Die Opferstätte wird aufgehübscht: Der markante Berg oberhalb von Stadtsteinach erhält eine neue Sitzgruppe. Drei Freunde haben uneigennützig die Privatinitiative ergriffen und bauen auf eigene Kosten die Sitzgelegenheit. In einem Waldstück zwischen Zaubach und Zettlitz haben sie nun das Holz für ihr Vorhaben eingeschlagen.

Die alte Sitzgruppe auf der Opferstätte bietet ein trauriges Bild. Wind und Wetter haben den Bänken zugesetzt. Sicher auch mancher Zeitgenosse, der an den Sitzmöbeln sein Mütchen gekühlt oder seinen Frust abreagiert hatte. Deshalb beschloss der Stadtsteinacher Matthias "Harry" Baer, etwas zu unternehmen und nicht darauf zu warten, dass sich die Stadt der Sache annehmen würde. Der gehört nämlich das Gelände, das im Stadtwald liegt.

Harry Baer will eine komplett neue Sitzgarnitur bauen, um sie dann im Frühjahr auf dem Berggipfel aufzustellen. Unterstützung bekommt er von seinem Kumpel Rene Kienzle, der Harry nicht selten bei seinen Touren zur Opferstätte begleitet: "Wir laufen da oft rauf. Dauert so eine Stunde", sagt der Ludwigschorgaster.

Der Dritte im Bunde ist Jens Hertel. Der Pressecker findet die Idee toll, eine neue Sitzgruppe zu bauen. Sofort hat er sich dazu bereit erklärt, mitzumachen. Mehr noch: Der Pressecker arbeitet in der Land- und Forstwirtschaft und sorgt für das Material.

Am Samstag war es soweit. In einem Waldstück nahe Zettlitz kreischt die Kettensäge. Jens fällt kapitale Kiefern und Fichten, aus denen die Möbel angefertigt werden sollen. Die mächtigen Stämme zieht ein Traktor aus dem Wald, wo sie entastet und abgelängt werden. Die 1,6 Meter langen Stücke kommen mit vereinten Kräften der drei Freunde in einen Anhänger. Dann geht es nach Birkenhof bei Wirsberg, wo die Familie Kießling lebt. Sie hat sich bereiterklärt, die Stämme zuzuschneiden, so dass die Bauteile zur Verfügung stehen. Die Bretter und Bohlen werden danach geschliffen und lasiert, um so unempfindlich zu sein gegen die Unbilden der Witterung.

Zusammengesetzt werden sollen die Teile danach bei Harry Baer in Stadtsteinach. "Wir bauen die Sitzgruppe erst einmal probehalber bei mir auf, um zu sehen, ob alles passt." Danach wird sie wieder zerlegt, an ihren Bestimmungsort transportiert, um dann endgültig zusammengefügt zu werden. Das soll im Mai geschehen. Dann wollen die drei Kumpels eine offizielle Übergabe durchführen - sofern es die Corona-Bestimmungen wieder zulassen.

Das Trio freut sich darüber, etwas für die Allgemeinheit zu leisten. Denn den jungen Männern liegt viel an der Opferstätte, die einer der schönsten Punkte darstellt an den westlichen Ausläufern des Frankenwalds. Der beliebte Punkt wird gern angesteuert von Naturliebhabern, Wanderern oder Fotografen.

Bei der Finanzierung des Projekts erhalten die Initiatoren Unterstützung: Peter Stindl, Leiter des Kulmbacher Globus-Baumarkts, spendet die benötigten Metall-Teile, das Schleifpapier und die Lasur. Und einige Stadtsteinacher finden die uneigennützige Aktion so lobenswert, dass sie zu einer kleinen Geldspende bereit waren. Auf diese Weise kamen 250 Euro zusammen, für das sich die drei jungen Männer herzlich bedanken.