Könnte die ehemalige Synagoge sprechen, sie hätte einiges zu erzählen. Fast 220 Jahre steht sie mitten in Lichtenfels und wurde lange von einer jüdischen Gemeinde genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich ihr Bild, sie wurde als Lager und zeitweise als Schweinestall missbraucht. Kaum vorstellbar, wenn man nun die 2011 nach dreijähriger Restaurierungsdauer wiederhergestellte Synagoge sieht
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Zum Tag des offenen Denkmals luden Stadtarchivarin Christine Wittenbauer und Ulrich Sünkel, der Leiter des Hochbauamts, zu einer Matinee mit anschließendem Gespräch in die Synagoge. Auch Kreisheimatpflegerin Andrea Göldner wohnte der Veranstaltung bei.

Interessiert folgte eine kleine Gruppe Sünkel und Wittenbauer durch die Synagoge.
Zwar ist die Größe des Gebäudes überschaubar, trotzdem gibt es viel darüber zu erzählen, und so manches Detail könnte einem leicht entgehen: Die Nischen etwa hinter der letzten Stuhlreihe wurden in die Wand geschlagen, damit mehr Gläubige einen Platz finden.


Blick in die Vergangenheit

Am hölzernen Tonnengewölbe oben rechts unter einem Scheinwerfer wurde eine kleine Stelle im Originalzustand belassen. Die 1798 erbaute Synagoge wurde 1897 umgebaut, damals erhielt sie auch die charakteristische gewölbte Holzdecke mit den zierlichen Blumenornamenten. Die Restaurateure fanden 2008 eine gelbweiße Lackierung vor, die erst fachmännisch entfernt werden musste. Genauso wie die Eichentür, die bis dahin zugemauert war.

Zum Vorschein kamen damals auch der Tora-Erker mit dem Misrachfenster und ein Brunnen im Innenhof.
Und heute? Seit einigen Jahren wird die ehemalige Synagoge für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Vorübergehend fänden dort auch Trauungen statt, erzählt Sünkel. Man überlege sogar, den Raum auf Dauer dafür anzubieten.

Sünkel lobt die Vorteile des Gebäudes: barrierefrei, zentral gelegen und trotzdem etwas abseits der Straße. Nicht zu vergessen ist eines der hervorstechendsten Merkmale: "Die Akustik ist ein Traum." Überzeugen konnte man sich davon bei der Matinee mit Musikschülern der Heinrich-Faber-Musikschule Lichtenfels.

Annika Gagel erinnerte mit zwei jüdischen Liedern, die sie auf der Blockflöte spielte, an die lange jüdische Geschichte des Hauses. Christoph Gagel hat sich mit "Hava nagila" ein hebräisches Volkslied ausgesucht. Mit sicherer und ruhiger Hand spielte er außerdem "Rigaudon" von Alexander Goedicke. Moritz Handke überzeugte mit dem "Rondo alla turca" von Wolfgang Amadeus Mozart und "River Flows in You" von Yiruma. Esther Schadt, die erfahrenste der drei Pianisten bei dieser Matinee, ließ einige Meister der Klaviermusik erklingen: Beethoven, Mendelssohn, Johann Sebastian Bach, Rachmaninow. Besonders bei der "Polichinelle", einem Stück des letztgenannten Komponisten, erfüllten die kraftvollen Töne den ganzen Raum.


Romantische Klänge

Aber auch die romantischen Klänge Mendelssohns aus der Nummer 3, Opus 30, "Lieder ohne Worte" entfalteten ihre Wirkung: "Das sind besonders zauberhafte und gefühlsbetonte Melodien", so Schadt über das Stück.

Mit Melodien, mit Gesprächen, mit Leben bekommt das historische Gebäude einen würdigen Platz in unserer Gegenwart. Des Denkmals, der Geschichte, wird nicht nur gedacht, es wird wieder ein Bestandteil des heutigen Lebens. Wittenbauer erzählt von einigen Nachfahren jüdischer Gemeindemitglieder, die nach Lichtenfels gekommen waren, um die Synagoge zu sehen. Sie seien begeistert gewesen.

Fotos

Flöte Annika Gagel
Mit jüdischen Liedern erinnerte Annika Gagel an die lange jüdische Geschichte der Synagoge.



Ulrich Sünkel
Ulrich Sünkel, der Leiter des Hochbauamtes, erklärt hier anhand der Bilder die Restaurationsarbeiten.