Zwei Eichen und ein Stein als Denkmal königlicher Liebe
Autor: Redaktion
Kulmbach, Donnerstag, 26. Oktober 2017
Heute beantworten wir die Frage, warum König Maximilian II. 1851 im Kulmbacher Buchwald zwei Eichen pflanzen ließ.
Was hat es mit den Königseichen im Buchwald auf sich? Um eine Antwort zu finden, müssen wir bis zum 15. Oktober 1846, dem Namenstag der bayerischen Königin Theresa, zurückblicken. Damals wurde die Teilstrecke der König-Ludwig-Bahn von Lichtenfels über Kulmbach nach Neuenmarkt eröffnet. Sie brachte einen enormen Standortvorteil für Kulmbach mit sich.
Das Projekt wurde von der hiesigen Bevölkerung als willkommene Gabe des bayerischen Königshauses gewertet. So kam es während der Unruhen des Revolutionsjahres 1848 in der Stadt Kulmbach zu keiner Aufruhr.
Schlösser geplündert
Erfasst von jenen Unruhen wurde jedoch das westliche Kulmbacher Land mit Schwarzach, Danndorf und Schmeilsdorf. Hier wurden Schlösser demoliert und geplündert.
Am 20. März 1848 verzichtete Ludwig I. auf den Thron, nicht zuletzt wegen der Auswirkungen seiner Affäre mit Lola Montez. "Ich habe nun 23 Jahre geherrscht und lege die Krone nieder zu Gunsten meines geliebten Sohnes, des Kronprinzen Maximilian II. Joseph", ließ Ludwg verlauten. Dieser war an norddeutschen Universitäten ausgebildet worden und 36 Jahre alt.
In Bayern begann jetzt eine neue Zeitrechnung. Der neue König reformierte die Verfassung und stieß zahlreiche liberale Reformen an, vor allem im Bereich des Gerichtswesen. Besonders wichtig war ihm die Bauernbefreiung - die Aufhebung der Grundherrschaft.
Nur Kulmbach und Kronach stützten die Monarchie
Im April 1848 versandte der neue König Dankadressen an jene Städte, die sich während der Unruhen als zuverlässige Stützen der Monarchie ausgezeichnet hatten. In Oberfranken waren dies nur Kronach und Kulmbach. Regierungspräsident von Stenglein übergab die Schreiben dem Kulmbacher Bürgermeister Christoph Maurer.
Maximilian II. entschloss sich im Juni 1849, das Widerstandsgebiet in Franken mit einem Besuch zu beehren. Ziel war unter anderem Bayreuth. Kulmbach war nur ein kurzer Zwischenstopp, hatte Bayreuth doch keinen Gleisanschluss.
Tagesausflug nach Kulmbach
Ein mehrstündiger Besuch des Königspaares folgte 1851. König Max und seine Gemahlin, Königin Marie, verweilten in der Bayreuther Eremitage und unternahmen am 3. Juli 1851 einen Tagesausflug nach Kulmbach. Die Stadt war bis in die entlegensten Ecken prächtig geschmückt. Das Königspaar wurde begleitet vom königlichen Regierungspräsidenten von Oberfranken von Stenglein, dem königlichen Regierungsdirektor Freiherr von Rosenau und dem Reichsrats Graf von Giech und wurde mit Jubel empfangen.
Am Rathaus nahm der König die Parade der Landwehr ab. In prachtvollen Gespannen fuhren die Majestäten hinauf zur großartig geschmückten Plassenburg. Hier wurde im Saal des ehemaligen Kommandantenhauses ein glänzendes Festmahl gereicht. Die Gemahlin des Bürgermeisters Maurer saß zwischen den Majestäten, was als sehr hohe Ehre gewertet wurde.
Nach Aufhebung der Tafel begab sich die Gesellschaft zum nahe gelegenen Buchwald. Dort pflanzten die hohen Herrschaften zur Erinnerung an ihre Anwesenheit - auf Bitten des Stadtmagistrats und in Gegenwart sämtlicher Gäste sowie einer großen Menge von Zuschauern - feierlich zwei junge Eichen. Welche Stadt hat wohl ein gleiches Denkmal königlicher Liebe aufzuweisen?
Feste zur Erinnerung
Zurück auf der Plassenburg besuchte seine Majestät die Strafanstalt und erließ dort vier Häftlingen wegen guter Führung die Reststrafe. Gegen 18 Uhr fuhren die hohen Gäste wieder nach Bayreuth zurück. Ein geplanter Besuch des Patersberges wurde wegen der vorgerückten Stunde abgesagt. Die Königliche Hofhaltung übersandte als Hausgeschenk 25 Dukaten zur Verteilung an die beim Festakt auf der Burg beschäftigten Diener.
Ein Jahr später, 1852, wurde als Erinnerung an diesen Besuch wieder ein Fest gefeiert, diesmal mit Scheibenschießen, Fackelzug und Feuerwerk. Ein Festzug bewegte sich vom Rathaus zu den Königseichen. Eine Holzbühne wurde aufgebaut, der neugegründete Musikverein 1851 und hiesige Gesangsvereine umrahmten musikalisch die zweitägige Feier.