Wer bei "Damenfreude Red Eros", bei "Feuerwerk" und bei "Beefsteak von Canada" an ein Schützenfest denkt, hat weit gefehlt: Es sind vielmehr die Namen von drei Tomatensorten, drei von 150 (! ), die im Garten der "Tomatenfraa" Helga Dressel in Grundfeld wachsen. Am Dienstag hatten der Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege und die Umweltstation Weismain zur Veranstaltung "Grundfelder Gartengespräche" eingeladen. Dafür geworben hatten die Veranstalter mit Kreisfachberater Michael Stromer als Moderator, einem kleinen Imbiss und einer musikalischen Überraschung.

"Ich hab so an die 20 bis 25 Besucher erwartet", sagte Helga Dressel. Geworden sind es dann weit mehr als 100, die den Weg in die Schönthalstraße 22 gefunden haben. Kurzerhand wurde umgeplant und die Gesprächsrunde im Schatten der Nussbäume vor dem Anwesen begonnen.

"Zum Glück hab' ich einen Lautsprecher dabei", begann Michael Stromer den knapp zweistündigen Abend.

"Die Tomaten-Fraa" weiß alles

Pinsel-Bestäubung, F1-Hybriden, Samen fermentieren, richtiges Gießen und die richtige Erde: Es gab nichts, was Helga Dressel nicht erklären konnte. In ihrem gut 350 Quadratmeter großen Garten hat sie eine schier unglaubliche Vielfalt an Tomaten: 150 Sorten, und von jeder Sorte eine Pflanze - säuberlich beschriftet, übersichtlich arrangiert. Sie liebe sie alle, sagte sie lachend, egal ob sie rot sind, braun oder lila, ob sie süß-fruchtig schmecken oder eher säuerlich, ob sie rund, oval oder flaschenähnlich geformt sind. Einige sind so klein, dass man gut sechs Tomaten mit einer Hand greifen könnte, andere so riesig, dass bereits eine Frucht wohl als Salat für ein bis zwei Personen reichen würde.

Helga Dressel wäre nicht "die Tomaten-Fraa", wenn sich bei ihr nicht alles um die aus Süd- und Mittelamerika stammende Frucht drehen würde. Seit 1965 liebt sie Tomaten. Zum ersten Kontakt mit der vielseitigen und gesunden Frucht kam es bei den Italienurlauben mit ihrem Papa. Die Mitbringsel aus der Gegend von Meran zauberten auch zuhause noch das Flair von Sommer und Süden.

35 Jahre Erfahrung

Richtig intensiv betreibt Helga Dressel ihr Tomaten-Hobby seit rund 35 Jahren. Ihre Samen zieht sie selbst. Bereits im Februar werden die im Vorjahr fermentierten, gewaschenen und getrockneten Samen in Erde gesetzt, und zwar fast auf den Boden eines größeren Kübels. In dem Maß, wie die Pflanze dann nach oben wächst, wird ausgegeizt und Erde ergänzt, bis der Kübel circa dreiviertelvoll ist. Dabei darf gerne mit den abgeknipsten (nicht abgeschnittenen!) Blättern und Rasenschnitt zusätzlich aufgefüllt werden.

Nicht jeden Tag gießen, rät sie: "Tomaten wollen keine nassen Füße haben. Jeden zweiten Tag reicht, und dann bevorzugt früh."

Ab Juni geizt sie sparsamer aus. Die Blätter dienen in den folgenden heißen Monaten als Sonnenschutz für die Früchte.

Helga Dressel ist qualifizierte Gäste-Gartenführerin des "Gartenerlebnisses Bayern". Und sie hat auch ein Händchen bei der Zubereitung von Tomatenspeisen als süßer oder scharfer Brotaufstrich, im Nusskuchen, als Füllung in Crepes, als Marmelade oder Eis - Tomaten sind immer mit dabei.

Eine Besucherin hatte erkrankte Früchte zur Begutachtung mitgebracht: "Das ist die Blütenendfäule, das ist temperaturbedingt", wusste die Tomaten-Fraa.

Musik und Buffet

Sehr viele Informationen, auch von Anton Reinhardt vom Bund Naturschutz und Gärtner Joachim Mahler, gab es zu Themen wie Kompostieren, Artenvielfalt, sogenannte Unkräuter und Bewässerung mit Regenwasser.

Viel Beifall gab es immer wieder für Matthias Arneth aus Grundfeld: Der 13-Jährige spielte in den Pausen Unterhaltungsmusik auf dem Akkordeon. Am bunten Buffet klangen die "Grundfelder Gartengespräche aus". Hauptzutaten waren auch hier Tomaten in unterschiedlichster Verarbeitung.