Da geht sie, die Neue. Das hätte man denken können, so am Sonntagvormittag ab 10 Uhr auf jeden Fall, denn just um diese Uhrzeit bog die Ebensfelderin Brigitte Plesnivy (64) einen Tross hinter sich wissend vom Stadtmuseum kommend in die Bahnhofstraße ein. Sie hatte einen guten Grund dazu, denn seit Sonntag ist sie nun auch praktizierende Genusswanderführerin und in den Fußstapfen von Hildegard Wächter. Doch Plesnivy stapft schon sehr selbstständig, hat noch jede Menge vor und spricht von eigenen Wegen.

Heimat und Genüsse erkunden

Das Prinzip ist so einfach wie klug: Wanderer erkunden die Gegend unter Anleitung, kehren dann und wann aber entlang ihrer Touren durch das Staffelsteiner Land bei Genussanbietern wie kleinen Brauereien, Familiengasthöfen, Fischteichbesitzern oder Bäckern ein. Es kommt zu Verkostungen und zu jeder Menge Austausch über die Produkte und ihren Genusswert. Dabei lernt man nicht nur die Heimat und ihre Genüsse kennen, sondern auch Anekdotisches und Geschichtliches.

Seit Jahren ist das ein Erfolgsrezept, und der Name, der hierfür steht, heißt Hildegard Wächter. Aber jetzt gesellt sich ein weiterer hinzu. Es ist Mittagszeit, es ist Wiesen und der Gasthof Hellmuth. Eine Station auf der ersten Führung, die Brigitte Plesnivy für 14 Mitwanderer organisiert und ausgearbeitet hat. Zu einer Erstmaligkeit in der Geschichte der Genusswanderungen kam es dabei auch schon, etwa eine Stunde zurückliegend und etwas weiter östlich gelegen in Nedensdorf.

"Fährmann, hol über" hatten dabei die Wanderer über den Main hinüberzurufen, und der Fährmann kam auch. Über all das kann man sich jetzt beim Gasthof gerade gut unterhalten, weil Plesnivy gerade niemandem etwas zu erklären braucht, weil alle Mitwanderer an ihren Plätzen zu Mittag sitzen und weil noch fünf Minuten Zeit zum Aufbruch nach Unterzettlitz ist, wo man eine Destille aufsuchen wird. Genusswanderung eben.

Wie sind Sie auf die Idee "Wanderführerin" gekommen?

Brigitte Plesnivy 2018 war das in einem Mitteilungsprogramm der VHS-Forchheim gewesen, dann habe ich die Ausbildung beim Deutschen Wanderverein gemacht und bin auch Naturlandschaftsführer geworden.

Was war Lerninhalt, was war Lernaufwand?

Ich musste Navigation lernen, Wetterkunde, Mediation, Kartenlesen, Fauna und Flora und ganz viel über Recht. Der Aufwand lag bei über 80 Stunden.

Was haben Sie vorher gemacht? Was ist Ihr Werdegang?

Ich bin verheiratet, habe einen Sohn und bin zweifache Oma. Ich war in der Schulbegleitung tätig.

Hatten Sie heute kurz vor 10 Uhr Lampenfieber?

Eigentlich nicht, weil ich wusste, es sind eine ganze Menge Leute dabei, die ich ja schon kenne.

Was war heute Ihr erster Gedanke nach dem Aufwachen?

Ich möchte Hildegard nicht doubeln (lacht freundlich), möchte auch eigene Akzente setzen. Wir haben uns gestern noch Mails geschrieben (Anmerkung der Redaktion: Hildegard Wächter hat die Genusswanderungen geprägt und wird sich in absehbarer Zeit zurückziehen.)

Müssen Sie bei all den Genussanbietern noch vorstellig werden?

Klappere dieser Tage bis Oktober alle ab. Die nächsten Tage habe ich ganz, ganz viel Arbeit, das auf den Weg zu bringen. Es geht ja um den Flyer 2021.

Was haben Sie von Hildegard Wächter gelernt und hatte sie einen Rat für Sie?

Sie war diejenige, die mich angesprochen hatte, ob ich ihre Nachfolgerin werden wollte. Das war 2019. Was ich an ihr toll fand, war, dass sie es mit Ruhe und Gelassenheit schafft, dass die Genussanbieter mit ihr zusammenarbeiteten. Ihr Rat war: ,Du musst nicht einer Messlatte gerecht werden, sondern immer nur dir selber!‘

Wer neu ist, hat eigene Ideen - wie steht' s damit?

Ja, es gibt viele Ideen. Das sprudelt aus einem heraus, so wie das mit dem Fährmann. Der Fährmann war noch nie eingebunden.

Sind Sie selbst immer schon Wanderin gewesen?

Nein. Ich kam erst 2018 zum Wandern. Radwandern mache ich aber schon seit 20 Jahren. Die Fragen stellte Markus Häggberg.