Der gebürtige Staffelsteiner Adolf Geuß wuchs mit sechs Geschwistern auf  dem landwirtschaftlichen Anwesen seiner Eltern auf. Als Jugendlicher absolvierte er eine dreijährige Lehre bei der Zimmerei Josef Birkner, ein Beruf, der ihn Zeit seines Lebens begleiten sollte. Es folgte die Ausbildung zum Zimmermannsgesellen bei der Firma Heymann, schließich ein sechs Jahrzehnte andauerndes Berufsleben bei Görtler und Schramm. Hier war der "Geußn-Adolf", wie er respektvoll und liebevoll zugleich genannt wurde, auch für die Lehrlingsausbildung zuständig. Mehr als 60 Lehrlinge bildete er zum Zimmerer- oder Maurergesellen aus. Dafür erhielt Adolf Geuß von der Handwerkskammer 2016 die Auszeichnung "Verdienter Ausbilder".

Auch in der kommunalen Politik hat Adolf Geuß seine Spuren hinterlassen. Zu den Freien Wählern, bei denen sich sein Vater sehr engagierte, wollte der junge Mann damals nicht, eher zur CSU, das waren die Jungen, die frische Ideen hatten.

Großprojekte mitgestaltet

Von 1972 bis 2014 gehörte Adolf Geuß dem Staffelsteiner Stadtrat an. Mehrmals hatte er in diesen 42 Jahren die Aufgabe, als dienstältester Stadtrat die neuen Ersten Bürgermeister zu vereidigen: Baptist Faulstich , Georg Müller und den amtierenden Jürgen Kohmann. Von Anfang an gehörte Geuß dem städtischen Bauausschuss und dem Zweckverband Thermalsolbad an. Im Stadtrat und in diesen Gremien gestaltete er Großprojekte mit: die Obermain-Therme, den Frankenring, die Sanierung der Bahnhofstraße, die Hochwasserfreilegung und vieles mehr.

Dem Kreistag gehörte er von 1996 bis 2008 an. Adolf Geuß leistete hier wertvolle Arbeit in der Sozial- und der Jugendhilfe sowie im Umweltausschuss.

Zwölf Jahre wirkte er als Schöffe bei der Ersten Großen Strafkammer in Coburg. Auch außerhalb der Politik engagierte sich der braun gebrannte Mann mit dem schwarzen Hut und dem fröhlichen Lachen: Anfang der 1950er Jahre war er unter den Gründern der Staffelsteiner Wasserwacht, die er mit aufbaute und bei der er auch als Badeaufsicht tätig war. Mitte der 1960er Jahre rettete er am Staffelsteiner Baggersee zwei Jungen vor dem Ertrinken.

Bei der Staffelsteiner Blaskapelle war er mehr als 30 Jahre aktiv, spielte Trompete und Flügelhorn. Bei der "Nothelfer-Kapelle" musizierte er bis Januar 2018.

Eine weitere Leidenschaft des Verstorbenen war das Skifahren: 1963 machte er sogar den Übungsleiterschein bei den Naturfreunden. Bis ins hohe Alter stand Adolf Geuß auf seinen Brettern, war in vielen französichen Skigebieten und in Grainau/Zugspitze unterwegs.

Stolz auf "seine" Stadt

Sein Lieblingsberg war dennoch immer der Staffelberg. Hier sah man den Träger der Stadtmedaille in Gold oft wandern, hier, wo er drei der vier großen Kreuze selbst angefertigt hat. Auch in der weiten Flur ringsum findet man immer wieder seine Werke: Mehr als 20 Feldkreuze stammen von ihm. Herausragende Werke sind außerdem die Eingangstüre des Rathauses von Bad Staffelstein und die hölzerne Treppe im Inneren des historischen Gebäudes.

Stolz auf "seine" Stadt war Adolf Geuß auch einer der ersten, die - nachdem die alten Kfz-Kennzeichen 2013 wieder zugelassen waren - mit dem "STE" umherfuhr. Ungemeine Freude bereitet es ihm außerdem, jede Woche einmal mit seinen Freunden vom "Fliegenden Stammtisch" einzukehren. Stets machte er mit seiner sangesfreudigen Männerrunde dabei in einer anderen Gastwirtschaft Station; dieses Ritual pflegte der Senior auch, als er seit einer schweren Krankheit 2018 nicht mehr selbst am Steuer seines Autos saß.

Seine liebenswerte Art und seine große Hilfsbereitschaft werden sehr fehlen. Seine Herzlichkeit und sein Humor bleiben unvergessen.

Viele Auszeichnungen

Der Verstorbene hat zahlreiche Ehrungen erhalten: 1991 die Kommunale Dankurkunde, 2004 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik, 2007 die Kommunale Verdienstmedaille in Bronze, verliehen vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren, und 2014 die Ehrenmedaille der Stadt Bad Staffelstein.