Sie heißen Birgit, Tanja, Anja, Alma und Alexandra. Was sie verbindet? Sie alle haben eine Brustkrebserkrankung durchgestanden, doch nicht jede hat das Erlebte auf gleiche Weise verarbeitet. Dies machte im Brustkrebsmonat Oktober eine Veranstaltung der Brustkrebs-Selbsthilfegruppe Kulmbach am Samstag deutlich.

Fotoshooting

Silke Kress, Leiterin der Selbsthilfegruppe und selbst zwei Mal an Brustkrebs erkrankt, hat mit den Frauen im Sommer 2019 ein Fotoshooting in der Turbinenhalle der Alten Spinnerei organisiert und sie ermuntert, ihre Geschichten aufzuschreiben. Entstanden ist ein einfühlsamer Text- und Bildband mit dem Titel "Dem Leben entgegen", der nicht nur tiefe Einblicke bietet, sondern auch Mut machen soll.

"Es ist nicht nur für uns selbst wichtig, über unsere Empfindungen und Erfahrungen zu erzählen", erklärte Silke Kress. Dies sei auch eminent wichtig, um Energiepotenzial für die Selbstheilung nicht zu blockieren. "Unsere Gedanken sind aber auch wichtig für unser Umfeld und für das medizinische Personal."

Mit an Bord des Projekts war Fotografin Karin Dietzel, die in ihren Fotografien keine hindrapierte Schönheit, sondern natürliche Schönheit zeigen will. "Es war eine sehr emotionale Sache für mich." Die Frauen hätten so viel Stärke, Mut und Dankbarkeit an den Tag gelegt und der Fotografin großes Vertrauen geschenkt.

Zu Recht, denn entstanden sind Porträts, die Frauen "in ihrer Pracht und Schönheit" zeigen, wie es der Zweite Bürgermeister Frank Wilzok bei der Buchvorstellung in der Turbinenhalle ausdrückte. Und Christina Kempkes von Pink Ribbon Deutschland, die eigens aus München angereist war, lobte: "Die Fotos sind unglaublich gut gelungen, man erkennt die einzelnen Persönlichkeiten, es sind echte Fotos."

Doch genau darum geht es den Initiatorinnen und den Teilnehmerinnen der Selbsthilfegruppe: um das Bekanntmachen und das Stärken des Bewusstseins.

Unter Dauerstrom

"Die Selbsthilfegruppe hat mir viel gegeben", findet Tanja, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die während ihrer Erkrankung fünf und sieben Jahre alt waren. "Nach meiner Diagnose war ich erst einmal mit Organisation und Finanzen beschäftigt", erzählt die 41-Jährige. Die Diagnose erhielt sie am Telefon. "Alles hatte sich in meinem Leben gerade gefügt, und jetzt sollte ich sterben?"

Für die 46-jährige Alma war die Chemotherapie das Schlimmste: "Ich kannte das schon von meiner Mutter, die ebenfalls an Brustkrebs erkrankt war." Ihr habe geholfen, dass ihre Freunde und Arbeitskollegen sie weiter einbanden, sie hätten ihr das Gefühl gegeben, noch dazuzugehören. "Vor meiner Erkrankung stand ich unter Dauerstrom, dann wurde ich ausgebremst." Heute läuft sie viel in der Natur und nimmt sie viel bewusster wahr.

Auch Alexandras Leben hat sich gewandelt, sie hat sogar ihren Beruf aufgegeben. "Das konnte ich mir vorher nie vorstellen", sagt die ehemalige selbstständige Immobilienmaklerin (52). Dank einer Berufsunfähigkeitsversicherung konnte sie in Ruhe genesen, dennoch ist sie aufgrund eines sogenannten Fatigue-Syndroms zu 90 Prozent berufsunfähig. Ihr Fitnesstraining sechs Mal pro Woche kostet sie große Anstrengung. Ungewöhnlich für jemanden, der sich zuvor auf die Teilnahme an einem Spartan-Rennen vorbereitete: "Mein Fitnesslevel ist wie bei einem Anfänger."

Ganz anders geht Anja mit ihrer Erkrankung um. "Ich wollte das anfangs nicht wahrhaben, das muss eine Verwechslung sein", zitierte sie aus ihrem Buchbeitrag. Sie könne keine dieser blauen Infobroschüren mehr sehen, habe aber ihren Humor nicht verloren.

Der Gedanke, dass alles gut werde, hat die 53-jährige Birgit aufrecht gehalten. "Dieses Lebensmotto hat mir schon immer in schwierigen Situationen geholfen, man darf die Hoffnung nicht verlieren."

Regelmäßig abtasten

Damit viele Frauen überhaupt nicht erst in die Lage kommen müssen, aufgrund einer Brustkrebserkrankung die Hoffnung zu verlieren, empfehlen die betroffenen Frauen, einmal monatlich die eigene Brust abzutasten. Doch wie merkt man eigentlich, ob man einen Knoten in der Brust hat - gleich ob gut- oder bösartig? Dafür gibt es Expertinnen wie Sabrina Zollo aus Nürnberg. Sie ist eine Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU), ausgebildet von der Organisation "Discovering Hands", und die notwendige Voraussetzung für diesen Beruf ist es, blind oder sehbehindert zu sein. "Wir haben nämlich viel bessere Finger als die meisten Sehenden", erklärte Sabrina Zollo.

Sie selbst erlitt eine Spät-Erblindung; die neue Aufgabe hilft auch ihr, in ihrer eigenen Erkrankung etwas Positives zu sehen.

Anhand von Brustimitaten erklärte sie am Samstag den Interessierten, wie man eine Brust abtastet, wie man Verknotungen erkennt und welche sonstigen Warnsignale es gibt. "Ein böser Tumor fühlt sich wie eine Linse oder Erbse an, ins Gewebe gebacken, und er lässt sich nicht verschieben", sagte sie. Auch Orangenhaut an der Brust oder eine eingezogene Brustwarze seien Hinweise auf eine ernste Erkrankung. Je dichter jedoch das Brustgewebe sei, desto schwieriger sei es, eine Veränderung zu ertasten.

Eine MTU mache daher nicht nur selbst Untersuchungen, sondern sie zeige auch Patientinnen, wie sie selbst ihren Brustbereich abtasten können. "Leider gibt es im Kreis Kulmbach noch keine solche MTU-Stelle, aber wer sich für diese Ausbildung interessiert, soll sich bei Discovering Hands melden", sagte Ausbilderin Anna-Lena Kühn. Informationen gibt es unter www.discovering-hands.de.