Das TiK (Theater in der Kneipe und Kirche) geht mit dem Stück "Der Fall Luther" in diesem Jahr deutschlandweit "on tour". Am vergangenen Freitag gastierte die Truppe in Neu-Ulm, am 12. Mai in Berlin-Spandau. Es folgen in diesem Jahr noch weitere sechs Termine, wobei der letzte am 31. Oktober 2017 mit einer Überraschung verbunden ist. Mehr wollte Macher und Regisseur Jürgen Peter noch nicht verraten.

Premiere feierte das TiK am 30. Oktober 2005 in der Trebgaster Kirche. Es folgten Auftritte vorwiegend in Oberfranken und Mittelfranken. Das TiK war auch in Schwaben, dem Saarland, in Baden-Württemberg und Thüringen unterwegs.

Im "Fall Luther" von Karlheinz Komm soll durch eine Gerichtsverhandlung und durch szenische Rückblenden geklärt werden, ob der Reformator durch seine Worte und Schriften den Aufstand der Bauern mit initiiert hat.
Jürgen Peter kam durch Karlheinz Komm auf die Idee, aus dem erfolgreichen "Theater in der Kneipe" auch ein "Theater in der Kirche" zu machen. "Damals war mir klar, dass die Kirche ein Spielort ist, der nicht so gängig ist. Ich sagte dann zu meinen Leuten, lasst uns das einmal probieren." Die Abkürzung Tik passte ja auch: Theater in der Kirche.

Mit dem Luther-Jahr, das heuer groß gefeiert wird, kamen natürlich viele Anfragen. Jürgen Peter: "Wir sollten das Stück sogar in Eisenach spielen, doch wir bekamen dann eine Absage mit dem Hinweis: Ach so, sie sind Amateure, wir wollten eigentlich eine Profibühne haben."

Nach Neu-Ulm und Berlin in der "Zitadelle" in Spandau sind weitere Aufführungen in Weimar (22. Juli), in Betzenstein (13. Oktober), wo der frühere Pfarrer von Neuenmarkt, Ulrich Böhm, jetzt tätig ist, in Stuhr bei Bremen (21. Oktober), in Gesees (28. Oktober), in Markt Einersheim (29. Oktober) und eben am 31. Oktober 2017 mit einer Überraschung an einem Ort im Landkreis Kulmbach fest terminiert.

Das Engagement in Stuhr kam über das Internet zustande. Jürgen Peter: "Wir sagten im ersten Moment nein, weil es ja doch über 600 Kilometer sind." Dann habe man sich aber gefreut, dass man trotz starker Konkurrenz angefragt wurde.

Den Luther und den Cajetan spielen seit Jahren Michael Lehner und Sven Larch, der in Leipheim zu Hause und fast bei jeder Vorstellung dabei ist. Sven ist ein Urgestein im Tik und hat das Theater mit begründet.

Natürlich kommt es in dem Laien-Ensemble immer wieder vor, dass Rollen kurzfristig neu besetzt werden müssen. Wie zwei Tage vor dem Gastspiel in Neu-Ulm. Regisseur Peter ist deshalb dankbar, dass er über flexible Spieler wie Konrad Sauerteig verfügt. "Man muss sich halt daheim hinsetzen und den Stoff einfach lernen, wenn es so kurzfristig ist. Bei dem Luther-Stück sind es ja auch sehr viele einzelnen Szenen, die wir spielen, und dadurch sind es oftmals auch kleine Rollen oder Sequenzen, die nur aus einer DIN-A4-Seite bestehen."

Mit 11 Spielern machte sich die Crew am Freitag auf die Reise. Konrad Sauerteig schlüpfte in Neu-Ulm gleich in drei Rollen. Regisseur Jürgen Peter spielte nicht nur Luthers Vater, den Tetzel, sondern auch einen Wirt.

Im Mittelpunkt des Stückes steht Luthers religiöse Auseinandersetzung, die sich aus seinem inneren Ringen um Gottes Gnade und seiner kritischen Haltung gegenüber dem Ablasshandel der katholischen Kirche entwickelt. Aus den inneren und äußeren Konflikten Luthers schält sich sein reformatorisches Glaubens- und Kirchenverständnis heraus und wird immer gefestigter, je starrer und unnachgiebiger sich die Amtskirche gegenüber seiner Kritik verhält, die schließlich einen Ketzerprozess gegen ihn führen will.

Von Station zu Station des Konflikts wird dabei Luthers Haltung klarer und programmatischer. Ausgehend von seinen Zweifeln und Fragen entwickeln sich die Grundpfeiler der lutherischen reformatorischen Lehre.
Michael Lehner (56) spielte in bisher allen 31 Aufführungen den Luther: "Ich muss schon immer wieder die Rolle, die zu 70 Prozent sitzt, lernen. Es kommt natürlich immer auf den zeitlichen Abstand an, denn wenn die letzte Aufführung länger als ein Jahr zurückliegt, dann muss ich schon gewaltig was tun."

Michael Lehner ist der Hauptdarsteller in dem Stück: "Es ist nicht nur meine größte Rolle bisher, sondern auch meine schönste, und deswegen fällt es mir leicht, dass ich den Text relativ schnell wieder draufhabe. Es macht einfach Spaß, die Rolle zu spielen."

Das nächste Kirchentheaterstück vom TiK wird mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit "Die Nacht von Flossenbürg" von Karlheinz Komm werden, - die letzte Nacht Dietrich Bonhoeffers vor seiner Hinrichtung.