Am Montagnachmittag strahlte noch die Sonne am Bahnübergang Mühlweg in Rothwind (Foto), am Abend zogen in der Sondersitzung des Gemeinderats dunkle Wolken auf. Einem Anwohner platzte zum Ende der Zusammenkunft der Kragen, er verließ schimpfend die neue Turnhalle.

"Das ist ein Witz, was hier beschlossen wird", wetterte Hans Somieski - wohl auch mit Blick auf die Grundsatzentscheidung vor einigen Wochen, die Umgehung zu bauen. Ziel seines Grolls war vor allem CSU-Mann Manfred Stark. Dem warf er vor, ein "Windrädla" zu sein. Auch Ralf Oertel, ebenfalls ein Anlieger, war mit der Entscheidung des Gemeinderats nicht einverstanden: "Ihr wollt Bauern sein und genehmigt eine Straße."

Was war passiert? Der Gemeinderat hatte sich am Montagabend zu einer Sondersitzung getroffen. Grund war erneut die geplante Umgehung von Mainroth/Rothwind-Fassoldshof, deren Bau vor wenigen Wochen beschlossen worden war.

Das Gremium traf sich zu dieser außerordentlichen Zusammenkunft aufgrund eines Antrags, den Detlef Weißmann, Jürgen Karg, Andrea Pfadenhauer-Wagner, Michael Marx (alle SPD), Sebastian Türk, Manfred Stark (CSU), Erich Schiffelholz und Brigitte Lauterbach (ABL) eingereicht hatten.

Detlef Weißmann erläuterte den Hintergrund: "Die Anwohner vom Mühlweg sind bekanntlich sehr beeinträchtigt, wenn unmittelbar vor deren Anwesen die neue B 289 und eine zehn Meter hohe Überführung über die Bahn gebaut werden."

Zudem würden insbesondere die Landwirte aus Mainroth fordern, dass der 2003 geschlossene Bahnübergang Mainroth Ost in Verlängerung der Sandgasse (die Straße parallel zum Materiallager der Baufirma Göhl) als neue Überführung für den landwirtschaftlichen Verkehr wieder geöffnet wird .

Um beides zu vereinen, schlug Weißmann vor, von der jetzigen B 289 auf Höhe der Landkreisgrenze zu Lichtenfels eine neue Gemeindeverbindungsstraße zu bauen - mit einer Überführung der Bahnlinie und der neuen B 289 ins Maintal bis zur Anbindung nach Witzmannsberg (siehe Grafik).

"Mit dieser Lösung könnte die geplante Überführung vom Mühlweg in Rothwind nach Witzmannsberg ersatzlos gestrichen werden - und man bräuchte keine neue Brücke in Verlängerung der Sandgasse zu bauen", erklärte er. Beide Orte hätten etwa 500 Meter Anfahrt, "das ist für alle zumutbar". Die alte Straße nach Witzmannsberg könnte zurückgebaut werden.

Die Resonanz auf den Vorschlag war durchwachsen.

Siegfried Escher (CSU) sagte: "Das klingt schon logisch und interessant. Aber bei der Bürgerversammlung hat das Straßenbauamt klar gesagt: Wenn an der Planung was geändert wird, werde die nächsten zehn bis 15 Jahre nichts passieren."

Darauf antwortete Weißmann, dass man bis 2. Dezember die Möglichkeit habe, Vorschläge einzureichen. Inwieweit diese umgesetzt werden, sei eine andere Frage.

Dieses Vorgehen hielt auch Markus Oppelt (FW) für sinnvoll. "Damit haben wir die Möglichkeit, das mit dem Bauamt zu besprechen und das Für und Wider zu hören. Wir vergeben uns doch nichts."

Manfred Stark (CSU) sagte, er habe gehört, dass in Mainroth der Übergang Sandgasse nicht mehr gewollt sei. "Und wenn das so ist, wird dem Vorschlag die Entscheidungsgrundlage entzogen."

Wie die Mainrother die Sache sehen, das wusste an diesem Abend aber niemand zu sagen.

Kritik am Flächenverbrauch

Für Norbert Erhardt (CSU) kam als Landwirt die Umplanung ohnehin nicht in Frage: "Da wird wieder viel Fläche verbraucht." Und er stellte die Frage: "Warum kommen wir auf so eine Idee und nicht die Planer?"

Den Flächenverbrauch bemängelte auch Steffen Hühnlein (CSU): "Ich habe zwar Verständnis für die zwei Familien im Mühlweg, die bekommen eine Monsterbrücke vors Haus. Aber durch den neuen Vorschlag gehen wieder x Hektar verloren."

Brigitte Lauterbach (ABL) sah das anders: So könnte die Beeinträchtigung für die Anwohner des Mühlwegs vermindert werden. Natürlich dürfe die Gesamt-Planung nicht an dem Vorschlag scheitern.

