Kennen Sie das? Sie sehen etwas Schönes, das Ihnen gefällt. Irgendwo in einem Schaufenster oder auf einem Markt. Sie gehen daran vorbei, einmal, zweimal oder noch öfter. Insgeheim freuen Sie sich jedes Mal, dass das bewunderte Stück noch da ist, dass es Ihnen niemand weggeschnappt hat. Sie zögern aber noch, es zu kaufen. Weil es nicht ganz billig ist, weil Weihnachten oder der Geburtstag gerade nicht vor der Tür stehen, so dass man es sich wünschen könnte. Sich selbst ein Geschenk zu machen, einfach so etwas zu kaufen, was man nicht unbedingt braucht, das erlauben sich viele nicht gleich. Wenn man es dann aber doch getan hat, bleibt hoffentlich ein gutes Gefühl und - noch besser - eine lange Verbindung zu diesem Gegenstand.

So erging es Angelika Herbst mit den flachen, ovalen Schalen, die sie am Verkaufsstand eines heimischen Korbflechters erblickt und schließlich erworben hatte. Lange ist das her, aber sie weiß noch genau, wann und wo es war: beim Kreisgartentag 2006 in Wiesen. Wer der Handwerker war, der die drei Teile aus ungeschälter Weide mit Seitenverstärkung aus Holz gefertigt hatte, daran erinnert sich Angelika Herbst leider nicht mehr. Aber dass sie wieder und wieder vorbeigegangen war, bevor sie endlich den Kauf tätigte.

Schanze oder auch Schwinge nennt man übrigens einen Korb in dieser Machart, die ohne eigens angesetzten Rand oder Boden auskommt. Die Hauswirtschaftsmeisterin, die als Ernährungsfachfrau regelmäßig für den Bayerischen Bauernverband als Referentin im Einsatz ist, hatte gleich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten dieser rustikalen Schönheiten im Sinn: als Brotkörbe, für Obst oder auch zum Anbieten hausgemachter Leckereien im Glas. Genauso vielfältig wie häufig war dann tatsächlich auch die Verwendung, ob bei Familienfeiern oder beim Picknick - irgendetwas wusste Angelika Herbst immer darin anzurichten, und dabei sind ihr die Körbchen irgendwie ans Herz gewachsen. Vielleicht erging das auch jemand anderem so? Denn zwischenzeitlich ist aus dem einstigen Dreier-Set ein Teil abhanden gekommen. Ob das einer versehentlich beim Aufräumen eingepackt hat oder ganz bewusst, lässt sich wohl nicht mehr ermitteln. Jedenfalls blieben bislang alle Nachforschungen ergebnislos.

Wie auch immer: Nun müssen halt die zwei verbliebenen Teile die repräsentativen Dienste leisten. Dabei werden sie pfleglich behandelt, wie ihre Eigentümerin betont: "Ich lege immer eine Stoffserviette rein." Auf diese Weise aufgehübscht und gleichzeitig vor Verschmutzung geschützt, sind die beiden Körbchen sehr oft dabei, wenn Angelika Herbst als "Genussbotschafterin" unterwegs ist. Erst im Juli war dies beispielsweise der Fall, als es zu Wanderschäfer Felix Steinhagen und seinen vierbeinigen Landschaftspflegern ins Kleinziegenfelder Tal ging. Mitten auf der Weide serviert Angelika Herbst dann den angemeldeten Teilnehmern dieser Erlebnistouren regionale Spezialitäten. Sie ist dabei für die Tourismusregion Obermain-Jura tätig und überrascht mit vielerlei Kostproben "rund ums Schaf".

Genussbotschafterin on Tour

Die eigene Experimentierfreudigkeit kommt der passionierten Köchin hier zugute. Trotz der langjährigen Erfahrung in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben und natürlich auch in der eigenen Familie probiert Angelika Herbst immer noch gerne Neues aus. Bevor sie Kreationen wie Lamm-Gulasch und Panna cotta aus Schafmilch in offizieller Mission anbietet, fungiert die Familie mit Ehemann und den drei erwachsenen beziehungsweise fast erwachsenen Kindern als "Testesser". Herbst setzt vor allem auf regionale Produkte von Direktvermarktern und natürlich auf Gemüse und Obst aus dem eigenen großen Garten daheim in Döringstadt. "Ich versuch' immer, was Gutes draus zu machen", sagt sie. Genussbotschafterin sein, das ist ihr Hobby. Sie trägt gern dazu bei, deutlich zu machen, dass Oberfranken auch kulinarisch eine Reise wert ist und sich die hiesigen Spezialitäten auch im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen können. Ein schönes Ambiente gehört natürlich stets dazu, und dazu kann heimische Handwerkskunst einen Beitrag leisten - wie schon damals beim Kreisgartentag. Demnächst packt die Genussbotschafterin die Körbe zusammen für ein Picknick auf der Banzer Streuobstwiese. Dort, vor der beeindruckenden Barockkulisse, wird es um alte Apfelsorten gehen, und was man daraus alles machen kann. Wer dabei sein möchte, kann sich noch anmelden (Termin: 20. September, 14 Uhr, Näheres über die VHS unter www.vhs-lif.de oder Tel. 09571/18-574).

Menschen und Körbe Der Lichtenfelser Korbmarkt bringt beides zusammen - die Faszination von Geflecht sowie Begegnungen mit und unter Handwerkern. Heuer kann der Besuchermagnet coronabedingt leider nicht stattfinden. Die Redaktion möchte deshalb mit dieser Serie besondere Flechtobjekte zeigen und die Geschichten dahinter erzählen. Wer hat welchen Lieblingskorb und warum? - Wenn auch Sie so ein Lieblingsstück haben, senden Sie uns doch eine E-Mail mit Foto an: redaktion.lichtenfels@infranken.de