Fiedeln als Musik der alten Leute? Falsch! Im Meranier-Gymnasium Lichtenfels (MGL) traten am vergangenen Mittwoch junge Musiker der etwas anderen Art auf. Anstelle von E-Bass und Gitarre hatten sie in erster Linie Fiedeln dabei. Im traditionellen schottischen Kilt trat das schottische Ayrshire Fiddle Orchestra vor die Zuschauer und zeigte sein Können.

Die Musik sei dabei nichts, um "einfach nur herumzusitzen", erklärte Dirigent David Moore während des Auftritts. Entsprechend begeistert wurde daher während der Stücke gestampft, geklatscht, gepfiffen und gejubelt, was das Zeug hielt. Ein paar mutige Paare wagten es sogar, auf die etwas ruhigeren Lieder zu tanzen.

Ob Jung, oder Alt - das machte an diesem Abend keinen Unterschied, denn die Generation der Eltern und Großeltern stand ihren Kindern in nichts nach, was das Mitmachen zur Musik betraf: Es wurde geschunkelt und im Takt mit dem Kopf gewippt, bei den schnelleren Stücken sogar in einer Geschwindigkeit, die an das Headbanging eines Heavy-Metal Konzertes erinnerte. Das Grinsen auf den Gesichtern von Jung und Alt wurde dabei von Stück zu Stück breiter, und der Applaus kannte bereits zur Zwischenpause keine Grenzen mehr.

Zu Recht meint Franziska Vogel, Schülerin am MGL und von dem Abend völlig begeistert: "Es ist mal was Anderes, eben keine typisch klassische Geigenmusik. Es hat einfach viel mehr Schwung, und die Leute sind alle gut drauf und dürfen das auch ausleben." Auch sie klatschte, stampfte und jubelte gemeinsam mit ihren Freunden den jungen Künstlern auf der Bühne zu.

Nach der Pause geht es mit der Inszenierung eines Stückes von Johann Strauss weiter. Doch statt die Bögen an die Seiten der Violinen zu legen, zupfen die Musiker die Melodie. Belohnt werden sie dafür abermals mit lautem Jubel.

"Das erinnert mich irgendwie an schimpfende Spatzen, aber auf wundervolle Weise", sagt Daniel Krüger. Der 19-Jährige studiert mittlerweile Musik, kam für den Auftritt des schottischen Orchesters aber extra zurück in seine alte Schule. Der Heimatbesuch habe sich definitiv gelohnt, es sei ein genialer Abend mit wunderbarer Musik, die man auch ausleben dürfe, anstatt einfach nur ruhig herumzusitzen. "Ich finde wenn Musik einen mitreißt, sollte man das auch zeigen dürfen. Es ist klasse, dass die Schotten anscheinend genauso denken!"
Doch nicht nur schnelle und heitere Klänge werden gespielt, auch melancholische Stücke werden eingestreut und entführen so manchen auf eine harmonische Reise in ferne Welten.

"Bei diesen Stücken bin ich einfach weggedriftet", sagt Abiturientin Monika Albert. "Da bekomme ich jedes Mal auch Fernweh nach unbekanntem, weitem und offenem Land." Das passe auch gut zu ihren Zukunftsplänen. Schließlich plane sie jetzt, nach ihrem Abitur, ein Auslandsjahr in Schottland mit einem mehrwöchigen Flug in die Highlands. Das abendliche Konzert sei dafür eine perfekte Einstimmung gewesen und die dort erwachten Emotionen würden sie mit in ihr neues "Abenteuer Leben" begleiten.

Die Schotten spielen ein letztes Stück, dem ein berstender Applaus folgt. Die gesamte Aula des Gymnasiums ist auf den Beinen und beteuert stehend den Respekt vor dem musikalischen Zauber. Nach dem minutenlangen Applaus lehrt sich die Halle allmählich, doch einige bleiben. Es sind die Gastfamilien der 75 Musiker, die auf ihre Musik-Zauberer warten.

Auch die MGL-Schülerin Luise Birkner ist unter den Wartenden. Sie beherbergt mit ihrer Familie zwei der Gäste, und auch sie ist fasziniert von der Darbietung: "Ich bewundere die Ausdauer, die sie in den Händen haben, das ist wirklich erstaunlich. Aber auch die Musik selbst hat mir wirklich sehr, sehr gut gefallen."