So voll ist es im Sitzungssaal des Stadtsteinacher Rathauses nie. Neben den üblichen regelmäßigen Gästen ist am Montagabend eine große Abordnung des Tauchsportclubs anwesend. Die Taucher sind verärgert und verleihen dieser Tatsache durch ihre massive Präsenz Nachdruck. Anlass für den Frust der Vereinsmitglieder ist eine Meldung in der Bayerischen Rundschau in Verbindung mit der Juli-Sitzung des Stadtrats. Damals hatte Stadtrat Wolfgang Heiß (CSU) in öffentlicher Sitzung Kritik geübt: Die Taucher würden zur besten Badezeit im gesamten Becken unter den Badegästen herumtauchen und auch Schwimmer berühren, worüber sich diese massiv beschwert hätten. Außerdem seien Jugendliche aus dem Sprungbecken verscheucht worden, um dieses selbst zu nutzen.

Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) hatte daraufhin erklärt, mit den Tauchern sprechen zu wollen. Soweit der Inhalt der kurzen Zeitungsmeldung unter der Überschrift "Taucher kontra Badegäste", zu der die Tauchsportler nun - zur ersten Sitzung nach den Ferien - eine Stellungnahme verfasst haben, die Wolfrum als einen der ersten öffentlichen Punkte der Tagesordnung vorliest. Darin kritisieren Vorsitzender Horst Härtel und seine Vereinskollegen die "reißerische Art", auf die sie aus der Zeitung von den Beschuldigungen erfahren hätten. Es sei nicht so, dass die Taucher zur besten Badezeit trainieren, sondern freitags frühestens ab 19 Uhr, wenn das Becken normalerweise leer ist.

Rücksichtnahme sei dabei selbstverständlich. Der geschilderte Vorfall habe sich wohl am 28. Juni bei einem Tauchkurs abgespielt. Wegen des warmen Sommerabends seien da noch mehr Badegäste als sonst im Becken gewesen. Bei einer Übung habe vermutlich ein wenig erfahrener Tauchschüler versehentlich einen Badegast mit der Flosse gestreift. Dafür entschuldige man sich. "Enttäuscht sind wir allerdings, dass der Vorfall nicht mit uns in einem persönlichen Gespräch geklärt wurde, standen wir doch für jeden sichtbar mit unseren blauen Vereins-T-Shirts am Beckenrand." Dies sei besonders deshalb bedauerlich, weil die Zusammenarbeit mit der Stadt sonst sehr gut sei und die Taucher bei Reinigungs- und Reparaturarbeiten unter Wasser stets zur Stelle seien, ebenso bei diversen Veranstaltungen.

Dass sie nicht absichtlich Badegäste stören oder gar beeinträchtigen, betrachtet Bürgermeister Wolfrum als selbstverständlich und räumt ein: "Es wäre geschickter gewesen, dieses Thema im nichtöffentlichen Teil der Sitzung anzusprechen, statt die Taucher im öffentlichen Teil ohne Nachfrage in ein schlechtes Licht zu rücken."

Es liege ihm auch fern, den Berichterstatter der BR verantwortlich zu machen, so Wolfrum. Dieser habe ja keinen Einfluss darauf, "was die Redaktion aus seinem Beitrag macht".

Wolfgang Heiß, der die Debatte ins Rollen gebracht hatte, betonte, er habe nichts gegen den Verein. Er stellte aber nochmals klar, dass der Vorfall sich vor 19 Uhr abgespielt habe, als noch sehr viele Badegäste da waren. "Mit einer Stunde Verschiebung des Kurses hätte man die Unannehmlichkeiten vermeiden können."

Kommentar: Die Zeitung ist schuld?

Der Überbringer unerfreulicher Nachrichten macht sich damit nicht beliebt. In der Antike verlor der Unglückliche im Extremfall sogar sein Leben. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, doch auch heute noch neigen viele Menschen dazu, (verbal) den Boten zu prügeln, der berichtet, was andere verbockt haben.

Wir Journalisten finden uns immer wieder in dieser Situation. Das ist Teil des Berufs. Es ist nun einmal nicht unsere Aufgabe, nur Positives zu verbreiten (obwohl wir selbstverständlich sehr gerne gute Nachrichten unters Volk bringen). Wenn wir aber beispielsweise aus einer öffentlichen Stadtratssitzung berichten, dann gehören auch Kritisches und Konflikte dazu. In diese Kategorie fällt die Auseinandersetzung mit den Stadtsteinacher Tauchern.

Dass diese sauer sind, wenn sie sich zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen, ist nachvollziehbar. Dass sie sich dagegen wehren - ebenso. Dass sie es erst zwei Monate nach dem Vorfall tun - weniger. Tatsächlich gab es zwei Gesprächstermine mit unserem Mitarbeiter und dem Bürgermeister, von denen der erste wegen spontaner Hilfeleistung beim Großbrand in Römersreuth, der zweite kurzfristig abgesagt wurde.

Es hätte freilich für die Taucher jederzeit die Möglichkeit gegeben, sich direkt an die Redaktion zu wenden, um die Vorwürfe sofort aus der Welt zu schaffen.

Nun wollen wir uns aber auch nicht komplett aus unserer Verantwortung stehlen und fassen uns an die eigene Nase: Es wäre sicher gut gewesen, seitens der Redaktion die Taucher zu kontaktieren und zu fragen, was genau da los war. Häufig tun wir das.

Trotzdem: Die Ursache dafür, dass die Vorwürfe öffentlich wurden, liegt darin, dass sie im öffentlichen Rahmen erhoben wurden. Der BR-Redaktion zu unterstellen, sie hätte das Thema aufgebauscht, entspricht schlicht nicht den Tatsachen.