Schlecht begonnen und schlecht beendet - so lautet das Fazit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft aus dem vorletzten Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft. In Podgorica (Montenegro) verlor das Team von Bundestrainer Henrik Rödl gegen Großbritannien durch einen mit der Schlusssirene erzielten Korblegers des in Göttingen spielenden Luke Nelson mit 81:83 (45:47). Die Briten machten mit dem Sieg die Qualifikation perfekt und warfen damit Spieltagsgastgeber Montenegro aus dem Rennen. Die Bilanz der deutschen Mannschaft in der Gruppe G sieht vor dem letzten Spiel am Montagabend (20 Uhr, live bei Magentasport) gegen die Montenegriner mit 1:4 Siegen sehr mau aus. Deutschland ist als Co-Gastgeber der EM 2022 als Teilnehmer allerdings gesetzt und bestreitet die Qualifikation nur zu Vorbereitungszwecken.

Halbe Korbausbeute aus Franken

Selbstvertrauen dürften die Vertreter der fränkischen Bundesligisten Bamberg und Bayreuth getankt haben. Die Brose-Jungs Christian Sengfelder, Kenneth Ogbe und Bennet Hundt erzielten mit Medi-Center Andreas Seiferth fast die Hälfte der Korbausbeute der Deutschen.

Der Ex-Bamberger Maik Zirbes, der zurzeit für einen Klub in den Vereinigen Arabischen Emiraten spielt, betrieb nach einjähriger Nationalmannschaftsabstinenz mit 14 Punkten ohne Fehlwurf, fünf Rebounds und fünf geblockten Würfen Werbung in eigener Sache. Hinter ihm war Seiferth (12 Punkte, 5 Rebounds) zweitbester Werfer im Rödl-Team. Ogbe punktete als dritter Spieler zweistellig (11) - und das ohne Fehlwurf. Hundt gab dem Team in 17 Minuten einen wichtigen Push bei der Aufholjagd Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Viertels, was sein Plus-Minus-Wert von 11 belegt. Das heißt, dass Deutschland elf Punkte aufholte, wenn Hundt auf dem Parkett stand. Sieben Punkte, zwei Assists bei allerdings drei Ballverlusten waren die übrigen Zahlen des 22-Jährigen.

Seiferth: Zu langsam ins Spiel gekommen

Sengfelder durfte fast 24 Minuten aufs Feld und überzeugte neben neun Punkten, drei Rebounds und zwei Ballgewinnen als Stabilitätsfaktor in der Abwehr. Die war zu Beginn die Achillesferse des deutschen Teams. Die Briten punkteten nach Belieben und zogen über 17:6 (6. Minute) auf 27:15 (8.) davon. Zu diesem Zeitpunkt saß der Ulmer Distanzschütze Andreas Obst bereits verletzt draußen. Der Ex-Bamberger prallte nach dreieinhalb Minuten bei einer Abwehraktion mit einem Briten zusammen. "Wir sind zu langsam ins Spiel gekommen und es hat uns sehr viel Energie gekostet zurückzukommen. Ich glaube, dass uns diese Energie am Ende gefehlt hat", sagte Seiferth hinterher.

Hundt sorgt für erste Führung

Das Brose-Trio sorgte mit einem 9:3-Lauf, den Ogbe mit einem Dreier zum 34:35 vollendete, für einen Energieschub. Sengfelder stellte nach dem 2:2 durch Seiferth erstmals wieder den Ausgleich her (39:39, 15.), und Hundt machte per Dreier nach der Pause die erste Führung (58:57) im Spiel perfekt.

Im Schlussabschnitt schien nach Ogbes Distanztreffer und Seiferths Halbdistanzwurf zum 73:66 (32.) alles auf einen Sieg der deutschen Auswahl hinzudeuten. Doch bis zum Dreier von Sengfelder zum 79:75 drei Minuten vor Schluss produzierten die Rödl-Männer nur wenig Zählbares.

Katastrophale Schlussminuten

In den letzten beiden Minuten wurde es noch schlimmer. Vier Ballverluste - je einer von Hundt und Kapitän Robin Benzing sowie zwei von Ismet Akpinar (insgesamt 6) - unterliefen den Deutschen, ehe Zirbes vier Sekunden vor Schluss per Tip-In ausglich. Die Briten "krönten" mit der Schlusssirene die ernüchternde Schlussphase für die DBB-Auswahl.

Raoul Korner verliert mit Österreich

Medi-Trainer Raoul Korner verlor als Trainer der Österreicher gegen Ungarn mit 81:83. Dabei überzeugte der Ulmer Thomas Klepeisz mit 21 Punkten. Oldenburgs Center Rasid Malhalbasic (14 Punkte, 9 Rebounds) und Hamburgs Marvin Ogunsipe (6) konnten die fünfte Niederlage im fünften Qualifikationsspiel nicht verhindern.

Michele Vitali stark mit Italien

Drei Spiele hatte Italien binnen vier Tagen zu bestreiten, da im letzten Fenster Nordmazedonien wegen Corona-Fällen gefehlt hatte. Bambergs Michele Vitali kam beim 92:84-Sieg über Nordmazedonien am Donnerstag nicht zum Einsatz. Tags darauf war er jedoch mit 24 Punkten Topscorer der Italiener, die als Gruppensieger für die EM qualifiziert sind. Die 101:105-Niederlage nach Verlängerung gegen Estland konnte er aber nicht verhindern. Die besiegelte der Ex-Bamberger Henri Drell (Pesaro, 12 Punkte) mit einem Dreier wenige Sekunden vor Schluss. Estland hat die Qualifikation trotz des Sieges verpasst.