Die Absage des Münchner Oktoberfestes, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag gemeinsam mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter verkündet hatte, ließ es schon erahnen: Auch der Lichtenfelser Korbmarkt im September wird nun aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. "Nach dem aktuellen Wissenstand und den Aussagen unseres Ministerpräsidenten müssen wir davon ausgehen, dass wir den Lichtenfelser Korbmarkt in gewohnter Form nicht durchführen können und müssen deshalb schweren Herzens unseren Lichtenfelser Korbmarkt in diesem Jahr absagen", so Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD).

Der Lichtenfelser Korbmarkt hat im vergangenen Jahr über 150.000 Besucher in die Korbstadt gelockt und ist mit Flechtern, Ausstellern und Besuchern aus über zehn Nationen in den letzten Jahren zu einer internationalen Veranstaltung gewachsen. "Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, und wir wissen auch um die wirtschaftlichen Folgen für die Flechterinnen und Flechter, die Aussteller und vor allem für Übernachtungs- und Gastronomiebetriebe sowie unseren Einzelhandel, die ohnehin schon massiv von der Corona-Krise betroffen sind", schildert Citymanager Steffen Hofmann.

Eine Veranstaltung in dieser Größenordnung benötige aber einen gewissen Vorlauf und Planungssicherheit. Eine Absage zu einem späteren Zeitpunkt hätte auch finanziell einen höheren Schaden verursacht, erläutert Hofmann. Die Programm-Highlights, die für dieses Jahr geplant waren, sollen beim Korbmarkt im nächsten Jahr verwirklicht werden, der vom 17. bis 19. September stattfindet.

Alicia I. ein Jahr länger im Amt

Damit einher geht eine Sonderregelung: Korbstadtkönigin Alicia I., die auf dem diesjährigen Korbmarkt ihre Krone an eine Nachfolgerin weitergegeben hätte, wird ein weiteres Jahr im Amt bleiben, haben Bürgermeister Hügerich und sein Korbmarktkomitee beschlossen.

Alicia ist froh darüber, denn ihr letzter Auftritt als Korbstadtkönigin bei der Grünen Woche im Januar liegt nun schon einige Monate zurück. Andere Veranstaltungen wie die Traunsteiner Rosentage oder das Apfelblütenfest in Südtirol, auf die sie sich gefreut hatte, fallen ebenso aus. Somit wäre sie lediglich ein Jahr als Korbstadtkönigin aktiv gewesen. "Ich hätte es schade gefunden, wenn ich keinen Abschied bekommen und einfach das Amt niederlegt hätte, denn ich habe das mit Herz gemacht", sagt sie.

Außerdem kann sie so doch noch das von ihr initiierte Schulprojekt "Flechtfloh" mit begleiten, das erst einmal auf Eis liegt. Zusammen mit Handwerksmeisterin Brigitte Klitzner und angehenden Flechtwerkgestalterinnen hätte sie Anfang April mit Drittklässlern einfache Gegenstände geflochten, um die Kinder für Flechtkunst zu begeistern.

Alicia könne sich nun im Sommer erst einmal auf ihr Studium konzentrieren, das in dieser Woche wieder begonnen hat.

In diesem Jahr müssen Besucher zudem auf das Lichtenfelser Schützenfest im Juli verzichten. In der vergangenen Woche seien so gut wie alle Vorbereitungen für den Sommer abgeschlossen gewesen, sagt Erwin Kalb. Er ist Erster Schützenmeister der Königlich privilegierten Scharfschützengesellschaft Lichtenfels, die das Fest jährlich ausrichtet. Die Planungen laufen für das Lichtenfelser Volksfest schon viele Monate im Voraus.

Auch bei Stadt und Polizei sei das Fest längst angemeldet gewesen. 70 Verträge - mit Schaustellern oder dem Sicherheitspersonal - müssten jetzt widerrufen werden.

Kosten sind bereits entstanden

Der Schützenmeister geht zwar davon aus, dass die Veranstalter nicht in der Haftung sind. "Wenn der Staat den Ausfall anordnet, sind wir aus allen Verträgen draußen", sagt Erwin Kalb. Trotzdem sei der Gesellschaft bereits ein großer wirtschaftlicher Schaden entstanden. "Programmhefte oder die Biermarken, das kostet alles Geld", so Kalb. Und auch die alljährlichen Meisterschaften im Schießen können 2020 nicht stattfinden.

Für die Schützengesellschaft ist die Planung des Festes jedoch nicht nur Routine: "Wir versuchen, das Fest jedes Jahr ein bisschen attraktiver zu machen", sagt Erwin Kalb. In diesem Jahr hätte es zusätzliche Attraktionen gegeben und eine neue Kapelle hätte spielen sollen. Das Wohl der Gäste liegt den Verantwortlichen aber über allem sehr am Herzen. Der Gesundheitsschutz sei sehr wichtig, sagt Erwin Kalb. Im kommenden Jahr sollen die heuer eingeplanten Schausteller überdies bevorzugt werden.

Für die Schausteller wird es eng

Gehofft, dass die Veranstaltung unter hygienischen Voraussetzungen im Sommer doch möglich sei, habe er bis zuletzt, sagt Sven Sommerer, Zweiter Vorsitzender des Bayreuther Schaustellerverbandes und Mitbetreiber des Familienunternehmens Maisel. Die Mandelbrennerei, die Jahr für Jahr am Haupteingang zu finden ist, ist seit mehr als 50 Jahren eine feste Größe auf dem Schützenfest.

Die Haupteinnahmezeit beginne für Schausteller an Ostern und ende mit den Weihnachtsmärkten am 23. Dezember. "Jede Veranstaltung, die wegbricht, ist existenzbedrohend", sagt Sommerer. Zwar habe man bereits finanzielle Hilfen beantragt, aber der Betrag reiche nicht lange aus, da der Betrieb mit vier festen Mitarbeitern weitaus höhere laufende Kosten habe.

Im Moment ist Sommerer mit verschiedenen Schaustellerverbänden im Gespräch darüber, inwieweit nach dem 31. August Volksfeste unter bestimmten hygienischen Vorkehrungen möglich werden. Bis dahin müsse er aber auf seine Ersparnisse zurückgreifen. Eine Möglichkeit, um zeitweise zumindest ein geringes Einkommen zu haben, wäre ein stationärer Verkauf von gebrannten Mandeln und Softeis in der Innenstadt. Doch das werde bisher von der Regierung von Oberfranken nicht zugelassen.

Weitreichende Folgen

Gefasst wirkt Festwirt Daniel Ivascenko. "Im Verlauf der letzten Woche haben wir natürlich mit einer Absage gerechnet", sagt der Geschäftsführer der Parti GmbH mit Sitz in Kronach. Mit dem Ausfall vieler weiterer regionaler Festivitäten, darunter zum Beispiel auch "Kronach leuchtet", fielen dem Veranstaltungsplaner direkt "Einnahmen, die wichtig sind", weg. Doch als Gastronom sieht es erstmal schlecht aus. Soforthilfen habe er beantragt, müsse sich aber noch gedulden.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht denkt der Festwirt vor allem an das Folgejahr. "Von Jahr zu Jahr sind etwa 90 Prozent der Mitarbeiter fest im Team dabei. Die müssen auch planen", sagt er. Bei einem solchen mehrmonatigen Ausfall von Veranstaltungen rechnet er damit, dass er einige gut ausgebildete Bedienungen und Schenker verlieren wird. "Über die Jahre hinweg hatten wir ein tolles Personal, die können sich das nicht leisten und schauen sich woanders um, wenn eine Saison ausfällt."