Vergangenes Jahr hat Bio-Landwirt Stefan Seidel (30) aus Wachholder bei Schwarzach einen großen Schritt gewagt und mit dem Maisanbau begonnen. "Das war eine Herausforderung, aber für Milchkühe kann man sich kaum ein besseres Futter vorstellen." Die Silage aus gehäckselten Maispflanzen, die Maiskörner und grüne Pflanzenteile enthält, ist leicht verdaulich und gibt Energie. "Wir haben das an der Milchleistung gespürt", so Seidel. Die sei gestiegen, "bei gleichbleibender Tiergesundheit".

Zwar sind die Kühe des Bioland-Hofs Eben den Sommer über auf der Weide, doch im Winter werden sie im Stall gefüttert: Etwa 60 bis 70 Prozent Grassilage, der Rest besteht aus Mais oder Getreide.

Landwirtin Melissa Gräf (24) aus Wickenreuth bei Kulmbach nutzt Maissilage als Rohstoff für erneuerbare Energie. Zusammen mit Gülle und Grassilage wird das Substrat in einer Biogasanlage zu Methan umgewandelt. Ein Blockheizkraftwerk verbrennt das Gas und erzeugt so Strom, der in das öffentliche Netz einspeist wird. Zusätzlich entsteht Heizwärme für Stall und Wohnhaus. "Mais ist sehr energiereich und liefert einen höheren Gasertrag als andere Substrate", erklärt Gräf. Wie beim Brennholz wird bei der Verbrennung von Biogas solches Kohlenstoffdioxid frei, das zuvor von Pflanzen aus der Luft gebunden wurde - im Gegensatz zu Erdöl, das Millionen von Jahren unter der Erde lag.

Hinzu kommt, dass Mais über eine besondere Fähigkeit verfügt: Er wächst sogar dann noch gut, wenn es heiß und trocken ist. "Angesichts des Klimawandels ist Mais bei uns eine interessante Kulturpflanze", sagt Gräf.

Handicap Unkraut

Dafür hat er ein anderes Handicap: das Unkraut. Das hat zwei Gründe: Im Gegensatz zu Getreide wird Mais nicht flächig ausgesät, sondern in Reihen im Abstand von etwa 75 Zentimetern. Dazwischen haben Melde, Distel oder Ampfer freie Bahn. Zusätzlich benötigt Mais im Anfangsstadium Sonnentage. Bekommt er die nicht, wächst er sehr langsam und wird schnell von den Unkräutern überholt.

In der Bio-Landwirtschaft wird auf Pflanzenschutzmittel verzichtet - und genau das ist die große Herausforderung beim Maisanbau. Bio-Landwirt Seidel erklärt: "Weil der Mais sehr konkurrenzschwach gegenüber Unkraut ist, muss ich das Feld mehrmals im Jahr mit Striegel und Maishacke bearbeiten." Beide Geräte bekämpfen Unkraut, indem sie es verschütten. Die Maishacke verfügt zusätzlich über Hackschare, die Pflanzenwurzeln zwischen den Maisreihen knapp unterhalb des Bodens abschneiden. "Je öfter man über das Feld fährt, desto höher ist die Erosionswahrscheinlichkeit", erklärt Seidel.

Mehr Arbeitsgänge bedeuten auch mehr Zeitaufwand sowie einen höheren Dieselverbrauch beim Traktor. Die Produktion von Biomais ist daher viel teurer als die von konventionellem Mais.

Maisfelder sind ideale Brutgebiete für den Kiebitz. Frank Schneider, Feldvogel-Experte beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Kulmbach, erklärt: "Die Weibchen mögen es, wenn sie weit schauen können, um Angreifer wie Fuchs oder Marder zu sehen."

Auf Feuchtwiesen gebrütet

Ursprünglich habe der Kiebitz auf Feuchtwiesen gebrütet, doch davon gebe es kaum noch welche. Daher hätten sich die Vögel kurzerhand umorientiert. "Felder mit Mais oder Sommergetreide sind die einzigen, auf denen im April und Mai noch nicht viel wächst", so Schneider. Auf den braunen Flächen ist der schwarz-weiße Vogel gut getarnt. Das schützt die Gelege zwar vor Fressfeinden, aber auch für Landwirte und Naturschützer sind sie schwer zu erkennen.

Landwirte in der Region, unter anderem Melissa Gräf, arbeiten mit dem LBV zusammen. "Die Vögel haben keine Angst vor dem Traktor. Sie bleiben einfach auf den Eiern sitzen", berichtet Gräf. Für sie als konventionelle Landwirtin ist es relativ einfach, auf Bodenbrüter Rücksicht zu nehmen. Zwischen der Aussaat im April und der Ernte im September muss Gräf das Feld nur einmal befahren um Unkrautbekämpfungsmittel auszubringen. Die Arme der Feldspritze sind mehrere Meter lang und schweben über dem Boden. Das heißt, der Traktor fährt nur wenige Bahnen, die Berührungspunkte mit dem Feld sind gering.

Mehrere Arbeitsgänge

"Rücksicht auf Kiebitznester zu nehmen, ist möglich, aber viel schwieriger", erklärt dagegen Bio-Landwirt Hermann Grampp (53) aus Unterkodach bei Melkendorf. Stephan Pörsch, Pflanzenbauberater beim Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach, teilt mit: "Bei der mechanischen Unkrautbekämpfung benötigt man mehr Arbeitsgänge, der Wirkungsgrad ist schlechter und die Gefahr größer, dass Feldhasen oder Bodenbrüter vernichtet werden. Bei der chemischen Unkrautbekämpfung hingegen besteht die Gefahr, dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln die Umwelt belasten. Herbizide schalten effektiv die Ackerbegleitflora aus und haben so indirekt eine höhere Beeinträchtigung der Insektenvielfalt zur Folge."

Feldvogel-Experte Schneider vom LBV bestätigt: "Hier haben wir einen Zielkonflikt im Artenschutz." Zwar sei der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel gut für Insekten, doch der Trend zur mechanischen Bodenbearbeitung mache den bodenbrütenden Feldvögeln, auch Feldlerche und Rebhuhn, schwer zu schaffen. Das gelte allerdings für den Ackerbau generell.