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Presseck
Fußballer in Quarantäne

Nach Österreich-Urlaub von vier Spielern: Corona legt oberfränkischen Kreisligisten lahm

Nach einem Österreich-Urlaub wird ein Fußballer der SG Enchenreuth/Presseck positiv getestet - jetzt gilt für 16 Kicker Quarantäne.
 
Auf dem Sportplatz des TSV Enchenreuth im Frankenwald trainierten in der vergangenen Woche 15 Spieler des Kreisligisten SG Enchenreuth/Presseck. Einen Tag später erhielt ein Kicker einen positiven Corona-Test. Nun sind alle in Quarantäne.Christian Schuberth
Auf dem Sportplatz des TSV Enchenreuth im Frankenwald trainierten in der vergangenen Woche 15 Spieler des Kreisligisten SG Enchenreuth/Presseck. Einen Tag später erhielt ein Kicker einen positiven Corona-Test. Nun sind alle in Quarantäne.Christian Schuberth
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Vier Fußballer fahren übers Wochenende zum Wandern, lassen sich auf dem Heimweg mehr "spaßhalber" auf Corona testen - und ein paar Tage später muss ihre gesamte Mannschaft in häusliche Quarantäne. Passiert ist das jetzt im Frankenwald, wo der TSV Presseck (Landkreis Kulmbach) und der TSV Enchenreuth (Landkreis Hof) seit ein paar Jahren eine grenzüberschreitende Spielgemeinschaft bilden. Und weil es der erste bekannte Fall im bayerischen Amateurfußball ist, war das Medieninteresse entsprechend groß. "Mich hat sogar der Bayerische Rundfunk angerufen", sagt Gerd Leinfelder, Sportlicher Leiter der SG. Dem langjährigen Funktionär des TSV Presseck ist der zweifelhafte Ruhm aber nicht wirklich recht: "Unser Fall ist nicht sensationell, das kann jeder Gruppierung passieren, ob Fußballteam oder Feuerwehr. Wir sind halt die ersten, die es trifft."

Rückblende: Sonntagabend vor einer Woche fährt SG-Spielertrainer Michael Burger mit drei weiteren Kickern des Hofer Kreisligisten von einer Wanderung aus Österreich nach Hause und melden sich nach dem Grenzübertritt in Deutschland auf einer Autobahnraststätte zum Corona-Test. "Sie haben sich mehr aus Neugier dazu entschlossen, weil an der Teststation auch nichts los war", weiß Leinfelder. Eine Pflicht gibt es nicht, denn Österreich ist ja aktuell nicht als Risikogebiet eingestuft. Und alle vier Fußballer aus dem Frankenwald sind sich sicher - wir sind kerngesund.

15 Mann beim Training

Am folgenden Tag, dem Dienstag, ist Training in Enchenreuth. Coach Michael Burger freut sich über eine glänzende Beteiligung, 15 Spieler seines 18-Mann-Kaders sind gekommen. Die Fußballer sind halt nach monatelanger Trainingspause wieder heiß aufs Kicken.

Doch am Mittwoch gibt es das böse Erwachen: Einer aus dem Wanderer-Quartett bekommt einen positiven Befund - er hat sich mit dem Corona-Virus angesteckt, wo auch immer.

Sofort werden die Gesundheitsämter in den Landratsämtern Kulmbach und Hof informiert. Sie schicken noch am Donnerstag alle Kicker, die beim Training waren, in häusliche Isolation. Außerdem ordnen sie für insgesamt 16 Personen der SG Tests an. Das für Sonntag geplante erste Vorbereitungsspiel gegen den FC Neuenmarkt wird natürlich umgehend abgesagt.

Testergebnisse liegen vor

Aber warum haben drei der vier Spieler am Training teilgenommen, ohne das Testergebnis abzuwarten? Gerhard Leinfelder macht ihnen keinen Vorwurf. "Im Nachhinein ist man natürlich schlauer, aber sie fühlten sich ja pumperlgesund und haben nie im Leben damit gerechnet, dass es einen positiven Test geben könnte."

Inzwischen sind alle 16 Tests durch die Gesundheitsämter in Kulmbach (9) und Hof (7) ausgewertet - alle negativ. Das Landratsamt Kulmbach teilt mit, dass im Laufe des Montags eine "standardmäßige Zweittestung" stattgefunden habe. Bis diese Ergebnisse vorliegen, müssten alle Fußballer weite in häuslicher Quarantäne bleiben.

"Ich bin schon erleichtert", sagt Gerd Leinfelder, für den die Nachricht eine Bestätigung ist, "dass unsere Hygienemaßnahmen für den Trainingsbetrieb funktioniert haben." Die Richtlinien habe er selbst schon vor Wochen erstellt. "Sie gehen sogar noch über die Vorgaben des Bayerischen Fußball-Verbandes hinaus", sagt Leinfelder.

Sommernachtsfest findet statt

Froh ist er auch, dass der Corona-Fall nicht nach einem Donnerstag-Training in Presseck aufgekommen ist. "Dann hätten wir im Anschluss eine öffentliche Spielersitzung im Sportheim gehabt und viel mehr beteiligte Personen." Deshalb gebe es auch keinen Grund, das für Freitag geplante Sommernachtsfest vor dem Sportheim des TSV Presseck abzusagen.

Wenn die Quarantäne aufgehoben ist, geht es für die SG-Mannschaft sofort zurück auf den Trainingsplatz. "Wir haben einiges nachzuholen", sagt Leinfelder, der sich sicher ist, "dass wir nicht der erste und letzte Verein in Bayern waren, dem so etwas passiert." Er jedenfalls werde künftig jeden seiner Fußballer bitten, nach einem Urlaub einen Corona-Test zu machen - und erst bei einem negativen Ergebnis wieder mit der Mannschaft zu trainieren.