Über 30 Jahre war Hans-Peter Niedermeier federführend verantwortlich für das Liedermacher-Nachwuchsfestival der Hanns-Seidel-Stiftung. Nun geht der 66-Jährige in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihm darüber, worin das besondere Flair der Liedermacherszene auf dem Banzberg in seinen Augen und Ohren besteht.

Professor Niedermeier sitzt leger auf einer Bierbank im Bruderhof. Auf dem Kopf hat er eine Basecap, auf die sein Monogramm HPN gestickt ist. Seit 1987 ist er den Künstlern und den Menschen aus der Region unter diesem Kürzel bekannt. So lange betreute er die Nachwuchspreisträger, die von der Hanns-Seidel-Stiftung gefördert werden. Darunter sind so bekannte Musiker wie Willy Astor, Wolfgang Buck, Bernd Stelter und Bodo Wartke sowie die Gruppen Rosenstolz und Viva Voce.

Als Hans-Peter Niedermeier kürzlich sein Büro in der Münchner Zentrale der Hanns-Seidel-Stiftung ausräumte, kamen ihm viele Erinnerungen aus über 30 Jahren in den Sinn - und von über 30 Leitz-Ordnern voller Zeitzeugnisse konnte er sich zum Schrecken seiner Frau nicht trennen: "Das ist wie eine Familienchronik - in Banz bin ich genauso gerne wie zu Hause."

Große Bühne für den Nachwuchs

1987 zeichnete HPN erstmals für die Vergabe des Nachwuchsförderpreises der Hanns-Seidel-Stiftung verantwortlich. Die jungen Interpreten erhielten damals bei den "Songs an einem Sommerabend" von Ado Schlier und vom Bayerischen Rundfunk erstmals eine große Bühne auf der Wiese oberhalb von Kloster Banz. Seit wenigen Jahren werden die jungen Liedermacher nun bei den "Liedern auf Banz", dem Nachfolgefestival der "Songs", ins Abendprogramm integriert.

Technisch besser geworden

Am Anfang, erinnert sich HPN, seien die eingereichten Stücke musikalisch häufig sehr ansprechend, aber in technischer Hinsicht von relativ geringer Qualität gewesen. Während damals, in der Analogzeit, mancher Vater als Manager seines Kindes wirkte und Aufnahmen aus der eigenen Wohnung einreichte, seien die Einsendungen inzwischen wesentlich professioneller geworden.

Seit die Ausschreibung des Förderpreises für junge Liedermacher über die Gema und Fachagenturen laufe, erhalte die Hanns-Seidel-Stiftung jährlich zwischen 150 und 200 Bewerbungen. Daraus wähle eine Jury drei Interpreten (früher: vier) als Preisträger des mit 5000 Euro (früher: 2500 Euro) dotierten Contests aus.

HPN blickt auf drei Jahrzehnte Chansons auf dem Banzberg zurück: "Viele Gespräche mit den Musikern waren für mich ein großes Erlebnis. Besonders prägend waren die Abende mit Reinhard Mey, Konstantin Wecker oder dem einzigartigen Giora Feidman. Ich hatte von Anfang an ein Herz für den Nachwuchs. Bodo Wartke und Viva Voce sind wie Kinder von Banz." Die Preisträger und Preisträgerinnen des Nachwuchsfestivals sieht er als seine musikalischen Schwiegertöchter und Schwiegersöhne. Sie seien alle Teil der großen Musikerfamilie, die alljährlich die Klosterwiese zum Klingen und Schwingen brachte und weiterhin bringen wird.

In diese große Familie schließt er das Publikum mit ein, das kleine Fehler der Interpreten niemals krumm nahm: "Die Publikumsreaktionen in Banz waren für mich immer wieder beeindruckend und für die Künstler stets motivierend."

Das Herausragende an den Festivals auf dem Banzberg sei jedoch immer wieder das Miteinander gewesen, fährt Niedermeier fort. "Die arrivierten Liedermacher sahen es als Mehrwert, mit den Nachwuchskünstlern proben und auftreten zu können." An einen Abend erinnert er sich besonders gern: "Es war toll, als Altstar Reinhard Mey, ein Gründungsvater der der Open-Airs auf der Banzer Klosterwiese, und Jungstar Bodo Wartke miteinander im Duett gesungen haben." Beide, so Niedermeier, "haben einen musikalischen Generationenvertrag besiegelt".

Künstlern fehlen die Auftritte

Es sei vor allem auch deshalb schade, dass das Festival "Lieder auf Banz" in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, sagt HPN, "weil es zu wenige Festivals gibt, bei denen jungen Liedermachern eine Chance gegeben wird." Es würde ihn deshalb freuen, wenn die beiden Festivals fortbestehen könnten - sowohl die "Lieder auf Banz", die vom Veranstaltungsservice Bamberg ausgerichtet werden, als auch die "Songs an einem Sommerabend", die von Monika und Ado Schlier seit einigen Jahren im Würzburger Klostergarten Himmelspforten einen Platz gefunden haben.

