Auch im Landkreis Kulmbach gab es in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder Feueralarm: Einmal brannte ein Stoppelfeld bei Neufang, einmal ein Waldstück bei Ködnitz oder bei Kupferberg. In Stadtsteinach fing ein Feld nach Mäharbeiten das Brennen an. Wie schätzen Experten die Situation ein, wenn es wie gemeldet weiterhin trocken und warm bleibt? Drohen dann auch Flächenbrände wie in anderen Teilen der Republik.

Die Lage in der Region ist kritisch, aber nicht so gefährlich wie in Regionen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen mit deren Kiefernbeständen, erklärt Matthias Schulze. Er ist Revierförster beim Forstamt Nordhalben und zuständig für den Staatsforst von Neudrossenfeld bis zur Plassenburg. Aber auch bei uns könnten sich Feuer aufgrund der trockenen Witterung leicht ausbreiten und für größeren Schaden sorgen, lautet seinen Einschätzung.

Die Hauptursache für die Feuer sind seiner Überzeugung nach achtlos aus dem Autofenster geworfene Zigaretten. Diese würden die vergrasten, trockenen Böschungen entzünden. "Die Flammen können dann natürlich auf den Wald übergreifen", schließt er nicht aus. Aber auch aus dem Auto oder bei Wanderungen achtlos weggeworfene und zerbrochene Glasflaschen können durch ihre Brennglaswirkung ein Feuer entfachen. Selbst ein achtlos abgestelltes Auto über hohem, trockenem Gras könne einen Brand auslösen.

"Dauerhaft umsichtig sein"

Wie schätzt Schulze die Entwicklungen ein, sollte es trocken und warm bleiben? "Schlimmer kann es kaum werden", sagt er. Schon jetzt herrsche vielerorts eine hohe Stufe bei der Waldbrandgefahr. "Damit muss man leben und dauerhaft umsichtig und vorsichtig sein." Selbst wenn es einen Gewitterregen gebe, würde das nicht ausreichen, um den Boden zu durchfeuchten. "Das meiste fangen die Bäume auf." Für Entspannung würde lediglich eine längere Regenperiode von ein bis zwei Wochen sorgen, die sei aber nicht in Sicht.

Das Thema Brandgefahr ist aber für ihn nicht neu: Denn nicht nur heuer, auch in den vergangenen Jahren habe es immer wieder Waldbrände - teilweise ausgelöst durch Brandstiftung - gegeben, so Schulze abschließend.

Als "äußerst gefährlich" stuft Anja Mörtelbauer, die Stadtsteinacher Revierleiterin, die derzeitige Lage ein - auch wenn in ihrem Revier noch kein Brand aufgetreten ist. Grund sei die verhängnisvolle Kombination aus Wind, Hitze und dürrem Boden.

Das bestätigt Michael Schmidt, Bereichsleiter Forst am Amt für Landwirtschaft und Forsten Coburg-Kulmbach. Zudem seien aufgrund des Borkenkäferbefalls viele Kahlflächen entstanden, die die Situation verschärfen.

Kühlender Einfluss des Waldes

"Der Wald hat einen kühlenden Einfluss auf das Mikroklima", erklärt Schmidt. "Bäume verdunsten sehr viel Wasser, was wiederum zu einer Senkung der Temperatur führt. Genauso wie das Schwitzen bei uns Menschen. Wo aber kein Wald mehr ist oder die Verdunstung aufgrund des fehlenden Wassers stark eingeschränkt ist, geht die Kühlfunktion zurück. Die Hitze verstärkt sich."

Nach Informationen des Amtes liege die Niederschlagsmenge in den Monaten Mai bis Juli 25 bis 45 Prozent unter dem normalen Mittel. Dazu kämen 25 Prozent mehr Sonnenstunden als üblich, was für eine zusätzliche Belastung sorge - alles gemessen an einer Station in Rugendorf. Das und eine um 1,7 Grad höhere Temperatur sorgten letztlich dafür, dass alles trockener und anfälliger für Funkenflug ist.

Ein Funkenschlag genügt

Dem Maschinenring Kulmbach zufolge kann jederzeit ein Funkenschlag entstehen, etwa wenn Steine im Feld oder auch Metallteile am Boden in Kontakt mit den rotierenden Messern des Mähdreschers kommen. Aufgrund des trockenen Untergrunds reicht oft ein Funke aus. Bei Ballenpressen sei es ähnlich, dass durch Reibung derart buchstäblich brenzligen Situationen entstehen.

Im Mähdrescher ist der Durchfluss von Getreide und trockenem Stroh sehr hoch, was letztlich bedeutet: Die Maschine kann "von innen heraus" brennen. Hier entsteht teilweise eine Verpuffung, eine Art Mini-Explosion. Durch die Menge des brennbaren trockenen Materials kann sich ein solcher Brand schnell ausbreiten - da richtet der Maschinist auch mit dem mitgeführten Feuerlöscher nicht mehr viel aus, zumal die Hitze schnell unerträglich wird, wenn man nicht über entsprechende Schutzkleidung verfügt.

Böse Erinnerung an Römersreuth

Es waren nahezu exakt gleiche Bedingungen wie derzeit: Wochenlang kaum Regen, dazu Temperaturen jenseits der 30 Grad und staubtrockene Böden. Es war der 25. Juli 2019, als sich eine Feuerwalze auf den kleinen Ort Römersreuth zubewegte. 500 Einsatzkräfte kämpften fast 19 Stunden gegen die Flammenwand. Auslöser war der Flächenbrand auf einem Acker, der auf den benachbarten und - wie das Feld - zundertrockenen Wald übergriff. Der Brand war laut Ermittlungen bei Maschinenarbeiten ausgebrochen.

Landrat Klaus Peter Söllner stand am Tag danach beim Pressegespräch das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. "Wir sind wirklich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt." Die Feuerwalze hatte demnach gerade einmal 20 Meter vor einem einzelnen Gehöft Halt gemacht, auch weil der Wind plötzlich gedreht hatte. "Unser Herrgott war mit uns. Denn anders wäre die Schutzlinie zum bebauten Gebiet wohl schwer zu halten gewesen - trotz aller Professionalität und bewundernswerten Einsatzbereitschaft der Helfer." Dann wäre man um eine Evakuierung der Einwohner nicht herumgekommen.

Die Lage vor Ort stellte sich für die Feuerwehren an jenem Donnerstagnachmittag schwierig dar, wie der damalige Kreisbrandrat und Einsatzleiter Stefan Härtlein erläuterte. Dazu hätten zum einen das Ausmaß und die Intensität des Feuers auf besagter Acker- und Waldfläche von insgesamt 15 Hektar beigetragen, aber auch die komplizierten Bedingungen, auf der Anhöhe genügend Löschwasser heranzuschaffen.

380 Kräfte hatte allein die Feuerwehrleitung zu koordinieren, weitere 85 stellte das BRK; das THW war mit 35 Helfern vor Ort. Dazu kam, den helfenden Bauern mit ihren großen Gefährten genügend Freiraum für die An- und Abfahrt zu gewährleisten. Einer der Landwirte hatte, so Härtlein, mit Raupe und Radlader versucht, bereits den Brand einzudämmen.

Die Wehren legten Schlauchleitungen nach Braunersreuth und Presseck auf einer Gesamtlänge von viereinhalb Kilometern. Sieben Tanklöschfahrzeuge wechselten sich im ständigen Pendelverkehr ab.