Gesundheitsminister Jens Spahn hat mit seiner Ankündigung, dass es in den kommenden Faschingssession kein "Helau" und "Alaaf" geben soll, für Schlagzeilen gesorgt. Die fünfte Jahreszeit wird wegen der Corona-Pandemie und nicht einzuhaltenden Hygienebestimmungen bundesweit ausfallen. In der Faschingshochburg Stadtsteinach nimmt man dies gelassen hin, wie Andy Sesselmann, der Präsident der Faschingsgesellschaft (FG), im Gespräch betont hat. Der Bundesgesundheitsminister hat viele Faschingsfreunde mit der Aussage geschockt, dass die Session 2020/21 bundesweit abgesagt werden soll. Wie ist die Situation in Stadtsteinach? Andy Sesselmann: Wir brauchen dazu keinen Minister. Wir haben schon vor acht Wochen die Entscheidung getroffen, dass die Session 20/21 ausfallen soll. Definitiv - daran ist nichts mehr zu rütteln!" Gilt das nur für das Faschingstreiben? Nein, für alle Veranstaltungen, also auch für Rathaussturm, Prunksitzungen, Gardenachmittag, Seniorennachmittag und Weiberfasching - der Fasching fällt komplett aus. Das war sicher keine einfache Entscheidung ... Nein, aber wir müssen jetzt an die Gesundheit der Menschen denken. Es geht ja darum, dass ich als Präsident die Verantwortung übernehmen müsste. Das kann ich nicht. Die Gesundheit unserer Tänzerinnen geht vor. Außerdem haben wir keine Möglichkeiten zu trainieren. Wann beginnt denn im Normalfall das Training und warum kann es heuer nicht stattfinden? Normalerweise beginnen wir im Mai mit dem Training. Wir hätten jetzt längst Kostüme nähen und Tänze einstudieren müssen. Doch das war wegen der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Training wäre nur in Gruppen von maximal 20 Leuten erlaubt gewesen. Aber unsere Gruppen sind größer. Mittlerweile dürften zwar auch größere Formationen trainieren, aber wir können nicht in die Stadthalle, weil das Personal im Schwimmbad Dienst hat. In den Ferien können wir nicht in die Schulturnhalle. Und in unserem Heim können wir nicht trainieren, weil wie keine ausreichende Belüftung sicherstellen könnten. Wann nehmen die Garden denn dann das Training wieder auf? Wir gehen davon aus, dass wir ab 15. September wieder trainieren können. Wenn die Stadthalle wieder zum Corona-Testzentrum wird, könnten wir - während der Schulzeit - sicher auch in die Turnhalle ausweichen. Ab September gibt es auf jeden Fall wieder eine Möglichkeit. Haben Sie keine Angst, dass die Faschingsbegeisterten abspringen? Bis jetzt halten uns alle Akteure die Treue. Noch niemand hat aufgehört. Die Teams stehen untereinander in Kontakt und halten zusammen. Alle sind motiviert, eine unvergessliche Session 2021/22 auf die Beine zu stellen. Darauf freuen sich die Tänzer. Aber es muss dann auch wieder losgehen. Denn natürlich besteht die Gefahr, dass die Aktiven sich sonst anderen Sportarten zuwenden. Das wäre schlimm. Gibt es in dieser Faschingssession wenigstens ein Prinzenpaar? Nein. Das amtierende Prinzenpaar Melissa I. und Marcel I. und unser Jugendprinzenpaar Klara I. und Tim I. werden einfach noch eine Amtszeit dranhängen. Es werden keine Auftritte stattfinden. Der Fastnachtsverband hat auch das Prinzentreffen abgesagt. Es würde auch keinen Sinn machen, solch große Treffen zu organisieren. Die Absage des Faschings ist sicherlich auch mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden. Denn die Veranstaltungen bringen der FG auch Einnahmen? Das ist ein Problem. Wir müssen die laufenden Kosten wie die Miete für das FG-Heim am Marktplatz, für Strom und Versicherungen jetzt natürlich aus eigener Tasche stemmen. Das sind Kosten in fünfstelliger Höhe. Uns unterstützt der Rewe-Markt in Stadtsteinach finanziell sehr gut, aber wir würden uns auch freuen, wenn wir von anderen Firmen oder von der Bevölkerung Hilfe bekommen könnten. Man kann zum Beispiel für einen Jahresbeitrag von 25 Euro Mitglied werden. Natürlich nehmen wir auch gerne Spenden entgegen. Gab es schon einmal eine Absage der kompletten Session? Die Faschingsgesellschaft Stadtsteinach feiert seit 1952 Fasching und ist in der gesamten Region bekannt als Faschingshochburg. Unsere Umzüge und die Straßenfastnacht zieht Menschen aus der ganzen Umgebung an. Nur im Jahr 1989, als die Truppen im Irak einmarschierten und der Golfkrieg einen traurigen Höhepunkt erreicht hat, fiel der Fasching aus. Sonst nie. Aber wir hoffen, dass bald ein Impfstoff gefunden wird und dass Corona dann seinen Schrecken verliert.

Wäre Fasching mit erhöhten Hygieneauflagen überhaupt lustig? Naja, wir haben schon 170 bis 180 Aktive im Saal und auf der Bühne. Wenn nur 200 Leute in einem Saal zusammenkommen dürfen, könnten wir ja nur Bürgermeister, Landrat und einige Bankvertreter einladen. Und dass man im Abstand bestuhlt, wäre auch ein Kapazitätsproblem. Wenn wir mit dem Vorverkauf starten, sind die Karten für die Prunksitzungen und für Gardenachmittag immer ruck-zuck weg. Da müssten wir ja dann auswählen - das wäre nicht machbar. Aber es wäre sicher auch schwierig, wenn man in der Bütt steht und vor einem halb vollen Saal für Stimmung sorgen soll - und die Leute würden mit Mund-Nasen-Masken vor einem sitzen. Das wäre nicht der Fasching, für den Stadtsteinach steht. Wäre Fasching ohne Alkohol denkbar? Generell ist Alkohol nicht das Wichtigste. Wenn die Leute die Garden sehen wollen, könnte man auch darauf verzichten. Aber beim Weiberfasching kann ich mir nicht vorstellen, dass es ohne Alkohol gehen könnte. Denn da trinken die Frauen natürlich gerne mal einen Cocktail. Barbetrieb könnten wir sowieso nicht durchführen. Wir warten lieber, bis es ein Mittel gegen Corona gibt und feiern dann wie gewohnt mit voller Power.