Er hat es wohl nicht gewusst. Sonst hätte er sich sicher nicht in die erste Reihe gesetzt. Wer als Mann bei einem Auftritt von Lizzy Aumeier ganz vorn sitzt, egal ob hier im prächtigen Kaisersaal oder in einer ihrer TV-Shows, muss damit rechnen, dass er Teil ihres Programms wird.

Zum 14. Mal hat die Kultur-Initiative Bad Staffelstein es geschafft, die begnadete Musikerin aus der Oberpfalz und ihre vier Musikerkolleginnen nach Banz zu holen. Titel ihrer rund zweistündigen Mischung aus Konzert und Musiktheater war "Neujahrskonzert" mit Werken der Komponisten Johann Strauß Vater und Sohn.

"Was bist DU von Beruf?" fragte Lizzy einen Herrn in besagter erster Reihe. "Des willst du net wissen", antwortete der zur Freude des Publikums im ausverkauften Saal. "Sag's, sonst komm' ich zu dir runter und setz' mich auf dich drauf", droht Lizzy. Er bleibt grinsend stumm und hat wenige Augenblicke später die Kabarettistin auf seinem Schoß sitzen.

Na, geht doch...

Polizist ist er, gibt der Mann in der ersten Reihe zu, und aus Kronach ist er. Lizzy ist zufrieden. Sie beginnt - zurück auf der Bühne - mit den "Weißen Lilien" Klassik vom wirklich Allerfeinsten zu spielen.

Herausragend an der Solovioline die Russin Svetlana Klimova. Seit 1986 ist sie Konzertmeisterin der Moskauer Symphoniker, hat Soloauftritte in Europa, Südamerika und Asien. Eine "echte" Adelige ist Baronesse Irene von Fritsch: Sie spielt an diesem Abend das Violincello. Sonst hat sie unter anderem Gastauftritte  bei den Münchner, den Nürnberger und den Heidelberger Symphonikern. Alice Graf, die dritte der Damen, gibt Konzerte als Solistin und Kammermusikpartnerin, außerdem unterrichtet sie an der Fürther Musikschule. Gaby Athmann, Flötistin, ist mit Leib und Seele Lehrkraft an der Musikschule Fürth.

Zwischen den einzelnen Werken gibt es immer wieder Informationen zu dem Komponisten: Die Wiener Familie Strauß steht beispielhaft für anspruchsvolle Tanz- und Unterhaltungsmusik. Johann Strauß (Vater) (*14.3.1804) arbeitete als gelernter Bratschist zunächst im Quartett und Orchester Joseph Lanners. Mit 21 Jahren gründete er sein erstes eigenes Tanzensemble, mit dem er von 1833 an umfangreiche Konzertreisen durch Europa unternahm.

Er schrieb über 250 Kompositionen, sein bekanntestes Stück wurde der "Radetzky-Marsch, op. 228", als "Volkslied" besser bekannt unter dem Titel "Wenn der Hund mit der Wurst übern Eckstein springt."

Fruchtbar in jeder Beziehung

Der lebensfrohe Mann hatte mit zwei Ehefrauen insgesamt elf Kinder, darunter Sohn Johann Baptist (geboren 1825 in Wien), der ebenfalls als Komponist tätig wurde. Der hatte sich mit Unterstützung seiner vom Ehemann verlassenen und somit enttäuschten  Mutter zum Musiker ausbilden lassen, 1844 seine eigene Kapelle gegründet und wurde nach dem Tod des Vaters 1849 zum "Walzerkönig". Zu den heute immer noch unvergessenen Stücken gehören "An der schönen blauen Donau" oder "Wiener Blut", aber auch Operetten wie "Die Fledermaus" und "Der Zigeunerbaron".

Die Werke der Familie Strauß werden bei jedem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker international gefeiert. Nach der kurzen Pause wurde es noch einmal richtig amüsant: Lizzy Aumeier hatte sich erneut einen Herrn aus der ersten Reihe ausgesucht:  Klaus aus Weismain. Er tanzt mit ihr Walzer. Das Publikum ist begeistert. Auch als ein Überraschungsgast kommt: Lizzys Ehemann Andreas Stock, verkleidet als Johann Strauß Vater: Er dirigiert Damen-Orchester und Publikum.

Nach zwei eindrucksvollen Zugaben, die tief ans Herz der Zuhörer gingen, endete ein Konzertabend, der mit seiner musikalischen Qualität sicher auch höchste Ansprüche befriedigt hat. Allein bei der  Vorstellung der einzelnen Musikstücke war noch Luft nach oben.