Er war für viele Wirte der letzte Rettungsanker: der Außer-Haus-Verkauf, mit dem die Gaststätten beim ersten Lockdown im Frühjahr wie auch seit dem Teil-Lockdown Anfang November zumindest etwas Umsatz generieren konnten.

Große Betriebe wie die Kommunbräu oder das Neudrossenfelder Bräuwerck sind auf den Zug erst gar nicht aufgesprungen, weil sie - anders als etliche familiengeführte Kneipen - viele Angestellte haben. "Wenn man hohe Lohnkosten hat, besteht keine Aussicht, kostendeckend zu arbeiten", so der Aufsichtsratsvorsitzende der Drossenfelder Bräuwerck AG, Harald Hübner, über die Gründe.

"Laufende Kosten runterfahren"

Von einer Kostendeckung nur träumen konnten auch die Wirte, die es versucht haben, sich zum Jahresbeginn nun aber aus dem To-go-Geschäft zurückziehen. Wie Frank Bauer, der die Thurnauer "Schlossbräu" betreibt. "Wir haben uns entschlossen, den Außer-Haus-Verkauf vorerst zu beenden, um die laufenden Kosten soweit wie möglich runter zu fahren", sagt Bauer, der zuletzt nur etwa ein Zehntel des früheren Umsatzes erwirtschaften konnte.

Vom Staat fühlt er sich wie viele andere Gastronomen im Stich gelassen. Für die Monate November und Dezember war eine Ausgleichszahlung in Höhe von je 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahr versprochen worden. Etliche Wirte hätten noch nicht mal eine Abschlagszahlung für November erhalten, sagt der Kulmbacher Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, Stephan Ertl.

"Kein Cent angekommen"

"Bei mir ist kein Cent angekommen", stellt Frank Bauer fest. "Die 75 Prozent wären ohne Frage eine beträchtliche Summe gewesen. Vielleicht hätten unsere Politiker erst einmal überlegen sollen, bevor sie so große Versprechungen machen, die sie offenbar nun doch nicht einhalten können." Dass ein Softwarefehler die Ursache sein soll, wie die Regierung am Montag erklärt hat, mag er nicht glauben.

Bauer, der schon im November fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste, will sich auf keinen Fall mehr auf Versprechungen verlassen. "Ich denke nur noch an mich und meine Familie. Und die Zahlen sagen mir, dass es für uns besser ist, vorübergehend zu schließen, zumal kein Ende des Lockdowns in Sicht ist."

Die Notbremse gezogen

Die Notbremse zieht auch Oliver Weschenfelder vom Kulmbacher "Patchwork", der mit seinem Einnahmen aus dem To-go-Geschäft zuletzt nicht mal die Fixkosten erwirtschaften konnte. Er spricht von einem Umsatzverlust von über 70 Prozent. Er habe Verluste geschrieben, sich 2020 keine Rücklagen bilden können, auch weil Veranstaltungen wie das Bierfest, von dem viele Kulmbacher Wirte lebten, nicht stattgefunden haben. Von den versprochenen staatlichen Geldern habe er bis dato auch nur einen Abschlag für den Monat November bekommen. Da er wegen einer Erkrankung seiner Frau das Geschäft auf sich habe überschreiben müssen und so quasi eine neue Firma gegründet worden sei, könne er für 2021 zudem mit keiner weiteren staatlichen Hilfe rechnen. Alles zusammen habe ihn in seinem Beschluss bekräftigt, eine Pause einzulegen.

Weschenfelder ist all den Stammgästen dankbar, die nach einem Aufruf über Facebook Spenden für das "Patchwork" gesammelt haben. Und er verspricht ihnen. "Wir kommen wieder, keine Frage."

Wann es weitergeht? Eine Frage, die auch Frank Bauer herumtreibt. Es sei die Unsicherheit, die ihm schlaflose Nächte bereite. "Wenn wir wüssten, dass wir im April wieder aufmachen dürften, könnten wir uns darauf einstellen", erklärt der Wirt der "Schlossbräu", der damit rechnet, dass vor Ostern keine Gäste in Wirtshäusern bedient werden dürfen. Ein Geschäft wie vor Corona werde es wohl für lange Zeit nicht mehr geben. "Wir müssen sicherlich mit etlichen Auflagen leben."

"Wir machen wieder auf"

Seinen Gästen, von denen er sich vorerst verabschiedet hat, hinterlässt er folgende Botschaft: "Wie und wann es weiter geht, können wir erst bekanntgeben, wenn unser Staat klare Entscheidungen trifft in Bezug auf die Gastronomie. Eines steht aber fest: Wir machen wieder auf."