Regen ist Mangelware. Auch in den nächsten Wochen. Dazu hohe Temperaturen. Das macht nicht nur vielen Menschen zu schaffen, die vielerorts schon zum Wassersparen aufgerufen worden sind. Die Natur leidet mit. Die Pegel der Flüsse und Bäche sind niedrig. Das macht den Fischen zu schaffen. "Ich habe erst vor kurzem zwei tote Äschen rausgenommen", sagt Fischereiaufseher Albert Müller. Vor diesem Hintergrund kann er nicht verstehen, warum das Landratsamt Kulmbach dem Familienunternehmen Erdbeeren Bayer aus Bernsroth im Landkreis Kronach die Genehmigung erteilt hat, Wasser aus der Schorgast zur Bewässerung des nahe gelegenen Erdbeerfelds zu entnehmen.

Entnahmestelle an der Seer Brücke

Die Entnahmestelle befindet sich hinter der Seer Brücke. Dort liegt ein dicker Schlauch im hohen Gras. "Etwa zehn Zentimeter Durchmesser", schätzt Müller. Er führt über rund 300 Meter ins Erdbeerfeld. "Wir haben ohnehin schon einen niedrigen Wasserstand. Das Wasser erwärmt sich, die Fische sterben oder wandern ab", erklärt Albert Müller. Deshalb kann er nicht verstehen, dass ein Wirtschaftsbetrieb über 1600 Kubikmeter Wasser zur Bewässerung der Erdbeerfelder abpumpen darf. "Hier zählt jeder Liter", betont er und verweist darauf, dass das sogar einen Präzedenzfall darstellen könnte, auf den sich andere landwirtschaftliche Betriebe berufen könnten. Und er bezweifelt, dass irgendjemand - auch nicht das Landratsamt - nachvollziehen kann, wie viel tatsächlich entnommen wird.

Hinzu kommt der Umstand, dass das Landratsamt derzeit sogar ganz offiziell die Bevölkerung um größte Zurückhaltung bei der Wasserentnahme in und auch nach der sommerlichen Trockenperiode bittet. Es sei sogar mit Kontrollen zu rechnen, die kostenpflichtige Einschränkungen nach sich ziehen können, heißt es von der Behörde.

Deshalb können die Fliegenfischer Untersteinach über die Wasserentnahme für das Erdbeerfeld nur den Kopf schütteln. Der kleine, nur 13 Köpfe zählende Verein hat schon rechtliche Schritte gegen die Genehmigung vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth eingeleitet. Denn Vorsitzender Udo Petzoldt und sein Stellvertreter Rainer Walther haben kein Verständnis für den Bescheid der Behörde, der 2017 erlassen wurde. Zumal seitdem mehrmals die erlaubte Entnahmemengen erhöht wurde. "Es kann nicht sein, dass wir Fische - teils mit Fördermittel des Freistaats gekauft - einsetzen und schützen und teilweise schon gar nicht mehr angeln und das dann alles für die Katz ist, wenn nicht genug Wasser da ist", so Walther.

Sie haben nicht nur Zweifel, dass die Entnahmemenge wie gefordert durch ein geeichtes Gerät richtig dokumentiert wird, sondern auch daran, dass nur wie genehmigt Wasser für das Feld bei Untersteinach genutzt wird. Denn es gebe die Beobachtung, dass ein Tanklaster mit Wasser gefüllt worden und dann in Richtung Mainleus gefahren sei. Das hätte dem Verein ein Zeuge bestätigt, der dem Fahrzeug gefolgt sei, so Petzoldt.

Der Verein ist bereits seit Frühjahr 2021 dabei, rechtlich gegen den Bescheid des Landratsamts vorzugehen. Unterstützung haben sie sich durch Rechtsanwalt Kai-Michael Meins geholt. Der Verein will die Sache durchfechten, auch wenn die Chancen möglicherweise nicht gut stehen. Denn das Verwaltungsgericht hat nach einer Vorberatung schon darauf hingewiesen, dass "die Klage - vorbehaltlich einer abschließenden Beratung - in der Sache keinen Erfolg haben dürfte".

In der Begründung heißt es, dass das Fischereirecht nicht verletzt worden sei. Auch die Erhöhung der Entnahmemenge lasse keine konkreten, rechtserheblichen Auswirkungen auf die Rechte des Klägers - also der Fliegenfischer - erkennen.

Andere sehen das wohl anders. Zum Beispiel die Fachberatung für Fischerei beim Bezirk Oberfranken. Die wies schon beim ersten Bescheid 2017 darauf hin: "Die Entnahme von Wasser aus der Schorgast zur Bewässerung von Erdbeerfeldern beeinträchtigt die Fischerei." Nur unter einer Vielzahl an Auflagen wurde damals zugestimmt.

"Dass solche Erlaubnisse zur Wasserentnahme nur ausgestellt werden, wenn keine vermeidbaren oder ausgleichbaren Gewässerveränderungen zu erwarten sind", erklärt Björn Karnstädt, der Pressesprecher des Landratsamts. Das heißt im Klartext: Es muss jederzeit eine ausreichende Mindestwasserführung im Gewässer sichergestellt sein. Dieser Wert sei durch das Wasserwirtschaftsamt Hof einzelfallbezogen bestimmt und im Bescheid festgelegt worden. Im Fall Erdbeer Bayer bzw. der Schorgast ist der Grenzwert laut Landratsamt - wenn auch knapp - noch nicht erreicht. Die Messstelle ist bei Wirsberg.

Neuregelung schwer einzuschätzen

Bei derzeitiger Gesetzeslage und Vorliegen der oben genannten Voraussetzungen werden laut Karnstädt solche Genehmigungen noch ausgestellt. "Inwieweit es in den nächsten Jahren neue Regelungen geben wird, können wir nicht einschätzen." Praktisch könne das bedeuten, dass auch bereits erteilte Erlaubnisse zukünftig an weniger Tagen im Jahr zur Entnahme berechtigen, wenn der Wasserpegel aufgrund fortschreitender Trockenheit öfter unterschritten wird. Dessen müsse sich der Antragsteller bewusst sein, da ein Erlaubnisbescheid keine "Garantie" auf ausreichendes Wasservorkommen beinhalte.

Dass die Wasserentnahme immer legal erfolgt sei, betont angesichts der Vorwürfe ein erboster Hermann Bayer von "Bayer's Franken Erdbeeren" am Telefon. Die Vorwürfe seien "aus den Fingern gesogen", die Fischer würden sich "selbst etwas vormachen", wenn sie die Bewässerung des Erdbeerfelds mit ihren Problemen in Verbindung brächten, sagte der Landwirt aus dem Landkreis Kronach. "Die Fischer glauben, alle Rechte am Wasser zu haben." Es sei nur ein Bruchteil der erlaubten Menge ("Nur fünf Prozent") entnommen worden, dabei habe man immer nach den Vorgaben des Landratsamts gehandelt. Die Fischer, so erklärt der Chef des landwirtschaftlichen Familienunternehmens, sollten akzeptieren, dass sein Betrieb nichts mit ihren Problemen zu tun habe. Weitere Fragen zu den Vorwürfen der Fliegenfischer waren nicht möglich, Bayer beendete das Gespräch und legte auf.