Rico Pfitzner steht nicht einfach nur am Herd und kocht. Er bietet eine kleine Koch-Show. Die vielen Handgriffe, für die ein Durchschnittshobbykoch viele Minuten, wenn nicht Stunden braucht, gehen ihm wie durch Zauberei leicht von der Hand. Für den 33-Jährigen ist vieles ein Kinderspiel, denn Kochen ist seine Leidenschaft. Und so ganz nebenbei dirigiert er das Küchenensemble, an diesem Abend sind es zwei seiner Teamkollegen, Maria und Tobias, die ihn unterstützen.

Mehrmals im Jahr gibt Rico Pfitzner sein Wissen an Hobbyköche weiter. Die Kochkurse für Männer machen dem Küchenchef des Hotel-Restaurants Rödiger besonders viel Spaß. Die Männer, die mitmachen, sind hoch motiviert. Sie fragen interessiert nach, die fortgeschrittenen Hobbyköche haben weiter gehende Detailfragen. In ihren Mienen ist ehrliche Bewunderung abzulesen, weil Rico Pfitzner ihnen so souverän Tipps gibt und Tricks verrät.
"Ich geb' euch die Basis", sagt er, "verfeinern könnt ihr's selbst".

Unfangreiches Rezeptregister

Fünf bis sechs Stunden dauert so ein Kurs - das anschließende Festmahl eingeschlossen. Rico Pfitzner hat dieses Mal elf Speisen auf seinem Rezeptregister: Eierspätzle, Pastateig, Carbonara-Sauce, Cocktail-Sauce, Blumenkohlcremesuppe, Avocado-Dip, Hühnerbrühe, Hühnerfrikassee, schnelle Saucen zu Kurzgebratenem, Sahnesaucen und Schweinekammbraten. Uff!

Natürlich haben Rico Pfitzner und sein Team vieles vorbereitet, damit's beim Kurs schneller geht, schließlich kocht keiner zu Hause ein elfgängiges Menü. Profis bereiten sich vor, wie jedem Fernsehzapper sattsam von all den Kochshows bekannt ist.

Kochen hat mit Kreativität zu tun

Rico Pfitzner ist in der Nähe von Bad Salzungen aufgewachsen. "Meine beiden Omas standen gern am Herd. Als kleiner Bub hab' ich schon gern zugesehen und mitgekocht", sagt er. Er fragte seine Omas Löcher in den Bauch. Doch auf seine kindlichen Fragen kamen oft nur ausweichende Antworten: "Des siehste dann schon." Schnell hatte er herausgefunden, dass es beim Kochen auf Kreativität und Fingerspitzengefühl sowie auf's Ausprobieren ankommt.

Die höheren Weihen der Kochkunst erlangte Rico Pfitzner unter anderem in Fulda, Eisenach und in der Schweiz. Seit fünf Jahren leitet er das Rödiger-Team. Auf gesunde Ernährung legt er großen Wert. Für sich persönlich kocht er möglichst nicht zu deftig, lieber bereitet er etwas Vegetarisches zu, "weil das sehr vielseitig ist".

Wie die Idee entstand, Männerkochkurse anzubieten? Rico Pfitzner grinst, als wollte er sagen: Bei Männern ist das eben besonders notwendig. Doch er antwortet, ihm und seinem Chef Marco Rödiger sei diese Idee gemeinsam gekommen. Einfach und schnörkellos formuliert: "Machen wir doch mal was für Männer." Ins Auge fassten sie unkomplizierte Gerichte, die jeder zu Hause nachkochen kann. Rico Pfitzner drückt sich pointiert aus: "Mit Gewürzen, die in jeder Küche vorhanden sind, so dass man die Zutaten nicht erst in der Apotheke holen muss."

Urteil der Gäste ist wichtig

Das Urteil eines Gastes ist dem Küchenchef stets wichtig. "Man bekommt schnell mal ein Lob, aber auch Tadel", sagt er. Damit müsse man professionell umgehen. Als er neu in Franken war, erzählt der Thüringer, habe er schon geschluckt, weil ihm ein Gast auf die Frage, ob es geschmeckt habe, antwortete: "Hat scho' gebassd!" Als man Rico Pfitzner erklärte, diese wortkarge Redensart sei das höchste fränkische Lob, war die Welt für ihn wieder in Ordnung.

Beim Kochkurs wirbelt Rico mit viel Energie durch die Küche. Der Schweinekammbraten darf nicht im Ofen verschmoren, Nudelteig wird zubereitet, ausgewalzt, durch die Nudelmaschine gedreht, Saucen werden komponiert, Eier aufgeschlagen und verrührt, Avocados und Blumenkohl geschnitten, Steaks mit Calvados effektvoll flambiert. Rico Pfitzner sprudelt; er redet viel mit den Händen, als ob er dirigiere - ein Kurt Masur der Kochtöpfe.

Relativitätstheorie des Kochens

Immer wieder fragen die Männer nach ("Wann nimmt man Schalotten, wann Zwiebeln?"), und "Meister Bocuse" gibt detaillierte Antworten. Den Kursteilnehmern schwirrt irgendwann der Schädel; sie scherzen, dass doch leider kein Mensch all diesen Wissens-Overkill behalten könne und dass das, was hier so leicht aussehe, am heimischen Herd viel schwerer von der Hand gehe. Keine Bange, tröstet Rico Pfitzner, "ich habe euch alle Rezepte in einer Mappe zum Nachlesen zusammengestellt".

"Kochen ist eigentlich einfach, man muss nur ein bisschen das Know-how haben", meint der Meister. Wer nach Rezepten kocht, fährt er fort, sollte allerdings die Zutaten vorbereiten, "sonst macht's keinen Spaß". Erschöpft, aber glücklich urteilt einer der Küchenlehrlinge nach dem abendfüllenden, aber kurzweiligen Kurs: "Des kann mer gar ned oft genug mitmachen, immer wieder lernt mer was Neues."

Auf das Kochen und Verkosten folgt das Verspeisen. Die Tafel biegt sich, so viel ist aufgetischt. Gesprochen wird nun weniger als zuvor am Herd. Genießen und schweigen. Fränkisches Lob eben. Rico Pfitzner, der gar nicht maulfaule Dozent, bekennt mit ironischem Grinsen: "Eigentlich bin ich eher ein stiller Mensch." Doch weil er das zum Glück nicht ist, gehen die Männer nach diesem Abend mit einem großen Schatz an Know-how nach Hause.


Rezept zum Zubereiten einer Carbonara-Sauce

Zutaten 200g durchwachsener Speck; Kochschinken; eine gehackte Knoblauchzehe; eine halbe, mittelgroße Zwiebel in feine Würfel geschnitten; ein Esslöffel Sonnenblumenöl; vier Eigelb; 200 ml Sahne; 50g geriebener Parmesan; Salz, Pfeffer und Muskatnuss.

Zubereitung Vier Esslöffel Sahne mit Eigelb und die Hälfte des Parmesankäses mischen. Pfanne aufstellen und erhitzen, Öl hineingeben und Speck oder Kochschinken anbraten, Zwiebeln hinzugeben und glasig dünsten, dann Knoblauch zugeben, mit Sahne ablöschen und aufkochen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken, die Sahne-Eigelbmischung zugeben und vom Herd ziehen; die Sauce darf nun nicht mehr kochen, sonst flockt das Ei aus.