Georg Krosch formt den Krug auf seiner Drehscheibe mit bloßen Händen. In diesem Augenblick ist er ganz bei sich und seinem Werkstück. Wenn der Töpfer aus Burgkunstadt sich eine Form vornimmt, einen Teller, eine Tasse oder den Willi-Becher, dann dreht er Serien von 20 bis 30 Stück. Sie sind alle erkennbar verwandt, und doch ist jedes Teil individuell. "Das Spüren der Form mit den Händen, das Schauen, wie sich beim Drehen der Ton verändert, das berührt mich auch noch nach 40 Jahren jedes Mal wieder", sagt Krosch.

So wie sich der Ton verändert, so hat sich auch Krosch über die Jahre verändert. "Meine Formen sind schlichter geworden", beschreibt er seine Entwicklung. Das liegt an ihm, weil er sich auf das Wesentliche konzentriert. Und das liegt an den Rückmeldungen der Kunden, für die er dreht. Sie haben ihn darauf gebracht, einen Becher in Form des Willi-Glases zu töpfern. Das ist der Klassiker unter den Biergläsern, ein einfacher Zylinder mit leichtem Bauch, der etwas nach oben gerutscht ist. Kroschs Willi-Becher ist für ihn in kurzer Zeit zum Bestseller geworden.

Auch Ofenkacheln selbst getöpfert

"Ich höre gut zu, was den Menschen wichtig ist", erzählt Krosch. Denn für ihn ist das Schönste, wenn sein Geschirr auch verwendet wird. Am liebsten jeden Tag. Wenn die Teile, die er mit seinen Händen formte, weiterhin in guten Händen sind.

Natürlich ist das auch bei ihm im Wohnzimmer so. Die Tassen selbst getöpfert, die Kuchenformen selbst getöpfert - die Kacheln seines Ofens selbst getöpfert. Das hat er gelernt - bei einem Hafner in Kolbermoor, der vor allem Kacheln fertigte.

"Ich wollte immer an die Scheibe und Geschirr machen", sagt er. Und sein Meister hat ihm das ermöglicht. "Hafnergeschirr aus Altbayern" heißt das Buch, das ihn damals faszinierte und das heute noch in seinem Regal steht. Einmal in der Woche, am Donnerstag, darauf hatten sich Lehrling und Meister verständigt, durfte er drehen. Und Krosch hat erst einmal die Formen aus dem Buch nachgedreht. Aus Hunderten von Modellen wurden über die Jahre ein paar Dutzend, aus oftmals ziemlich dekorierten Formen immer einfachere.

Auf das Tonmehl kommt es an

Auch das Material hat Krosch für seine Formen und Vorstellungen angepasst. Ist das Tonmehl fein, dann hat der Ton eine hohe Plastizität, die beim Drehen wichtig ist. Ist es gröber, bekommt der Ton mehr Struktur. Für Kroschs Ton sind kleine Eisenoxydknollen und Feldspat-Stücke charakteristisch: "Sie ergeben beim Brennen die kleinen dunklen Punkte."

Töpfern scheint so gar nicht in die Zeit zu passen, weil es viel Zeit braucht. Im Keller seines Hauses am Burgkunstadter Marktplatz steht eine alte Knetmaschine aus einer Bäckerei. Damit rührt Krosch sein Material an. So wie ein Hefeteig ruhen muss, muss auch der Ton ruhen, bis er weiterverarbeitet werden kann. Nass und mit Folie abgedeckt dauert das mehrere Monate. Dann dreht Krosch daraus seine Tassen und Teller. Dafür nimmt er sich eine Woche Zeit.

Zwei Brände sind nötig

Das frisch getöpferte Geschirr muss erst einmal trocknen - das dauert wieder ein bis zwei Wochen. Dann erst kommt der erste Brand, der Schrühbrand, wieder ruhen die Teile, bis sie glasiert und ein zweites Mal gebrannt werden. Erst dann ist die Ware, die Krosch verkauft, fertig. Erst dann sieht er, ob das Material unerwünschte Blasen geworfen hat. Erst dann sieht er, welche Teile gerissen oder gesprungen sind. "Von 100 Stück reißen immer ein bis zwei - das sind dann oft genau die, die auf Kundenwunsch hergestellt sind." Krosch lacht. Das kennen alle Töpfer, denen er auf Märkten in der Region begegnet ist. Wenn zwei Teile bestellt sind, dreht Krosch fünf und hofft, dass sie heil aus dem Ofen kommen.

Die Wochen, in denen Krosch brennt, sind daher immer eine besondere Zeit. Eine Zeit der Ungewissheit, des Wartens - aber auch eine Zeit, in der er Tag und Nacht für sein Geschirr da ist. Der erste Brand dauert 50 Stunden. Regelmäßig muss Krosch kontrollieren, ob Temperatur und Luftzufuhr stimmen. Er hat sich für einen Ofen entschieden, der mit Gas betrieben wird. Ein Elektro-Ofen wäre programmierbar. "Dann sähen alle Teile gleich aus", sagt Krosch. Und das will er nicht. Bei ihm gibt es unterschiedliche Klimazonen im Ofen: Stellen, an denen mehr oder eben weniger Sauerstoff in der Luft ist. Jede Tasse hat ihre helle und ihre dunkle Seite. Krosch dreht einen Willi-Becher in der Hand: "Die dunklere Seite war näher an der Flamme."

Hitze steigt 25 Stunden lang an

Wochen später, wenn es an die Lasur geht, wird es noch heißer. Damit der Feldspat schmilzt und die Glasur glatt und auch spülmaschinenfest wird, muss eine Temperatur von über 1200 Grad erreicht werden. Wenn das Material schon einen Brand hinter sich hat und fester ist, kann Krosch dann schneller einheizen: 25 Stunden lang steigt die Hitze im Ofen kontinuierlich an. Krosch kontrolliert über kleine Gucklöcher in der Ofenhülle, wie heiß es ist. Wie Eckzähne eines Tigers stehen weiße Stifte dahinter. Bis 1200 Grad stehen sie unverändert senkrecht, dann werden sie weich und beginnen zu schmelzen - wie eine Kerze, die man auf dem Kachelofen hat stehen lassen. Dann weiß Krosch, dass er die Hitzezufuhr stoppen und der Ofen ganz langsam wieder abkühlen kann.

Seit 5000 Jahren töpfern Menschen. Georg Krosch hat das Material begeistert: "Mit Ton habe ich unendlich viele Möglichkeiten." Das Material spricht alle seine Sinne an.