Auf die Frage von Hannelore Lindner (FW) nach den Kosten für den Bau der möglichen neuen Gemeindestraße Richtung Witzmannsberg konnte Bürgermeister Robert Bosch (CSU) nur einen Anhaltspunkt geben: Für die 1,2 Kilometer nach Heinersreuth waren zwei Millionen Euro fällig, hier rede man von 800 Metern.

Christian Schneider (CSU) befürchtet, dass der Vorschlag neue Prüfungen nach sich ziehen und den Bau der Umgehung um Jahre verzögern würde.

Von einem "tollen und perfekten Plan" des Straßenbauamts sprach Otto Zitzelsberger (FDP), der an dem ursprünglichen Vorgehen festhalten will. Der neue Vorschlag sei gut gemeint, hätte aber nur Mehrkosten und Flächenverbrauch zur Folge.

In den Augen von Bürgermeister Robert Bosch ist es für die Entwicklung von Rothwind nicht gut, wenn die bestehende Verbindung zum Maintal und zum Radweg abgekoppelt wird, erklärte er.

Abstimmung 10:8

Letztlich stimmte der Rat mit 10:8 einem Vorschlag von Markus Oppelt zu, dass der Antrag an das Straßenbauamt nur unter der Bedingung zum Tragen kommt, dass die Stadt Burgkunstadt ihrerseits ein solches Brückenbauwerk östlich von Mainroth wünscht und den Antrag auch fristgerecht einreicht.

Dagegen stimmten der Großteil der CSU und FDP-Mann Zitzelsberger.

Am Tag nach der Sitzung war das Ergebnis der Abstimmung auch schon bei den Nachbarn in Burgkunstadt bekannt. Die Umgehung verläuft auch auf deren Gebiet (Mainroth befindet sich auf Burgkunstadter Seite im Landkreis Lichtenfels, Rothwind und Fassoldshof gehören zur Gemeinde Mainleus im Kreis Kulmbach).

Die Stadt Burgkunstadt könnte sich möglicherweise dem Mainleuser Vorschlag anschließen, im Zuge des Umgehungsstraßenbaus einen gemeinsamen Übergang über die Bahn zwischen Mainroth und Rothwind zu schaffen.

"Wir bemühen uns bei der Regierung darum, die Eingabefrist zu verlängern, damit wir die Thematik noch in unserer nächsten Stadtratssitzung besprechen und gegebenenfalls eine Eingabe nachreichen können", erklärte am Dienstag Burgkunstadts Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU).

Die Eingabefrist bei der Regierung endet eigentlich am Mittwoch, 2. Dezember. Die nächste Sitzung des Burgkunstadter Stadtrats findet aber erst in der nächsten Woche am 8. Dezember statt.

Von Burgkunstadter Seite gibt es derzeit vier Vorschläge, wie die Bürger von Mainroth - vor allem die Landwirte - auf die Mainwiesen gelangen können, wenn die neue Umgehung gebaut ist. Wie die aussehen, das erklärt Bauamtsleiter Hilmar Fuß.

1. Die bevorzugte Lösung wäre der Bahnübergang bei Mainroth West gewesen. Doch der wird von der Bahn geschlossen und fällt damit weg.

2. Eine Möglichkeit wäre, bei der geplante Brücke Mainroth West eine separate Zu- und Abfahrt für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu bauen. Die Lösung hätte aber den Nachteil, dass dazu die Bauern zunächst auf die Umgehung fahren müssten, um zur Abfahrt zu kommen. "Das ist wegen des langsamen Tempos der landwirtschaftlichen Fahrzeuge nicht optimal."

3. Eine weitere Alternative wäre es, den früheren Bahnübergang in der Sandgasse (die Straße parallel zum Lager der Firma Göhl) wieder zu öffnen.

4. Nicht wirklich gewünscht ist die vierte Möglichkeit: eine Unterführung bei der Ortsstraße Horlache. Denn die Horlache ist sehr eng, dort würden sich auf engstem Raum Anwohner und landwirtschaftlicher Verkehr, Fußgänger und Radfahrer begegnen.

Laut Hilmar Fuß würden alle diese Vorschläge hinfällig werden, sollten sich beide Kommunen auf den Mainleuser Vorschlag verständigen, eine gemeinsame Überführung an der Landkreisgrenze zu schaffen. Vorteil sei, dass dann nur ein Brückenbauwerk notwendig ist. "Wenn ein gemeinsamer Nenner gefunden wird, kann man das vielleicht tatsächlich umsetzen. Dann wären unsere vier Vorschläge hinfällig."

Der Bauamtsleiter ging am Dienstag davon aus, dass sich der Stadtrat durchaus der Mainleuser Lösung anschließen könnte.

Welche Auswirkungen das dann aber auf die Planungen hat, ob es gar eines neuen Planfeststellungsverfahrens bedarf, das konnte er nicht sagen. "Die Regierung leitet unsere Entscheidung dann an das Staatliche Bauamt weiter."