Sie trennen 36 Jahre Altersunterschied, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: Ursula Eisenhut (57, Chefin der Metzgerei Eisenhut) aus Schwarzach und Torsten Grampp (21, Student) aus Melkendorf sind erstmals in den Kirchenvorstand gewählt worden. Im Interview erzählen sie, was sie vorhaben, wie sie das Image der Kirche sehen und wie sie junge Leute für die Kirche gewinnen wollen.

Was hat Sie bewogen zu kandidieren?
Ursula Eisenhut: Ich hätte mich früher schon gerne mehr eingebracht, aber es standen bisher immer Familie und Betrieb im Vordergrund. Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich eine feste Meinung habe und alles etwas entspannter sehe. Es ist einfach der richtige Zeitpunkt.
Torsten Grampp: Unsere Vertrauensfrau hat mich vorgeschlagen. Natürlich bin ich im Vorfeld darauf angesprochen worden. Mit meiner Wahl habe ich schon gerechnet, weil ich als Feuerwehr- und Kerwavereins-Vorsitzender bekannt bin. Ich will schlicht was Gutes tun und der Gemeinde unter die Arme greifen.

Was möchten Sie als Kirchenvorstand bewegen?
Eisenhut: Ich möchte ein Bindeglied zwischen Gemeinde und Kirche sein, Aktionen durchführen, mit denen man die Gemeindeglieder - ob jung, ob alt - zusammenführen kann. Man könnte zum Beispiel einen Adventskalender-Rundgang durch das Dorf machen - an einem Tag mit verschiedenen Stationen.
Oder man kann versuchen, bei der Johanniskirchweih die Gemeinde mehr zusammenzubringen.
Grampp: Es ist nicht so, dass ich den Laden umkrempeln will, sondern Akzente setzen möchte. Stichwort Jugendarbeit. Dabei werde ich versuchen, den einen oder anderen zu bewegen, sich mit der Kirche anzufreunden. Auch will ich bei Problemen auf die Leute zugehen.

Haben Sie Kritikpunkte am kirchlichen Leben?
Eisenhut: In unserer Kirchengemeinde klappt alles prima, das war zur Zeit von Pfarrer Schmidt so und auch in der Vakanz. Da kann man wirklich nichts kritisieren.
Grampp: An unserer evangelischen Kirche stört mich wenig. Im Vergleich mit der katholischen Kirche sind wir recht zeitgemäß.

Gibt es in ihrem Leben spezielle Erlebnisse mit dem Glauben?
Eisenhut: Als Kind war ich zwischen dem katholischen und dem evangelischen Glauben hin- und hergerissen, weil meine Großmutter streng katholisch und meine Mutter evangelisch war. Aber in meiner Jugend in Untersteinach gab es in der evangelischen Kirche viele Jugendgruppen und engagierte Vikare. Durch diese Jugendarbeit bin ich der Kirche sehr nahe gekommen, hat sich die evangelische Seite durchgesetzt. Ich habe mich in der evangelischen Kirche immer sehr wohl gefühlt, auch wenn ich nie ein strenger Kirchgänger war.
Grampp: Der christliche Glaube hilft mir, mich zu sammeln und zur Besinnung zu kommen. Ich bin im Glauben erzogen worden, meine Familie ist christlich geprägt. Wenn sich die Leute so verhalten würden, wie es in der Bibel steht, hätten wir nicht so viele Probleme in unserer Gesellschaft, vor allem in den Großstädten. Es wird immer weniger Rücksicht genommen. Die ganze Entwicklung läuft auf die Wand zu.

Wie sehen Sie das Image der Kirche?
Eisenhut: Als konservativ. Mir entspricht das, weil ich an Traditionen und Werten hänge. Für Jugendliche hat die Kirche vielleicht einen Bart, wobei sich das mit zunehmendem Alter und gestiegener Lebenserfahrung ändern kann. Vielleicht stellt sich das dann für den einen oder anderen als nicht schlecht raus, vielleicht werden Werte vermittelt, die dann für das eigene Familienleben wichtig sind.
Grampp: Manch einer sagt, das Image ist angestaubt, wobei ich da nicht übereinstimme. Die evangelische Kirche passt in unsere Zeit. Von vielen Bekannten habe ich gehört, dass sie zwar an Gott glauben, aber mit der Kirche nichts zu tun haben wollen. Andere wollen keine Kirchensteuer zahlen, andere können sich nicht mit den Gottesdiensten anfreunden. Vielleicht liegt das auch daran, dass die zu faul sind, am Sonntag um 9 Uhr aufzustehen und in die Kirche zu gehen. Zum Teil ist der Anschluss an die mittlere Generation verloren gegangen, die Gottesdienstbesucher sind in der Regel älter.

Sie haben das Thema gerade angesprochen: Wie wollen Sie Jugendliche für die Kirche gewinnen?
Eisenhut: Es ist sehr schwer, an die Jugend überhaupt ranzukommen. Bei uns in Schwarzach gibt es Jugendgruppen, wird für die Kleinen was gemacht. Durch den Gospelchor ist es bei uns möglicherweise etwas leichter, junge Leute einzubinden.
Grampp: Darüber zerbrechen sich viele den Kopf. Da muss man viele kleine Schritte machen, schon bei den Kindern ansetzen, damit sie sich an den Glauben herantasten können. Wir haben zum Beispiel eine Jungschar. Es gab auch mal einen Kindergottesdienst, der ist aber nicht angenommen worden. Vielleicht muss man bei den Eltern ansetzen, aber da wird es schwer, wenn die mit der Kirche nichts am Hut haben. Vielleicht hilft es auch, wenn junge Leute wie ich offen zu ihrem Glauben stehen.

Was denken Sie, wenn Sie von Missbrauchsfällen in der Kirche hören - auch wenn es sich um die katholische Kirche handelt?
Eisenhut: Das Zölibat ist aus heutiger Sicht nicht mehr haltbar. Ich hatte in der siebten Klasse einen Pfarrer im Unterricht, der dann weggezogen ist und geheiratet hat. Da macht man sich schon als Jugendliche seine Gedanken. Das Zölibat gehört gelockert. Aber Missbrauch gibt es nicht nur in der Kirche, sondern er kommt überall vor. Das Zölibat ist da sicher nicht der einzige Grund.
Grampp: Das ist erschütternd, weil die, die das machen, Vorbild sein sollen. Und weil Kinder unsere Zukunft sind - auch der Kirche. Wenn etwas passiert, dann muss man rigoros durchgreifen. Dann dürfen die Vorgesetzten die Täter nicht nur beurlauben, solche Leute haben als Priester nichts mehr verloren. Schwarze Schafe gibt es aber in jedem Berufsstand.

Welche Aufgaben haben Sie als Kirchenvorstand?
Eisenhut: Da gibt es viele Verwaltungsfragen zu klären, von Instandhaltungen über die Verwendung von Geldern und laufenden Verpflichtungen. Und wir greifen dem Pfarrer helfend unter die Arme, sei es bei Gottesdiensten, Festen, Feierlichkeiten.
Grampp: Konkret weiß ich das noch gar nicht. Es ist erst in den nächsten Wochen eine Sitzung.