Jetzt ist es amtlich: Kulmbach bekommt eine Genussakademie. Am 22. August wird Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) die Einrichtung eröffnen, die unter dem Dach des Clusters Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung in der Hofer Straße angesiedelt wird. Niemand freut sich darüber mehr als Simon Reitmeier, Geschäftsführer des Clusters Ernährung.

Die Akademie ist Teil der neuen Premiumstrategie für Lebensmittel des Ministers, mit der er das Bewusstsein der Verbraucher für die Qualität und die Besonderheit heimischer Produkte schärfen möchte. In einer stärkeren Ausrichtung auf Premiumprodukte und Spezialitäten sieht der Minister wertvolle Chancen für die bayerische Land- und Ernährungswirtschaft.

Die Zukunft des Agrarstandorts Bayern liege nicht vorrangig in der Produktion austauschbarer Grundprodukte. Denn mit den bäuerlichen Strukturen im Freistaat könne man das Rennen um immer größere Mengen auf Dauer nicht gewinnen.


Punkten mit dem Besonderen


Innovation, Tradition, Premiumqualität - damit können die Spitzenprodukte des Ernährungshandwerks punkten. Davon ist auch Simon Reitmeier überzeugt und hat deshalb mit seinen Mitarbeitern ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Dem Minister gefällt es. Für die Umsetzung der Premiumstrategie sind in den nächsten beiden Jahren zwei Millionen Euro eingeplant, eine fünfstellige Summe fließt in die Genussakademie.

"Wir bündeln unter dem Dach der Akademie zunächst unsere bestehenden Bildungs- und Qualifizierungsangebote für Käse-, Wein-, Bier- oder Edelbrand-Sommeliers, die künftig noch auf Produkte wie Fleisch, Obst und Brot ausgedehnt werden", so Reitmeier. Doch auch neue Projekte kommen dazu.

Was wird in Kulmbach künftig außer den Sommelierkursen noch geboten? "Wir haben viele Ideen", so Reitmeier. Forschen, experimentieren, diskutieren - für all das bietet die Akademie Möglichkeiten.

So werden in der Genusswerkstatt ein- bis dreitägige praktisch orientierte Workshops für Fachkräfte der Ernährungsbranche angeboten. Aktuelle Themen aus dem Bereich Esskultur werden in den Genussdiskursen aufgegriffen. Schwerpunkte bilden dabei Nachhaltigkeit, Marketing und Kommunikation, Ethnologie des Essens, Soziologie der Ernährung, Psychologie des Geschmacks, Philosophie und Ästhetik sowie Gesundheit und Ernährung.

Großen Stellenwert habe auch das kulinarische Erbe Bayerns, das seine Wurzeln in der bäuerlichen Landwirtschaft und der traditionellen Handwerkskultur habe.


Tüfteln im Küchen-Labor


Als Kreativeinheit der Genussakademie bringt das "Ennovation Food Lab" Experten aus Wissenschaft, Handwerk und Gastronomie zusammen. Die Mitglieder des Labs treffen in wechselnden, interdisziplinären Teams zusammen, um mit Hilfe modernster Küchentechnik neue Erkenntnisse zu Lebensmitteln und deren Zubereitung zu erlangen. Dabei befassen sich die Experten mit den Grundideen des Geschmacks.

Das im "Labor" erarbeitete Wissen wird online über einen Blog für alle Interessierten kostenlos verfügbar und nutzbar gemacht. "Langfristiges Ziel ist es, dadurch eine neue Identität der deutschen Küche zu schaffen", erläutert Reitmeier.


Ideale Infrastruktur vorhanden


Ab 2018 will die Genussakademie noch eine Jugendakademie und Genussbildung etablieren. Die Veranstaltungen finden überwiegend im Mönchshof statt. "Das Museumspädagogische Zentrum und die Kochschule bieten eine ideale Infrastruktur, die wir nutzen können", freut sich der Cluster-Geschäftsführer.
Auf die noch intensivere Kooperation freut sich auch Mönchshof-Geschäftsführerin Helga Metzel: "Der Mönchshof steht für Kultur und Genuss unter einem Dach. Mit unseren Museen und dem Mupäz bieten wir eine ideale Plattform für eine profunde Weiterbildung von Genussexperten und Sommeliers. Wir sind uns sicher, dass wir so zusammen mit dem KErn das Profil unseres Schaufensters des Lebensmittelstandortes Kulmbach weiter schärfen werden."