Die Füße treffen abwechselnd auf das Laufband. Die Stirn wird nass. 20 Kilogramm heben und senken sich. Die Muskeln zittern vor Anstrengung. Durchhalten ist angesagt - für einen schönen Körper, einen gesunden Rücken, das eigene Ego.

Laut Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (dssv) erreichte die Zahl derjenigen, die 2016 im Fitnessstudio eingeschrieben waren, ein Rekordhoch - mehr als zehn Millionen Menschen halten sich deutschlandweit mittlerweile so fit.


Fitness ist ein ehrliches Produkt

Auch im Landkreis Lichtenfels steigt die Nachfrage stetig, bestätigen Matthias Hornung und Michael Gerner, Geschäftsführer des Fitnessstudios "Highlight". Seit über 19 Jahren betreiben sie das Studio in Lichtenfels. Etwa 1600 Mitglieder betreuen sie - ihre Räume haben sie inzwischen auf fast das Doppelte vergrößert. "Entgegen dem Schulz-Effekt, ist der Fitness-Hype im Landkreis angekommen", scherzt der 50-jährige Matthias Hornung.

Der Grund liegt für Gerner klar auf der Hand: "Es ist ein ehrliches Produkt. Mit Fitness und Ernährung kannst du vielen helfen." Das haben auch Firmen und Krankenkassen erkannt. "In den Firmen hat der Gedanke Einzug erhalten: Wenn sich die Mitarbeiter in der Freizeit bewegen, sind sie weniger krank und leistungsfähiger", so Hornung.


Zunehmend Senioren in Studios

Auch die Krankenkassen unterstützen zunehmend Patienten - es werden spezielle Präventionskursen angeboten, denn "Fitness ist längst nicht nur mehr Bodybuilding. Es geht um Anti-Aging und Reha", fügt der 50-Jährige hinzu. Und so spielt Fitness vor allem für Senioren eine große Rolle. Sie besuchen häufig Kurse und trainieren ihren Körper an den Geräten. "Für einen gesunden Geist und Körper", erklärt ein älterer Herr, gehe er regelmäßig ins Fitnessstudio.

Diesen Wandel hätten sich die beiden Fitnesstrainer früher kaum vorstellen können. Genauso wenig wie den hohen Frauen-Anteil. "60 bis 80 Prozent der Mitglieder sind Frauen", erklärt Hornung und vergleicht diesen Wert mit der Zeit, in der er mit dem Training begann. "Damals waren es höchstens 20 Prozent."

So unterschiedlich die Kunden, so unterschiedlich sind auch ihre Probleme. 80 bis 90 Prozent, sagt Michael Gerner, leiden an Rückenschmerzen oder wollen abnehmen - dies betreffe meist Frauen.Um von der Hausfrau bis zum Bodybuilder für jeden ein passendes Angebot parat zu haben, informieren sich die beiden Fitnesstrainer über neue Trends - unter anderem auf Sport-Messen, im Austausch mit anderen Studios und in Fachzeitschriften.


"BodyArt" und "DeepWork"

Und so kommen zu den 57 Krafttrainingsgeräten und den 53 Ausdauergeräten noch zahlreiche Kurse, die wegen der hohen Nachfrage abgedeckt werden müssen - Zumba, Yoga sowie Bauch-Beine-Po seien bereits Klassiker. "BodyArt" und "DeepWork" sind da jüngere Fitnessprogramme, die gefragt sind. "Bei DeepWork trainiert man mit seinem eigenen Körpergewicht. Bei BodyArt geht es darum, seine eigene Körpermitte zu finden", erklärt Michael Gerner.Durch die große Vielfalt ist der Beruf sehr abwechslungsreich geworden, freuen sich beide Trainer, die mit einst etwa zehn Mitarbeitern ihr Studio eröffneten. Mittlerweile haben sie mit Physiotherapeuten, Trainern und Ökotrophologen mehr als 40 Angestellte.

Auf das Können der Mitarbeiter legen beide viel Wert, daher sind sie von Trainingseinheiten mit Internetvideos nicht überzeugt. "Es ist ein Qualitätsunterschied. Die Leute sollen nicht nur die Übung ausführen, sondern ihren Körper trainieren." Doch das, bezweifelt Hornung, kriegen nur Wenige hin. Im Studio hingegen machen die Trainer die Mitglieder auf Fehler aufmerksam und erstellen individuelle Pläne. Und das überzeuge viele, auf ein Video-Training zu verzichten und den Weg ins Studio auf sich zu nehmen.

Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2016


Mitglieder Ende 2016 erreichte die Mitgliederzahl ein Rekordhoch - mehr als zehn Millionen Deutsche waren in Fitnessstudios eingeschrieben: ein Plus von über sechs Prozent zum Vorjahr, als es noch 9,46 Millionen Mitglieder waren. Im Europavergleich liegt Deutschland damit vor Großbritannien und Frankreich an erster Stelle. In Bayern sind etwa 1,5 Millionen Menschen in Fitnessanlagen eingeschrieben - das macht 15,6 Prozent der Bewohner de Freistaats. Nur Nordrhein-Westfalen hat mit 2,2 Millionen mehr.

Fitnessanlagen Die einwohnerstärksten Bundesländer weisen die meisten Fitnessanlagen auf. In Bayern kommen auf 100 000 Einwohner 10,5 Anlagen. Das macht einen Anteil von 16,2 Prozent -also 1353 Anlagen. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland vor Italien und Großbritannien auf Platz 1.

Umsatz In Deutschland wurde 2016 im europaweiten Vergleich der zweitmeiste Umsatz generiert (4,83 Milliarden Euro). Platz 1 belegt Großbritannien (über 5,5 Milliarden Euro).

Monatsbetrag 2016 gaben die Deutschen durchschnittlich 45 Euro monatlich aus - in Europa ist das Platz 7. Den ersten Platz belegt die Schweiz mit 70 Euro monatlich.

Studios Andere Fitnessanlagen im Landkreis Lichtenfels: Lif-Fit, Injoy, CrossFit, No Limit Fitness-Treff und Clever Fit Altenkunstadt. Quelle: dssv