Als Pfarrer Michał Osak 2006 nach Deutschland gekommen ist, war er in der Nähe von Münster tätig. Und von dort aus unternahm er einen Ausflug nach Amsterdam. Einen Ausflug, dessen Nachwirkungen noch heute in seinem Leben eine Rolle spielen.

"Ich verbinde die Zuckerlöffel mit vielen Geschichten und Erinnerungen", sagt der Pfarrer, der inzwischen 300 Exemplare dieses "Handwerkszeugs" besitzt. So hat er beispielsweise von einer Reise nach Hongkong alle Fotos verloren - doch die Zuckerlöffel aus Macau und Hongkong besitzt er noch.

Meistens wird Osak an den Bahnhöfen oder in Andenkenläden fündig, manchmal auch in Antiquitätenläden oder auf Flohmärkten. Viele der kleinen Löffelchen habe kuriose Reisen hinter sich. So hat der polnische Pfarrer einmal in England eine Vertretung übernommen. Er war für Southend und Ipswitch zuständig.
"Ich hatte zwischen den Gottesdiensten zwei Stunden Zeit und war auf dem Flohmarkt. Und dort habe ich einen Verkäufer getroffen, der hatte so viele Zuckerlöffel aus der halben Welt, dass ich die Zeit vergessen habe. Ich hätte fast den Gottesdienst versäumt", amüsiert sich Osak noch heute über seine Faszination.

Vergoldetes Königshaus

Überhaupt sei England ein gutes Pflaster für seine Leidenschaft. Osak zeigt ein besonders prächtiges Set vergoldeter Zuckerlöffel: Darauf prangen die Insignien des englischen Königshauses - und natürlich sind die englischen Löffel mit 22-karätigem Gold vergoldet.

"Manche Bekannte haben schon gesagt, ich soll mir ein anderes Hobby suchen, weil es oft nicht so einfach ist, Zuckerlöffel zu finden. Aber gerade die, die schwer zu finden sind, sind besonders wertvoll", erzählt Osak und weiß es zu schätzen, wenn sich jemand die Mühe macht und wochenlang nach einem Zuckerlöffel für ihn sucht.
Auch zu seinem Einstand in Ludwigschorgast hat Pfarrer Michał Osak von seinem evangelischen Pfarrkollegen Wolfgang Oertel einen Zuckerlöffel geschenkt bekommen: aus Holz aus Tansania. Und auch aus Bad Berneck und aus Franken hat er schon Zuckerlöffel.

Viele seiner Schmuckstücke hat der Ludwigschorgaster Pfarrer unter der Glasplatte seines Couchtisches liegen. Aber irgend wann möchte er einmal eine richtig große Vitrine anschaffen, wo er alle Exponate ausstellen kann. Momentan wechselt er die Kollektion immer mal wieder - , von Zeit zu Zeit.

Kirchliche Motive dürfen nicht fehlen

In seiner Sammlung hat Michał Osak natürlich auch viele kirchliche Motive: Heilige, die oben auf dem Löffel thronen, oder Marienbildnisse. Eine besonders nette Erinnerung hat er an den verzierten Zuckerlöffel aus Krakau mit dem Waweldrachen, der an die Krakauer Legende vom Drachen erinnert, der schließlich durch die List eines Schusterjungens besiegt werden konnte.

Der Ludwigschorgaster zeigt Zuckerlöffel mit Tauf- und Kommunionmotiven. Er hat einen goldenen Zuckerlöffel, auf dem das Bildnis vom lächelnden Papst Benedikt zu sehen ist.

Auch für die Weihnachtskrippe hat er Ersatz

Seine absoluten Lieblingszuckerlöffel schlummern derzeit im Schrank: Denn sie sind mit figürlichen Darstellungen der Weihnachtsgeschichte verziert. "Ich hatte Mal Weihnachten Besuch von einer Familie mit Kindern, da haben wir hinterm Sofa die Weihnachtsgeschichte mit diesen Zuckerlöffel nachgespielt", erzählt Michał Osak und kann heute noch darüber lachen. Er ist mit Sicherheit der einzige Pfarrer im gesamten Landkreis, der anstelle einer Krippe jedes Jahr in der Adventszeit die Weihnachtszuckerlöffel unter den Baum legt. In drei Monaten ist es schon wieder so weit...