Der Wachmacher ist für viele nicht wegzudenken, aber gerade bei Kapselmaschinen entsteht viel Müll. Das hat Jürgen Müller ins Grübeln gebracht und er suchte nach einer Lösung. Die hat er nach vielen Tassen Kaffee auch gefunden.
162 Liter Kaffee trinkt der deutsche Bürger durchschnittlich pro Jahr. Neben Filterkaffeemaschinen sind gerade Kapselmaschinen wie die von Nespresso immer beliebter. Die bunten Aluminium-Kapseln sehen zwar toll aus, sind aber nicht umweltfreundlich. Das dachte sich auch Jürgen Müller von der Müller Mechanik GmbH aus Mistelfeld. Er hat sich darüber Gedanken gemacht und eine umweltfreundliche Lösung gefunden.
Sie stellen in Ihrer Firma eigentlich Gleitschleifmaschinen zum Entgraten und Polieren her. Wie kamen Sie auf die Idee für die wiederverwendbaren Kaffeekapseln capseco?
Jürgen Müller: Ich habe die Entwicklung mit den Kaffeekapseln in den Medien verfolgt und war schockiert, wie viel Müll dadurch entsteht. Für dieses Problem suchte ich nach einer Lösung. Ich finde, das ist ein sehr wichtiges Thema und dass wir auch dazu verpflichtet sind dafür zu sorgen, dass unsere Natur erhalten bleibt.
Wie schwierig war es, die wiederverwendbaren Kapseln zu entwickeln und zu produzieren?
Es war wirklich sehr, sehr viel Arbeit. Das habe ich am Anfang unterschätzt. Als Erstes hab ich mir eine Kapsel-Kaffeemaschine gekauft und sie zerlegt. Das war sehr wichtig, damit ich verstehen konnte, wie der Brühvorgang abläuft und welche Form die Kapseln haben müssen. Auch die Spritzgussformen, mit denen die Kapseln hergestellt werden, habe ich selbst geplant und gebaut. Das Ganze in einer Fremdfirma produzieren zu lassen wäre viel zu teuer gewesen. Und da ich die Maschinen dafür habe, konnte ich alles selbst herstellen. Für die Produktion von capseco habe ich dann Spritzgießmaschinen angeschafft, um die Kapseln selbst herstellen zu können. Die Produktion ist viel schwieriger als man allgemein annimmt. Hier musste ich mir einiges Wissen aneignen.
Wie lange hat es gedauert, bis die Kaffeekapseln fertig waren? Das Ganze hat ungefähr zweieinhalb Jahre gedauert. Besonders das geeignete Material für die Weichkomponente zu finden war nicht einfach. Der Werkstoff, aus dem die Kapseln bestehen, ist ähnlich dem eines Babyschnullers. Umfangreiche Tests und Migrationsprüfungen bestätigen die Unbedenklichkeit und lassen mich nachts ruhig schlafen. Die Kapseln sind silikon- und latexfrei und enthalten weder Weichmacher noch Bisphenol A. Das Filtersieb war noch einmal eine Herausforderung. Jetzt sorgen 177 Aromaporen für einen super Kaffee. Es hat wirklich Hunderte von Versuchen gebraucht, bis unsere capseco fertig war.
Sie haben viel in Ihrer Freizeit an dem Projekt herumgetüftelt. War das nicht eine Belastung für das Familienleben?
Das war überhaupt kein Problem. Ich habe ja das Glück, dass meine Firma in unserem Haus ist. Wenn meine Familie abends noch bei schönem Wetter draußen gesessen ist, habe ich mich auch immer wieder mal einfach dazu gesetzt und später wieder mit mancher neuer Anregung weitergearbeitet. Und das Ganze wäre ohne den Familienanschluss auch nicht möglich gewesen. Alle haben mitgeholfen, meine Frau, meine beiden Töchter und sogar meine Mutter haben mit angepackt und ihre Ideen mit eingebracht. Es ist wirklich ein Produkt, hinter dem wir gemeinsam stehen.
Ein Kaffee muss meistens schnell fertig sein. Dauert es lange, die Kaffeekapseln zu befüllen?