Die Diakonissen sind weg. Das Haus Ruth und das Feierabendhaus auf dem Gelände gegenüber des neuen Edeka-Marktes stehen fast völlig leer. Nur der Kinderhort bringt noch Leben in das Gebäude.

Der Besitzer des Ensembles, der Diakonieverband Hensoltshöhe, möchte das Anwesen nach wie vor verkaufen - gerne an die Gemeinde Neuenmarkt. Auch wenn vor einem Jahr weit gediehene Kaufverhandlungen nicht zum Abschluss führten. Damals war die Transaktion zum Politikum geworden und gescheitert.

"Auf unserer Seite gibt es trotz des Rückziehers kein böses Blut", betont Frank Mikolajczak. Er ist Leiter Immobilien und Liegenschaften im Diakonissenmutterhaus Hensoltshöhe, das seinen Sitz in Gunzenhausen hat. Das Gegenteil sei sogar der Fall: "Wir würden uns freuen, wenn die Gemeinde alles kaufen würde." Alles, das sind das Feierabendhaus mit dem Haus Ruth auf rund 20 000 Quadratmeter Grund.
Etwa die Hälfte davon ist bebaut, ein Teil des Geländes allerdings schon verkauft.

Der Hort kann bleiben

Um den Hort braucht man sich nach den Worten des Immobilien-Leiters keine Sorgen zu machen. "Das ist ein bewährter Mieter, der weiter bleiben kann." Man habe eine sehr gute Verbindung.

Frank Mikolajczak schloss kategorisch aus, den Standort seitens des Diakonissenmutterhauses wieder aufleben zu lassen. Das sei nicht mehr geplant. "Wir werden jetzt anfangen, die Möbel auszuräumen, damit das Gebäude leer wird."

Einen Interessenten für einen Teil des Geländes gibt es bereits: den Awo-Kreisverband Kulmbach. Kreisvorsitzender Oskar Schmidt erklärt den Hintergrund: "Wir sind in unserem angrenzenden Seniorenpark Rosengarten voll ausgelastet, es gibt sogar eine Warteliste. Wir können die Nachfrage auf dem jetzigen Grundstück nicht mehr bewältigen", stellt er fest.

Für ihn gibt es nur eine Möglichkeit, das Gelände des Rosengartens zu erweitern: auf dem Grundstück, auf dem das Haus Ruth steht. Sollte die Gemeinde das Areal erwerben, würde die Awo rund 4000 Quadratmetern davon wieder abkaufen. Entsprechendes Interesse habe die Arbeiterwohlfahrt bei der Kommune bereits bekundet.

Andere Optionen sieht Schmidt nicht: "Wenn das Grundstück erst einmal verkauft ist, dann haben wir in Zukunft keine Möglichkeit mehr, dort etwas zu machen." Dass die Awo das ganze Ensemble erwirbt, sei nicht möglich: "Dazu sind wir finanziell nicht in der Lage."

Bürgermeister Siegfried Decker (SPD-Offene Liste) freuen die Erweiterungspläne der Awo Kulmbach. "Die 100-prozentige Auslastung zeigt, dass die Bewohner mit dem Angebot der Awo sehr zufrieden sind."

Er erinnert an die gescheiterten Verhandlungen vor einem Jahr: "Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre die Gemeinde jetzt Eigentümer des Grundstücks. Ich hatte mit dem Diakonieverband Hensoltshöhe bereits einen notariellen Kaufvertrag abgeschlossen. Der Gemeinderat hat jedoch die Genehmigung versagt."

Dabei sei damals schon bekannt gewesen, dass der Rosengarten eine beliebte Senioreneinrichtung ist und dass die Awo nur in Richtung Diakonie erweitern kann. "Wären wir Eigentümer, könnten wir jetzt der Awo die notwendige Grundstücksfläche für einen geplanten Anbau verkaufen." Auch die Ausweisung eines Wohnbaugebietes wäre auf dem Grundstück ohne weiteres möglich gewesen.

Decker: "Aus heutiger Sicht muss ich leider sagen, dass ich Recht behalten habe. Ich hoffe, dass wir der Awo bei der Verwirklichung ihrer Anbaupläne doch noch behilflich sein können."

Nach BR-Informationen hat der Gemeinderat Decker in nicht öffentlicher Sitzung einstimmig beauftragt, mit der Awo Gespräche zu führen.