Menosgada, die keltische Stadt auf dem Staffelberg, war zur Zeit Caesars ein regionales Machtzentrum. Tausende lebten auf dem Berg. Ein Fürst beherrschte von diesem Oppidum aus die ganze Region. Wie der Fürst hieß, wissen wir nicht. Ebenso wenig ist über die Lebensbedingungen in der Siedlung bekannt.

Das soll sich nun aber ändern. Der in Rattelsdorf lebende Autor Helmut Vorndran hat ein Buch über die keltische Stadt auf dem Staffelberg geschrieben: "Isarnon". Der knapp 600 Seiten starke Roman erscheint Mitte August beim Emons-Verlag.

"Das ist mein Lebenswerk", sagt Helmut Vorndran. Immer schon habe er ein Buch über Kelten schreiben wollen. Ein halbes Dutzend Krimis legte der 55-Jährige bisher vor - jedes Jahr einen neuen. Doch heuer gibt's keinen Krimi. In den vergangenen Wochen saß er Tag und Nacht in seiner Mühle in Rattelsdorf, um zu schreiben. Nichts anderes gab es mehr für ihn, denn Anfang März musste der Rohtext ans Lektorat geliefert werden. Das gelang.


Keine Zauberer, Drachen, Feen

Ausdrücklich weist Helmut Vorndran darauf hin, dass er keinen Fantasy-Roman geschrieben habe: "Ich wollte einen historischen Roman schreiben - keine Zauberer, keine Drachen, keine Feen." Bei der Recherche las er viele Bücher. Er erstieg häufig den Staffelberg, machte dort Fotos, reiste zum Mont Lassois nach Frankreich, der dem Staffelberg verblüffend ähnlich ist, ließ sich vom "Geo Epoche"-Themenheft über die Kelten inspirieren und holte sich bei Bezirksheimatpfleger Günter Dippold das nötige Detailwissen. Was dabei herausgekommen ist, beschreibt er so: "Das hat mit meinen Krimis nichts zu tun - das ist eine völlig andere Baustelle."

Beim Schreiben habe er versucht, die Geschichte des Staffelbergs auf wissenschaftlichem Fundament zu erzählen. So ein Buch gebe es noch nicht. Das Problem mit den Kelten sei, dass keiner etwas Genaues über ihre Lebensweise wisse. "Das ist so, als wolltest du einen Saurier mit 2000 Knochen rekonstruieren - du hast aber nur 150."


"Keine lustige Zeit"

"Isarnon" - der Name leitet sich vom keltischen Wort für Eisen ab - sei kein lustiges Buch, denn es spiele in keiner lustigen Zeit. "Der Leser muss sich also umstellen, wenn er an meine Krimis denkt." Überall in Europa wüteten in den Jahren 45/44 v. Chr. Kriege und Stammesfehden. In diese Zeit ist die Rahmenhandlung eingebettet, die geographisch im Machtzentrum zwischen Staffelberg, Milseburg und Kleinem Gleichberg angesiedelt ist.

Helmut Vorndran hat sich kundig gemacht, hat ausgiebig recherchiert. Die Namen von keltischen und germanischen Stämmen sprudeln nur so aus ihm heraus. Er habe sich monatelang intensiv in diese Zeit hineinversetzt, habe versucht das Gefüge der Stämme zu beschreiben.

Schon bei der Sprache kam er ins Grübeln. Wie unterhielten sich die Kelten, welche Wörter benutzten sie im Alltag? Überliefert sind schließlich nur die Schilderungen der Römer. Seine Protagonisten sollten sich jedenfalls nicht einer mittelalterlichen Redeweise bedienen; doch sie sollten sich auch nicht in der Gegenwartssprache unterhalten.

Es galt, eine andere Sprechweise zu finden, Begriffe und Wörter zu erfinden. Im keltischen Wortschatz, der sich auf den britischen Inseln erhalten hat, wurde Helmut Vorndran fündig. Aus allerlei Versatzstücken prägte er Redewendungen und Bezeichnungen - sein Versuch, die Sprache unserer Vorfahren zu rekonstruieren.


Wer sind unsere Vorfahren?

Und um unsere Vorfahren geht es. Beim Schreiben habe er sich stets gefragt: "Was wollen die Leute wissen? Sie wollen wissen, wo sie herkommen." Ein wenig Esoterik sei immer dabei, "weil die Kelten so waren", sagt er, "denn für sie gab es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch gleichberechtigtes Grau".
Wahrscheinlich sei, dass wir keltische und germanische Ahnen haben, denn die Stämme vermischten sich. Warum die Kelten vom Staffelberg verschwanden, hat seiner Ansicht nach mit den Römer und den Germanen zu tun. Wären die Römer in Gallien nicht siegreich gewesen, dann wäre die keltische Hochkultur wohl noch lange weiterentwickelt worden. Seine Theorie zum Verschwinden der Kelten am Obermain ist deshalb: "Sie wurden nicht im Kampf oder durch Flucht vertrieben, sondern beschlossen, einfach zu gehen." Die Germanen rückten nach.


Leben des Adels und der Bauern

Im Kern der Erzählung steht das Volk der Helvetier. Ein Teilstamm lebt auf Menosgada. Geschildert wird das Beziehungsgeflecht zwischen den Fürstenhäusern, die Eifersüchteleien untereinander, der Beistand in Schlachten, aber auch das tägliche Leben. Eine Liebesgeschichte ist mit eingewoben.

Interessant sind die Handlungsorte im Staffelsteiner Land. Der Hafen "Trimellus glana" (= dreifach gelbes Ufer) des Staffelbergs liegt am Trimäusel-Fels bei Nedensdorf. Woher der Name Trimäusel kommt, könne man nur raten, meint der Autor. "Aber immer wenn man etwas nicht weiß, kann man keltische Wurzeln annehmen."
Von Mainz bis zum Trimäusel war der Main zu jener Zeit für Langboote schiffbar. Somit konnten Waren aus Gallien über den Rhein und Main per Schiff angeliefert werden.

Überhaupt der Main - wie nannten wohl die Kelten den Fluss? Moenos, Moenus oder Menos. Wir wissen es nicht. Vielleicht gab es mehrere Namen - so wie der Fluss heute im Dialekt der Oberfranken "Maa" genannt wird und in Unterfranken "Mee".

Natürlich hießen damals auch die Berge anders - Helmut Vorndran übersetzt den Veitsberg in "Drunna" (=Eichenberg) und die Steglitz in "Ardis". Der Fürstensitz auf der Akropolis des Staffelbergs heißt bei ihm "Troccoalis" (= rissiger Fels).

"Wie hätte es sein können, angelehnt an die Eckpunkte dessen, was über die Zeit bekannt ist " - dieser Prämisse versuchte der Autor zu folgen.