Der Marktgemeinderat rückt von seiner Forderung, am Bahnhof Marktschorgast anstelle der geplanten Fußgängerüberführung einen beidseitigen Mittelbahnsteig mit höhengleichen Überweg zu bauen, keinen Millimeter ab. Das wurde in der Sitzung am Donnerstagabend noch einmal klar zum Ausdruck gebracht. Damit wurde auch die verfahrensgegenständliche Planung einstimmig missbilligt.

Hoffnungen setzt Bürgermeister Hans Tischhöfer (FW) auf die Bemühungen Emmi Zeulners. Die CSU-Bundestagsabgeordnete ließ dem Bürgermeister wissen, dass sich Innenminister Joachim Herrmann bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs einsetze und ein Verschlechterungsverbot fordere.

Tischhöfer gab bekannt, dass das Eisenbahn-Bundesamt mitgeteilt hat, dass die DB Netz AG den Antrag auf Erteilung einer Plangenehmigung für das Vorhaben "Neubau Gleis 2 und Erneuerung Bahnsteig Gleis 1" gestellt habe. Im Erläuterungsbericht wird die Maßnahme damit begründet, dass der Bahnhof Marktschorgast in schlechtem Zustand sei und mit einem Gesamtsanierungskonzept richtlinienkonform ausgebaut werden solle. Der vorhandene Bahnsteig Gleis 2 entspreche nicht den Regeln der Technik.

Der Bürgermeister zitierte aus dem Erläuterungsbericht: "Die Standzeit des Provisoriums aus dem Jahr 2001 ist unter Berücksichtigung zeitlich geduldeter Provisorien von maximal ein bis zwei Jahren bereits weit überschritten."

Am Bahnhof Marktschorgast soll ja der Mittelbahnsteig Gleis 2 rückgebaut und als Außenbahnsteig neu errichtet werden. Zusätzlich soll der Bahnsteig Gleis 1 abgebrochen und in nahezu gleicher Lage erneuert und aufgehöht werden. Als Zugang zum Bahnsteig 2 ist eine 6,20 Meter hohe und 2,50 Meter breite Fußgängerüberführung auf einer Länge von 20,60 Metern geplant. Die Überführung soll über dreiläufige Treppenanlagen angeschlossen werden.


Keine feste Zusage

Der barrierefreie Ausbau von Aufzügen soll aber aufgrund der "1000-Reisende-Regelung" nur optional vorgesehen werden. Das Eisenbahn-Bundesamt hat die Marktgemeinde Marktschorgast gebeten, eine Gesamtstellungnahme abzugeben.

Wie der Bürgermeister weiter berichtete, hatte sich die Marktgemeinde an Bundespolitiker gewandt, die Missbilligung für die DB-Planung zum Ausdruck gebracht und auch um Unterstützung gebeten. Darüber hinaus hatte sich Innenminister Herrmann eingeschaltet und ebenso wie der Markt Marktschorgast die Verschlechterung der Stufenfreiheit im Bahnhof Marktschorgast kritisiert.

Herrmann verwies dabei auf eine Grundsatzentscheidung des Bundesministeriums, wonach durch Aus- und Neubauprojekte des "Bedarfsplans Schiene" sich die Stufenfreiheit in kleinen Verkehrsstationen nicht verschlechtern darf.

Zur Verhinderung der geplanten Fußgängerüberführung hat sich eine Marktschorgaster Bürgerinitiative mit 707 Unterschriften an Staatsekretärin Dorothee Bär gewandt. Bürgermeister Hans Tischhöfer verwies weiter auf das Beratungsergebnis des Finanzausschusses, wonach von der Planung der DB Netz AG abzusehen ist: "Es liegt im Interesse der Bahnreisenden, die Zu- beziehungsweise Umsteigevorgänge zu vereinfachen und barrierefrei zu ermöglichen." Die bessere Gestaltung der Bahnhöfe und ihres Umfelds zur Vereinfachung der Umsteigevorgänge entsprecht im Übrigen auch den Vorgaben des Regionalplans Oberfranken-Ost.


Hoffnung keimt auf

Bewegung scheint aber jetzt durch die Herrmann-Forderung auf Beachtung des Verschlechterungsverbots zu entstehen.

Der Bürgermeister gab dazu eine ganz aktuelle Mitteilung von MdB Emmi Zeulner bekannt: "Es freut mich, dass mir heute sowohl der zuständige Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann als auch der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulrich Lange, ihre Unterstützung zugesagt haben. Beide stehen dem geforderten Verschlechterungsverbot positiv gegenüber und werden den Vorgang nun wohlwollend prüfen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir damit auf einem guten Weg sind, um erneut Bewegung in die Diskussion mit der Deutschen Bahn zu bringen und einen barrierefreien Bahnhof in Marktschorgast zu bekommen."