreis Lichtenfels sind es gerade einmal 3,8 Prozent", erklärt Klar. Ähnliche falsche Annahmen gebe es bei der Qualifikation der Minijobber: "Viele sind geneigt zu sagen, dass nur Leute Minijobs ausüben, die nicht qualifiziert sind. Aber das stimmt nicht. 65,2 Prozent der Minijobber haben einen anerkannten Berufsabschluss und sind damit Fachkräfte", erklärt der Pressesprecher. 17,5 Prozent der Minijobber im Landkreis haben keinen Abschluss.

Die Gesamtzahl der Minijobs habe sich in den letzten Jahren kaum verändert. Aber es gibt laut Klar eine Verschiebung von Leuten, die nur einen Minijob haben, hin zu Leuten, die einen Minijob als Zuverdienst machen. Eine mögliche Erklärung ist die gute wirtschaftliche Lage: "Viele Leute, die einen Minijob hatten, und dann wieder in die Vollbeschäftigung gehen, behalten ihren Minijob wegen des Einkommens, den sozialen Kontakten und weil er Spaß macht", erläutert Klar. Viele bräuchten aber noch einen Minijob zusätzlich, um über die Runden zu kommen.

Die Altersgruppe 65 Jahre und älter ist mit 14,9 Prozent unter den Minijobbern relativ stark vertreten. "Die älteren Leute sind heutzutage gesundheitlich fitter als vor 20 Jahren. Zudem suchen viele nach ihrem regulären Arbeitsleben noch eine Beschäftigung", erklärt Matthias Klar die positive Sichtweise auf die Dinge. Seine Kollegin stellt die andere Seite der Medaille dar: "Besonders Frauen sind von der Altersarmut betroffen. Sie sind im Rentenalter einfach auf einen Minijob angewiesen." Ein weiteres Problem: "Die Leute erhalten oft wenig Anerkennung und werden als Arbeitnehmer zweiter Klasse gesehen", erklärt Krank. Arbeitgeber sehen in Minijobbern Arbeitskräfte, die sie flexibel einsetzen können. Sie meinten zudem, dass ein Minijob günstiger komme als eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Aber: "Zwei Minijobber sind teurer, als wenn ich eine Teilzeitkraft sozialversicherungspflichtig einstelle", betont Nicole Krank. Außerdem: "Wenn ich fest angestellt bin, ist die Loyalität und die Verbundenheit zu meinem Arbeitgeber viel größer." Das merke man dann auch an der Motivation des Arbeitnehmers.


Nicht ohne Arbeitsvertrag

Auch bei Minijobs gibt es Aspekte, die Arbeitnehmer beachten sollten. "Von einem Stellenangebot, in dem nur eine Handynummer angegeben ist, sollte man Abstand halten", rät Matthias Klar. Das sei unseriös. Zudem rät er, sich immer einen Arbeitsvertrag geben zu lassen, in dem das Gehalt, mindestens der Mindestlohn von 8,84 Euro, der Urlaubsanspruch, Unfallschutz und die Arbeitszeit festgehalten sind. "Ein Minijob gilt als Teilzeitbeschäftigung. Also habe ich auch da die gleichen Rechte in Sachen Kündigung", ergänzt Nicole Krank.
Minijobs gibt es übrigens nicht nur bei privaten Unternehmen, sondern auch im öffentlichen Dienst. Und dies nicht selten. Peter Zillig von der Stadtverwaltung Lichtenfels gibt auf Nachfrage Auskunft: "Aktuell haben wir 57 geringfügige beziehungsweise kurzfristig Beschäftigte. Davon arbeiten auf Dauer 35, auf Zeit 22."
Die Gründe für diese Beschäftigungen seien vielseitig. Die Stadt habe viele Gebäude zu unterhalten, deshalb beschäftige man Hausmeister und Reinigungskräfte vor Ort, in den Ortsteilen viele Helfer in der Grünpflege, zudem Helfer bei Veranstaltungen, beim Kartenverkauf, Stadtführer etc. Zillig betont: "Nach Möglichkeit beschäftigten wir unsere Mitarbeiter in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen. In vielen Fällen fallen aber Arbeiten nur gelegentlich, stundenweise, oder nur einmalig an. Viele Rentner und Studenten haben in diesem Rahmen einen Zusatzverdienst." In den Bereichen, die man organisatorisch nicht mit hauptberuflichen Mitarbeitern abdecken könne, setze man Nebenverdienstler ein.
Langfristig eingesetzt werden die Minijobber bei der Stadt Bad Staffelstein. Sie beschäftigt nach Auskunft des Geschäftsleiters Wolfgang Hörath derzeit 80 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und 32 geringfügig Beschäftigte. Letztere sind hauptsächlich im Museum und im Kur- und Tourismus-Service, zum Beispiel als Stadt- und Wanderführer oder Busfahrer, eingesetzt; außerdem auch im Bauhof und als Reinigungskräfte in den Schulhäusern.


Tipps zum Minijob

Die Arbeitsagentur Bamberg-Coburg hat sich im Herbst das Thema Minijob auf die Fahne geschrieben. In der letzten Septemberwoche startet in Coburg eine Wanderausstellung zum Thema Minijob. Nach einer Woche tourt die Ausstellung weiter durch Oberfranken und macht auch Station in Lichtenfels. Genaue Informationen zum Zeitraum und zu den stattfindenden Workshops und Veranstaltungen rund um die Wanderausstellung gibt die Arbeitsagentur noch bekannt. Weitere Informationen und Broschüren zum Thema Minijob gibt es auf der Internetseite www.minijob-zentrale.de www.minijob-zentrale.de


Statistik aus dem Landkreis Lichtenfels

Den höchsten Anteil an Minijobs im Landkreis Lichtenfels gibt es in Bad Staffelstein: 10,4 Prozent oder 1064 Beschäftigungsverhältnisse. In der Kreisstadt Lichtenfels sind es 9,9 Prozent, die tatsächliche Zahl liegt natürlich höher (1995), da Lichtenfels fast doppelt so viele Einwohner zählt. Diese Zahlen zeigt das Recherche-Portal Correctiv an. Zugrunde liegen Daten vom Stand 31.12.2015. Die Gemeinde mit dem niedrigsten Anteil an Minijobbern im Landkreis Lichtenfels ist Redwitz: 7,3 Prozent. 4,4 Prozent haben ausschließlich diesen Minijob, für die restlichen 2,9 Prozent ist es ein Nebenjob. In den anderen Orten liegt der Anteil der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse zwischen 8 und 9,3 Prozent.