Ein paar Stunden vor dem Heimspiel gegen den SV Hutschdorf hat Ralf Carl den VfB darüber informiert, dass er sein Amt niederlegt. Die Metzdorfer feierten auch ohne Carl einen 3:2-Sieg gegen den SV Hutschdorf und mischen mit nun zwölf Punkten aus fünf Spielen in der Fußball-Kreisklasse Kulmbach vorne mit.

Schon am Sonntag präsentieren die Metzdorfer einen Nachfolger - ihren ehemaligen Trainer Klaus Eichhorn. Der 54-jährige Heubscher war bereits von 2013 bis zu seinem Rücktritt im November 2017 in verschiedenen Trainerpositionen beim VfB Kulmbach tätig. Zunächst betreute er die Reserve, ehe er 2015 Nachfolger von Werner Thomas wurde. Nach zwei Jahren in der Bezirksliga und einer Halbserie in der Kreisliga trat Eichhorn im November 2017 zurück.

Als er am Samstag beim Spiel gegen Hutschdorf zufällig unter den Zuschauern war, sprach ihn der Sportliche Leiter des VfB, Karl-Heinz Ramming, an. "Er hat mich gefragt, ob ich dem Verein aus der Klemme helfen könne", sagt Eichhorn, der nach kurzer Überlegung zusagte. "Warum nicht? Es ist eine reizvolle Aufgabe, ich kenne noch einige Spieler und das Umfeld." Der ehemalige Coach des SSV Peesten und SSV Kasendorf hat vorerst bis zum Winter zugesagt, kann sich aber auch eine längere Zusammenarbeit vorstellen. Doch zunächst müsse er feststellen, ob ihm die Aufgabe taugt: "Ich muss mir nichts mehr beweisen. Wenn ich merke, dass es nicht für mich passt, höre ich wieder auf." Eichhorn hofft, dass seine Mannschaft den Schwung aus vier Siegen in Folge ins Spitzenspiel am Donnerstag beim VfR Katschenreuth II mitnehmen kann.

Überraschender Rücktritt

Der Rücktritt des 51-jährigen Ralf Carl kam angesichts des guten Saisonstarts überraschend. Als Begründung für Carls Schritt nannte der VfB in einer Pressemeldung "persönliche Gründe". Der Trainer selbst war nicht zu erreichen. Doch noch kurz vor Saisonstart hatte er beim Sportlerstammtisch seines Vereins betont, dass ihm die Arbeit beim VfB "viel Spaß" mache, weil der Verein sehr auf die Jugend setze. Auch die Kooperation mit dem SV Burghaig, der mit dem VfB II in der A-Klasse eine Spielgemeinschaft bildet, sei "eine feine Sache", sagte Carl.

Spieler Mathias Kodisch, der zudem für die Fußballabteilung zuständiges Vorstandsmitglied des VfB ist, sprang am Samstag zusammen mit Daniel Sesselmann an der Außenlinie als Interimstrainer ein. Kodisch traf beim 3:2 gegen Hutschdorf zwei Mal. Der Doppeltorschütze bringt etwas Licht ins Dunkel, was die Gründe für Carls Rücktritt anbelangt: "Es gab zwar immer mal wieder kleinere Meinungsverschiedenheiten, aber nichts Gravierendes. Auch wir hatten keinen Grund, uns von Ralf zu trennen. Er hat mir aber zu verstehen gegeben, dass das Traineramt für ihn eine zu große Belastung geworden ist."

Ralf Carl stammt aus Reichenberg im Vogtland und spielte in der Jugend beim FSV Zwickau in der höchsten DDR-Jugendliga.Nach der Wende verschlug es ihn nach Kulmbach, wo er für die damaligen Bezirksoberligisten ATS Kulmbach und SSV Kasendorf kickte.

Nach seiner aktiven Karriere war er lange Nachwuchstrainer bei der JFG Maintal/Friesenbachtal, eher 2016 den ATS II in der Kreisklasse übernahm. Doch schon im November trennte sich der Verein wieder von Carl. 20017 wurde er Co-Trainer für das Kreisliga-Team um Klaus Eichhorn und Coach der in der A-Klasse beheimateten 2. Mannschaft des VfB Kulmbach. Als Eichhorn im November zurücktrat, übernahm Ralf Carl die "Erste", schaffte mit ihr den Klassenerhalt über die Relegation. Doch mangels Personal musste der VfB das Team aus der Kreisliga abmelden, Ralf Carl startete mit dem VfB einen Neuanfang in der A-Klasse.

Der glückte, denn der VfB kehrte als Meister in die Kreisklasse zurück und belegte auf Anhieb einen beachtlichen 4. Platz. Auch heuer wollen Metzdorfer trotz eines kleinen personellen Umbruchs wieder vorne mitmischen, was sie nun mit einem neuen Coach versuchen müssen.