In der Malerei gibt es Darstellungen von Jungbrunnen, in die man hineinsteigt und sie von seinen Gebrechen befreit wieder verlässt. Diese Bilder hat Carlo Scheidt im Kopf und ein Schmunzeln im Gesicht, wenn er über die Idee einer Kneippanlage an der Schwürbitzer Mainbrücke spricht. Ganz neu ist die Überlegung nicht, schon vor drei Jahren erwähnte sie der Vorsitzende des Vereins "Förderung Kulturgut Schwürbitz am Main", doch in der jüngsten Generalversammlung wurde erneut darüber diskutiert, und es wird beabsichtigt, noch heuer einen Bauplan in Anlehnung an die erste Skizze des Schwürbitzer Architekten Herbert Fleischmann vorzulegen.

Fleischmann, Mitbegründer der Vereinsgemeinschaft und damals ihr erster Vorsitzender, stellt sich unterhalb des Brückenhäuschens zwei über eine Edelstahlrinne aus der Dorfbrunnenquelle gespeiste Wasserbecken vor, in denen man Unterschenkel und Arme erfrischen kann.
Das Brunnenwasser, das in Ermangelung einer Schutzzone nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden darf, sei hierfür einwandfrei geeignet und fließe sowieso den Hang hinunter in den Main. Warum also nicht eine Attraktion entstehen lassen? Fleischmann denkt dabei auch an die vielen Radfahrer, die auf dem Mainradweg in den Ort kommen. Von mindestens 250 sei in der Saison sogar an Werktagen auszugehen, meint der Schwürbitzer. Ihnen etwas zu bieten, da habe man Nachholbedarf.

"Es bewegt sich immer was"

Immerhin: Infotafeln wurden aufgestellt, und die Anschaffung einer Tischtennisplatte für den Freizeitbereich Rudufersee ist beschlossene Sache. Die Pflege von Ortsgeschichte und Brauchtum steht bei mehreren Aktionen im Vordergrund. Es ist beispielsweise gelungen, die Dorfkirchweih wiederzubeleben und dabei nicht in Konkurrenz zu den Gaststätten zu treten. Aus den Einnahmen von Veranstaltungen wie dieser schafft man sich den Grundstock zur Verwirklichung weiterer Ortsverschönerungsideen. "Es bewegt sich immer was", freut sich Herbert Fleischmann. Und Carlo Scheidt appelliert an junge Schwürbitzer, in diesem Team mitzuwirken. Für die zwei Vorstandsmitglieder Bernhard Härtel und Peter Lutter, die sich nächstes Jahr nicht mehr zur Wiederwahl stellen wollen, werden Nachfolger gesucht.

Die Ortsvereine sind in den Kulturförderverein eingebunden, man will zusammen etwas auf die Beine stellen. Die Lautsprecheranlage etwa, die angeschafft wird, können sich künftig alle Vereine gegen Gebühr leihen. Die Homepage der "Perle am Obermain" will man ebenfalls weiter pflegen, was mit einem hohen Aufwand verbunden ist. Nicht zuletzt wollen die Schwürbitzer die Begrüßungstafeln an den Ortseingängen endlich auf aktuellen Stand bringen: Bei der 825-Jahr-Feier (2005) hatte sich nämlich herausgestellt, dass der Ort älter ist, schon um 1057 muss es ihn historischen Quellen zufolge gegeben haben. Da passt dann schon wieder die Idee vom Jungbrunnen...

Was an der Brücke selbst geschieht, dürfte auf einem anderen Blatt stehen, denn eine Sanierung ist weder heuer noch für nächstes Jahr im Gemeindehaushalt vorgesehen. Die Notwendigkeit war zwar schon 2010 bei einer Kontrolle festgestellt worden, doch Priorität hat das Vorhaben nach Auskunft aus dem Bauamt nicht, da die Sicherheit nicht beeinträchtigt sei. Laut Carlo Scheidt, der selbst dem Michelauer Gemeinderat angehört, haben weder Wasserwirtschaftsamt noch Gemeindeverwaltung Einwände gegen ein Kneippbecken. Man könnte also an eine Verwirklichung ins Auge fassen.