Sabine Kolb und Elisabeth Schübel stehen unter der neuen Brücke bei der Pressecker Straße und stoßen im Trockenen mit ihren zwei Tassen an. Passend zum Wetter gönnen sich die beiden einen heißen Caipirinha. "Der Bau der Ortsumfahrung begleitet mich mein ganzes Leben lang. Dass die Straße jetzt fertig ist, muss man feiern", sagt Elisabeth Schübel.

Auch Sabine Kolb freut sich unverhohlen: "Für mich ist das absolut super. Wenn der Verkehr über die neue Straße läuft, dann haben wir in der Siedlung endlich Ruhe", sagt Kolb. Ihr Mann Reinald geht sogar noch weiter: "Wenn am Freitag die Straße für den Verkehr freigegeben wird, dann ist das für mich ein Feiertag. Das wird gefeiert. Endlich ist die Hainberg-Siedlung dann den Schwerlastverkehr los", sagt er. Zwei Mal pro Woche hat Reinald Kolb die Baustelle inspiziert, um sich vom Fortgang zu überzeugen. Jetzt ist er einfach nur glücklich.

Noch ein bisschen Geduld

Beim Tag der offenen Straße hatte das Staatliche Bauamt am Sonntag Übersichtskarten von der Mammutbaumaßnahme aufgehängt. Jan Oertel und Philip Wagner standen allen Interessierten Rede und Antwort.

"Fertig ist die Straße noch nicht. Wir bauen jetzt noch die Schindelbachbrüche. Deshalb muss ab dem 15. November die Anschlussstelle Stadtsteinach-Nord gesperrt werden", erläuterte Oertel und bat um ein bisschen Geduld. Zwar sei die Anfahrt zum Rewe-Markt dann von Norden her etwas komplizierter. Doch auch diese Maßnahme sei nur vorübergehend und solle bis Ostern vollendet sein.

"Für Stadtsteinach beginnt jetzt eine neue Ära", freute sich Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) und strahlte übers ganze Gesicht. Auch wenn die Stadt nicht Träger der Maßnahme war, so hat Wolfrum den Bau der Ortsumfahrung immer befürwortet. "Wir werden eine Entlastung von 99,9 Prozent bekommen. Wir wollen natürlich den Stadtkern aufpeppen - aber das wird nicht von heute auf morgen gehen", sagte der Bürgermeister und mischte sich unters Volk.

"Wahrscheinlich werde ich die neue Straße mehr hören als die alte", sagt Ernst Fichtner, der beim Hochofen wohnt. Trotzdem ist er ein Befürworter der Umgehung.

Geführter Spaziergang

Noch nicht komplett fertig ist der Wall. Er wird durch die Grabungen, die für die Schindelbachbrücke getätigt werden, weiter fortgeführt. Bei einem geführten Kurzspaziergang beantworteten Jan Oertel, Philip Wagner und Roland Wolfrum alle Fragen.

Viele Stadtsteinacher, aber auch Interessierte aus der Umgebung nutzten den Tag der offenen Straße, um die Routenführung zu erkunden: mit Rollern, mit Fahrrädern oder einfach zu Fuß. Die meisten haben Regenmäntel an oder tragen bunte Regenschirme. Auch SPD-Urgestein Wolfgang Hoderlein ist mit seiner Familie gekommen. Er erläutert die Tücken der Planung und zeigt den Enkeln die Baustelle. Und die finden die Planung und die Straßenführung interessant, vor allem natürlich die Baumaschinen.

Die wohl sportlichste Erkundung wagten Markus Lagnier und sein Sohn Noah. Denn beide joggten auf der neuen Straße. Ohne Rast. Denn dafür war es einfach zu kalt. Sieben Kilometer hielten die beiden durch und trotzten Wind und Regen. "Das ist super", sagte Lagnier und freute sich über die Möglichkeit, die Umfahrung nicht nur per Auto zu erkunden.

Am Freitagvormittag erfolgt die offizielle Verkehrsfreigabe. Dann ist Schluss mit dem Tanz der Regenschirme auf der Fahrbahn. Dann gehört die 22 Millionen teure Umfahrung von Stadtsteinach den schweren Lastwagen und Autos.so