Säckeweise hat Monika Vießmann-Kreul den Müll nach Hause geschleppt und entsorgt. Nicht zum ersten Mal. Immer wieder verwandelt sich das Umfeld einer Ruhebank im Gründla in Kulmbach in einen regelrechten Saustall. Flaschen, Fastfood-Verpackung, Becher, Kronenkorken - und hin und wieder manche ganz unappetitliche menschliche Hinterlassenschaften. Sogar einen kompletten Grill hat jemand einmal dort entsorgt.

"Ich habe gar nichts dagegen, dass junge Leute dort feiern", sagt Monika Vießmann-Kreul der Bayerischen Rundschau. "Wir haben früher doch auch gefeiert. Aber wir haben unseren Müll auch wieder mit heim genommen."

Selbst anpacken

Für die Verursacher des Drecks im Gründla ist das offensichtlich nicht selbstverständlich. "Wir haben die jungen Leute schon öfter angesprochen. Sie haben uns versprochen, dass sie ihren Müll wieder mitnehmen. Aber getan haben sie es nicht."

Für die Kulmbacherin und ihre Freunde heißt es deshalb immer wieder: selbst anpacken. Liegenlassen mag sie die Abfälle nicht. Vieles davon sei eine Gefahr für Wildtiere. Insbesondere die Scherben von Flaschen, die auch einmal im Bach landen, ärgern sie.

Sie berichtet davon, dass in dem Gebiet Rehgeißen unterwegs seien, die Kitze führen und gemeinsam mit den Jungtieren den Bach durchqueren. Ihre Familie hält Schafe, die sie auch schon auf dem Weg von einer zur anderen Weidefläche durch den Bach getrieben haben. "Die Tiere können sich an den Scherben verletzten. Das muss doch nicht sein."

Noch ist es Monika Vießmann-Kreul und ihren Freunden möglich, den Abfall in Eigeninitiative zu entsorgen. Im stillgelegten Kieswerk in Mainleus wäre das nicht mehr machbar: Es einfach zu viel, was da herumliegt. Dort hat sich im Laufe der Monate eine regelrechte wilde Müllkippe entwickelt.

Wütend mache ihn das, sagt Felix Krebs. Der junge Mann wohnt in der Nähe, hat auch schon die Polizei verständigt, wenn wieder einmal Abfall illegal dort entsorgt wurde. Bauschutt, Elektrogeräte, Glasscheiben, Autoreifen - "die fahren mit dem Auto hin, schmeißen das raus und sind wieder fort". Überall auf dem Gelände fänden sich solche Müllhaufen, sagt Felix Krebs, der gemeinsam mit seiner Freundin Maria Braun mit Fotos dokumentiert hat, was sich dort so ansammelt.

Gängige Praxis?

Das Gelände liegt brach. Kies wird dort schon länger nicht mehr gefördert, und von den Inhabern, der Firma Mühlherr aus Sonneberg, ist auch selten jemand vor Ort. Dieter Förtsch, der uns als Ansprechpartner genannt worden war, fühlt sich für den Dreck nicht zuständig. Dass solche verlassenen Kiesgruppen als Mülldeponie missbraucht werden, sei überall gängige Praxis, sagt er uns. Wer den Dreck dann beseitige? Er fühle sich nicht zuständig, sagt uns Förtsch. "Das ist Sache der öffentlichen Hand."

Es handelt sich hier nicht um Einzelfälle. Zumindest kommt es immer öfter vor, dass Menschen ihre Abfälle illegal irgendwo entsorgen. Das sagt das Kulmbacher Landratsamt. Seit etwa einem Jahr sei, was das betrifft, ein Anstieg zu beobachten, heißt es aus der Pressestelle. "Es wird mehr Bauschutt, Sperrmüll und so weiter in der Natur abgeladen als noch vor einem Jahr."

Wir haben uns vom Landratsamt erklären lassen, wer für diese wilden Müllkippen zuständig ist und wer für die Kosten der Beseitigung der Abfälle aufkommen muss.

Wer muss für die Beseitigung des Mülls sorgen?

Der Eigentümer der Fläche. Auch im Falle des Kieswerks Mainleus. Nachdem ein Anwohner den Fall im Mai bei der Polizei angezeigt hat, hat das Landratsamt den Grundstückseigentümer kontaktiert und ihn aufgefordert, den Abfall zu entsorgen.

Wer bezahlt das?

Wird trotz aller Bemühungen kein Verursacher gefunden, zahlt die Entsorgung die öffentliche Hand, in dem Fall also der Landkreis. Das bedeutet nichts anderes als: Die Kosten trägt letztlich die Allgemeinheit.

Was passiert, wenn der Eigentümer der Fläche nicht handelt?

Das Landratsamt versichert, dass man in solchen Fällen im regelmäßigen Austausch mit dem Grundstückeigentümer und der Polizei nach einer praktikablen Lösung suche. Hierzu zählt auch die Abwicklung der Kosten. Das müsse allerdings je nach Sachlage "individuell bewertet" werden.

Manchmal liefert der Müll Hinweise auf den Verursacher. Adressetiketten auf alten Versandkartons zum Beispiel können verräterisch sein. Wenn der Verursacher ermittelt werden kann: Welche Sanktionen drohen ihm?

Es wird in jedem Fall ein entsprechendes Bußgeld erhoben. Das jeweilige Bußgeld richtet sich dabei nach Art und Menge und orientiert sich an einem Bußgeldkatalog "Umweltschutz". Bei Ablagerungen, die Menschen, Tiere oder die Umwelt gefährden, kann unter Umständen auch ein Strafverfahren eingeleitet werden. Zudem muss der Verursacher für die Entsorgung bezahlen.

Was sollte man tun, wenn man selbst eine solche wilde Müllablagerung entdeckt?

Das Behörde empfiehlt, die Information an das Landratsamt (Tel. 09221/707-0, mail: poststelle@landkreis-kulmbach.de) weiterzugeben. Wichtig ist dabei, möglichst die genaue Lage anzugeben. Auch sollte man die eigenen Kontaktdaten (Name und Telefonnummer) für eventuelle Rückfragen hinterlassen.