Jemanden, der Kloster Banz seit Jahrzehnten kennt, von dem könnte man erwarten, dass er zum Ausspannen und Kraftschöpfen einen anderen Ort aufsucht. Michael Möslein, der Verwaltungsleiter der Hanns-Seidel-Stiftung, muss auf die Frage nach seinem Lieblingsort nicht lange nachdenken: "Mein Lieblingsort am Obermain ist eindeutig der Kaisersaal in Kloster Banz". Die Gemälde in diesem wunderbaren Raum, sagt er, geben die Geschichte dieses Ortes wieder, die bis ins 8. Jahrhundert zurück geht.

Obwohl er wohl tausendmal in diesem Raum gewesen sei, blieb er etwas Besonderes. "Das ist ein Ort, wo ich ich selber bin." Ob der Ort gut auf ihn wirke? "Ja, denn er strahlt Ruhe und Zeitlosigkeit aus." Das heißt aber längst nicht, dass er hier ungestört bleiben will, sagt der 51-Jährige. Den Kaisersaal dürfe er den Gästen von Kloster Banz schließlich nicht vorenthalten.


Wichtige Entscheidung getroffen


Das erste Mal sei er im Juli 1983 dort gewesen, als der Kaisersaal frisch saniert war, erinnert sich Michael Möslein. Ob er an diesem Ort schon einmal eine für sein Leben wichtige Entscheidung getroffen habe? Er macht eine Kunstpause, dann antwortet er: "Ja. Ich habe in diesem Raum geheiratet." Im Kaisersaal fühle er sich zwar nicht klüger, aber die Gedanken schweben freier dahin, sie seien intensiver.

Auch an etwas Kurioses, das sich im Kaisersaal ereignete, erinnert sich Michael Möslein: Irgendwann in den 90er Jahren war Helmut Kohl nach Banz gekommen. Nach einem ausgiebigen Festbankett habe er den hünenhaft gebauten Bundeskanzler im Kaisersaal noch mit einem Tablett voller Bratwürste verwöhnen dürfen. Der Kanzler fand Geschmack an den Bratwürsten und räumte das Tablett ratzeputz leer. Mit Freude und Erstaunen habe er das beobachtet, sagt Michael Möslein, denn Kohl habe "die Bratwürste gegessen, als seien es Salzletten".

Mit welchem Slogan er für seinen Lieblingsort werben würde? Der Kaisersaal sei ein wunderbares Geschenk der Geschichte, meint Michael Möslein: "Dazu fällt mir ein Wort von Franz Josef Strauß ein: Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts." Schließlich habe die deutsche Geschichte eine glückliche Wendung genommen seit damals, als FJS sich 1983 dafür ausgesprochen habe, Kloster Banz als fränkischen Standort der Hanns-Seidel-Stiftung zu etablieren. Ganz bewusst habe er auf Banz gesetzt, das bis 1990 in unmittelbarer Nähe zur deutsch-deutschen Grenze lag und dsa heute wieder mitten in Deutschland liegt.

Wer sich ein virtuelles Bild des Kaisersaales machen möchte: Auf der Webseite der Hanns-Seidel-Stiftung befindet sich eine veränderbare Panorama-Ansicht. Übrigens: Den repräsentativen Saal mit bis zu 200 Sitzplätzen kann man auch mieten.