"Clown" überfällt Raiffeisenbank - so lautete die Schlagzeile vor 17 Jahren im Fränkischen Tag. In drei Jahren wäre die Tat verjährt gewesen - doch jetzt wurde der mutmaßliche Täter durch überregionale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden geschnappt.

Es war Freitagabend, der letzte Werktag im September des Jahres 2001. Kurz vor Schließung kam ein mit Pistole und Messer bewaffneter Mann in die kleine Zweigstelle in Uetzing und verlangte die Herausgabe des Geldes. Es waren 16 700 D-Mark. Die beiden Mitarbeiterinnen der Bank, eine 17-jährige Auszubildende, die zur Urlaubsvertretung vor Ort war, und die 36-jährige Angestellte, deren Auto er auch noch als Fluchtwagen nahm, fesselte er mit Klebeband und schloss sie in einem Nebenraum ein. Sie konnten eine ungefähre Personenbeschreibung bezüglich Körpergröße, Haare und Kleidung abgeben. Vor dem Gesicht hatte der Täter jedoch eine Clownmaske getragen. Drei Tage später tauchte zwar jener Kleinwagen in Scheßlitz auf, doch eine heiße Spur zum Bankräuber fehlte. Allerdings hatte dieser sehr wohl Spuren hinterlassen, die von der Kriminalpolizei sichergestellt wurden. Auch der Wagen der Bankmitarbeiterin war damals in Coburg gründlich untersucht worden. Viele Jahre später sollte sich daraus im Zuge anderer Ermittlungen gegen einen heute 51-Jährigen ein Treffer ergeben. Er wurde Mitte Oktober in Berlin festgenommen und hat mittlerweile ein Geständnis abgelegt.

Geschäftsleitung "zufrieden"

Seitens der Raiffeisen-Volksbank Bad Staffelstein äußerte sich Vorstandsvorsitzender Michael Lieb dazu: "Wir sind sehr zufrieden darüber, dass die Arbeit der bayerischen Polizei durch diesen Fahndungserfolg belohnt wurde." Eine der beiden Mitarbeiterinnen ist auch heute noch bei der Bank beschäftigt. Ob die beiden Frauen, deren Zeugenvernehmungen von der Polizei ja 2001 ausführlich zu Protokoll genommen wurden, in einer Gerichtsverhandlung aussagen werden müssen, liegt im Ermessen des zuständigen Vorsitzenden Richters. Es gilt aber als wahrscheinlich - selbst wenn das Geständnis des Festgenommenen vollumfänglich ist und keine Lücken im Tatablauf mehr zu klären wären. Denn was die Strafzumessung betrifft, beleuchtet das Gericht in solchen Fällen auch die Folgen einer Tat für die Opfer. Wie haben diese das Geschehen verkraftet, leiden sie noch darunter? Es kann sein, dass man dies in dem Verfahren direkt von den Betroffenen erfahren möchte.

Erinnerung an vorherigen Überfall

Die Tat 2001 war übrigens der zweite Überfall auf jene Filiale, und schon der erste, Anfang der 1980er-Jahre, konnte viele Jahre später durch gesicherte Spuren aufgeklärt werden. Vermeintlich zufällig - aber natürlich steckt kontinuierliche Ermittlungsarbeit dahinter. "Das ist fast wie ein Sechser im Lotto!", sagt Walter Mackert. Der 71-Jährige war Leiter der Polizeistation Bad Staffelstein. Im Juni 2001 wechselte er zur Verkehrspolizei nach Coburg, weshalb er mit dem Banküberfall Ende September nicht mehr betraut war. Doch sieht er jetzt im Nachgang Parallelen zu der noch länger zurückliegenden Tat: Zweimal wird eine Bankfiliale in einem kleinen Dorf überfallen, und zweimal fasst man den Täter viele Jahre später. Damals, in den 1980ern, war es so gewesen, dass der Räuber zunächst zu Fuß geflüchtet war. "Also haben wir mit Befragungen in der näheren Umgebung begonnen", erinnert sich Mackert. Weil das Gasthaus Dinkel in Stublang direkt an der Straße nach Uetzing liegt, hörte man sich auch dort um, in der Hoffnung, dass jemandem etwas aufgefallen sein könnte. Die Erinnerung des Wirts und Brauers an einen Kerl, der "nicht einmal sein Bier ausgetrunken" hatte und sich dann von einem Taxi abholen ließ, lieferte die entscheidende Spur zur Überführung des Täters. "Die Gläser waren nämlich nur zur Seite gestellt und noch nicht aufgespült", erzählt Mackert. An dem betreffenden Glas fanden sich Fingerabdrücke vom Wirt, von der Bedienung - und von dem Mann, der fast zehn Jahre später in Nordrhein-Westfalen durch einen Abgleich dieser Spuren geschnappt werden konnte.