Wenn Windräder nicht gegen den Willen der Bürger gebaut, sondern die Menschen an den Projekten beteiligt werden, dann wird die Windkraft auch akzeptiert. Davon ist Wirsbergs Bürgermeister Hermann Anselstetter überzeugt. Und er kann dem Vorsitzenden der bayerischen SPD, Florian Pronold, am Donnerstag gleich drei Beispiele dafür zeigen: die Windräder auf der Sessenreuther Höhe.

Ein Markenzeichen

Das Gemeindeoberhaupt empfindet die Anlagen nicht als störend, im Gegenteil: "Sie sind ein Markenzeichen für den naturnahen Tourismus", so Anselstetter. Weder von den Wirsberger Gästen, noch von den Bewohnern der umliegenden Orte oder aus den benachbarten Gemeinden gebe es Kritik.

Die Windräder seien als Bürgeranlagen errichtet worden.
Das bedeute, dass die 155 Anteilseigner auch bestimmen, was damit geschieht: "Welche Versicherungen abgeschlossen werden, welche Mobilfunkanbieter mit auf die Masten dürfen." Und die Bürger hätten eine Verzinsung ihrer Investitionen von neun Prozent, von den Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde ganz abgesehen. Sogar eine Delegation aus Ost-Timor (Südostasien) wolle sich mit Vertretern des bayerischen Wirtschaftsministeriums die Anlagen anschauen.

Der Bürgermeister zeigte sich froh, dass das "Virus der Verunsicherung und Verunglimpfung der Windenergie" nicht nach Wirsberg übergegriffen habe. Inzwischen finde ja eine regelrechte Hetzjagd auf all diejenigen statt, die für die Windkraft eintreten, bedauerte der Bürgermeister.

Dass die örtliche Wertschöpfung bei der Windenergie zur Berechnung der Gewerbesteuer herangezogen wird, bezeichnete Florian Pronold als beispielhaft. Das sollte auch auf andere Bereiche ausgedehnt werden. Und er wisse, dass die Akzeptanz der Windkraftanlagen größer ist, wenn die Bürger daran beteiligt werden.
Er warnte zudem davor, bei der Energiewende Grafenrheinfeld die Hintertür zu öffnen und bezeichnete die Debatte, zwischen jedem Windrad zwei Kilometer Abstand zu lassen, als unsinnig.

Museum als Touristenmagnet

Es gab aber noch mehr Wirsberger Themen, die Anselstetter dem Landespolitiker mit auf den Weg gab: dass Wirsberg mit einem Museumszentrum für internationale und deutsche Hochzeitskultur den stagnierenden Übernachtungszahlen im Luftkurort entgegenwirken will. Dazu müsse aber erst die Finanzierung gesichert werden.

Aber alle Stellen wie die Oberfrankenstiftung und die Städtebauförderung hätten da schon Unterstützung signalisiert. Zugleich würde mit dem geplanten Kultursaal ein Veranstaltungsort für die Gemeinde geschaffen.

Damit stieß er bei Pronold auf offene Ohren: "Das könnte Wirsberg über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannt machen und ein touristischer Magnet werden."

Nächster Punkt: Zur Asylantenunterbringung, die vor nicht allzulanger Zeit im Ort für Aufregung gesorgt hatte, erklärte Anselstetter: "Die ist hinter den Kulissen immer noch Thema." Er sprach sich für eine dezentrale Unterbringung aus.

Nicht informiert worden

Je 50 Asylsuchende in zwei ehemaligen gastronomischen Einrichtungen - wie sie im Gespräch waren - sei für eine Kommune von Wirsbergs Größe nicht machbar. Zudem sei nie über diese Pläne informiert worden. "Deshalb verstehe ich jetzt die Reaktionen der Menschen in Berlin", erklärte er mit Blick auf die derzeit umstrittene Asylunterkunft in der Bundeshauptstadt.

Letzteres sah Pronold etwas anders: "Das wurde von der NPD genutzt, um Stimmung zu machen."