Der Lockdown infolge der Pandemie, der zweifellos notwendig war, drohe großen und kleinen Musikveranstaltungen den Garaus zu machen, sagt Niedermeier. Es sei zu befürchten, dass die Corona-Krise vielen Künstlern spätestens im nächsten Jahr finanziell den Atem nimmt. "Junge Liedermacher, die von ihrer Kunst leben wollen, werden große Schwierigkeiten bekommen. Das Angebot muss aber in diesem Kulturbereich erhalten bleiben."

"Auf Augenhöhe mit den Großen"

Aus diesem Grund sei das Modell des Bayerischen Rundfunks zu loben, der die in Banz vorgestellten Nachwuchspreisträger der Hanns-Seidel-Stiftung mit einer eigenen Sendung vorstelle und die Künstler mit Interviews porträtiere. Zudem böten die Konzertmitschnitte aus Banz den jungen Musikern die Möglichkeit, "auf Augenhöhe mit den Großen zu sein".

Beeindruckt habe ihn in Banz stets, wie gut Respekt und Freundschaft zwischen Menschen gedeihen können, die politisch, religiös und weltanschaulich gegensätzliche Meinungen vertreten. Das bewirke die Musik, die als einigendes Band auf die Menschen einwirke. Besonders freut sich HPN darüber, welch grandiosen Weg Bodo Wartke eingeschlagen hat, seit er 2001 erstmals in Banz als Nachwuchspreisträger auftrat: "Die beeindruckende musikalische Bandbreite seiner Lieder nahm stark zu."

Die Frage nach seinen eigenen musikalischen Vorlieben beantwortet der 66-Jährige so: "Ich bin einer, der die ruhigen Lieder schätzt - Lieder, die auch Texte haben, wie wir es jahrelang in unserem Slogan bezeichneten."

Der Dialog der Künstler untereinander sowie mit Konzertbesuchern hatte in Banz stets einen besonderen Zauber, fährt HPN fort. Er persönlich erinnert sich vor allem an den Meinungsaustausch und die gemeinsamen Unplugged-Konzerte in der Kutschenhalle oder im Künstlerzelt nach den Auftritten an den beiden Abenden der Festivals: "Da herrschte immer eine tolle Atmosphäre. Junge und arrivierte Musiker kamen untereinander und mit den Organisatoren sowie mit all jenen ins Gespräch, die mithalfen, die Festivals überhaupt veranstalten zu können."

Unterstützung aus der Region

HPN meint damit Feuerwehrleute und Polizeibeamte, Bäcker, Brauer und Metzger, Angehörige von Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk - also all jene Menschen aus der Region, die kein großes Aufheben um ihr Engagement machten, die aber für Festivals dieser Art unverzichtbar waren und weiter sind. "Solche Konzerte sind nichts Selbstverständliches. Man sollte dankbar sein für mutige Konzertveranstalter, die derartige Open-Airs ausführen." Das gelte sowohl für die Organisatoren der "Songs an einem Sommerabend", Monika und Ado Schlier, wie auch für die Veranstalter der "Lieder auf Banz", Gaby und Wolfgang Heyder.

Heiterer Blick in die Zukunft

Nach Banz, das seine zweite Heimat ist, wird Hans-Peter Niedermeier auch in den nächsten Jahren weiter gern kommen. Seine Amtszeit als Vorsitzender der Jury des Förderpreises für junge Liedermacher endet erst Mitte 2022. HPN umreißt seine Zukunftspläne mit heiteren Worten - frei nach Udo Jürgens, einem Altmeister der Liedermachergilde: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an - und wenn ich mir Jopi Heesters als Beispiel nehme, dann ist noch ein bisschen Lebenszeit da."

Zur Vita von Hans-Peter Niedermeier

Hans-Peter Niedermeier studierte Politikwissenschaft, katholische Theologie und Geschichte an der Universität München. Frühzeitig war er in der Schüler-Union aktiv und gab eine Schülerzeitung heraus.

Als wissenschaftlicher Referent für Pressearbeit, Medienpolitik und journalistische Nachwuchsförderung begann er 1980 seine Arbeit bei der Hanns-Seidel-Stiftung. Er leitet dort die Redaktion der "Werkstatt", des Stiftungsmagazins für junge Journalisten.

1991 wurde er zum Leiter des Förderungswerkes der Hanns-Seidel-Stiftung ernannt. Er wurde 1999 an der Hochschule Mittweida zum Honorarprofessor für den Bereich "Politische Systeme". 2014 verlieh ihm aufgrund des Vorschlags der Klausenburger Fakultät für Politik-, Verwaltungs- und Kommunikationswissenschaften und des Beschlusses des Senats die Universität Babe-Bólyai ein weitere Professur honoris causa. Die Nationale Universität Lemberg Lucian Blaga und die Universität Hermannstadt verliehen ihm jeweils die Ehrendoktorwürde. Im Dezember 2019 zeichnete ihn die Hochschule Mittweida mit der Goldenen Ehrennadel aus - Begründung: Er verfüge "über beste Verbindungen und ein enges Netz von Altstipendiaten in Führungspositionen von Politik, Medien und Wirtschaft in nahezu allen Regionen der Welt".wikipedia