Blaicher schwelgen in Erinnerungen

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Die Spielerfrauen von damals interessierten sich für die Chronik, in der die Fußballkünste ihrer Männer fest gehalten wurden. Von links Waltraud Luft, Karin Metzner und Monika Roßmeisl.
Die Spielerfrauen von damals interessierten sich für die Chronik, in der die Fußballkünste ihrer Männer fest gehalten wurden. Von links Waltraud Luft, Karin Metzner und Monika Roßmeisl.
Die erfolgreiche Meistermannschaft des BSC Kulmbach von 1966 mit (hinten, v. l.) Heinz Hüsser, Helmut Luft, Norbert Stabenow, Fritz Bär, Manfred Schaller, Richard Metzner, Horst Krauß (ehemaliges Vorstandsmitglied) und Manfred Sommerer sowie (vorne, v. l.) Karl-Heinz Hasenfuß, Gerhard Pfarrer, Manfred Mann, Wolfgang Hoffmann und Alfred Roßmeisl. Fotos: Werner Reißaus
Die erfolgreiche Meistermannschaft des BSC Kulmbach von 1966 mit (hinten, v. l.) Heinz Hüsser, Helmut Luft, Norbert Stabenow, Fritz Bär, Manfred Schaller, Richard Metzner, Horst Krauß (ehemaliges Vorstandsmitglied) und Manfred Sommerer sowie (vorne, v. l.) Karl-Heinz Hasenfuß, Gerhard Pfarrer, Manfred Mann, Wolfgang Hoffmann und Alfred Roßmeisl. Fotos: Werner Reißaus
 
Mit dieser Doppelseite hatte Vereinschronist Max Hoffmann die Meisterschaft festgehalten.
Mit dieser Doppelseite hatte Vereinschronist Max Hoffmann die Meisterschaft festgehalten.
 

Vor 50 Jahren stieg der BSC Kulmbach erstmals in die Kreisliga auf. Um das zu feiern, traf sich die Mannschaft von damals noch einmal.

Vor 50 Jahren schaffte der BSC Kulmbach mit einem 3:2-Sieg beim SV Grafengehaig die Meisterschaft in der damaligen Fußball-B-Klasse und damit den Aufstieg in die heutige Kreisliga. In der Zeitung stand damals: "Wieder Licht im Kulmbacher Fußball!" Es war eine erfolgreiche und junge Mannschaft, die damals den Aufstieg unter dem legendären Trainer Karl Siemko schaffte, aber schon kurze Zeit später auseinanderbrach, weil Siemko mit Heinz Hüsser, Norbert Stabenow und Richard Metzner die besten Fußballer zum Lokalrivalen ATS Kulmbach lotste.


Meistermannschaft trifft sich

Dieser Tage traf sich Meistermannschaft von damals. 1#googleAds#100x100 Alfred Roßmeisl hatte dieses Treffen im damaligen Vereinslokal "Zur Schmiede" organisiert, dabei gedachten die alten Kämpen auch ihrer bereits verstorbenen Fußballkameraden Peter Hacker, Jürgen Häublein, Horst Meisel, Herbert Roßmeisl, Walter Schröppel, Siegfried Schulz und Ernst Vogel.
Alfred Roßmeisl hatte mit launigen Worten an das Meisterjahr erinnert. Zum Start setzte es damals eine Niederlage in Melkendorf: "Ich durfte damals Karl Siemko im Auto mit nach Hause nehmen und seine einzigen Worte von Melkendorf bis Kulmbach waren: ,Jean-Paul-Straße 8.' Den Rest bekamen wir dann bei der Spielersitzung zu hören." In Kasendorf spielte man damals vor 1500 Zuschauern. Die Serie beendete der BSC mit einem Torverhältnis von 90:21.
Mit dem 3:2-Sieg im Frankenwald setzten sich die Blaicher damals die B-Klassen-Krone auf. Die BSC-Anhänger bereiteten ihren Fußballern einen stürmischen Empfang, denn die Spieler wurden von einer langen Kolonne hupender Autos in die Blaich und nach Kauernburg geleitet, wo sich Oberbürgermeister Wilhelm Murrmann im "Schlössla" eingefunden hatte, um der Mannschaft zu gratulieren. Im Vereinslokal "Zur Schmiede" ging es dann bis in den frühen Morgen hoch her.
Soweit die Vergangenheit, die natürlich bei dem Treffen der Blaicher "Oldies" wieder ins Leben gerufen wurde. Für damalige Verhältnisse war es ungewöhnlich, dass ein Verein mehr als einmal pro Woche trainierte. Karl-Heinz Hasenfuß: "Beim Siemko haben wir zweimal die Woche trainiert. Wir wussten schon, dass wir eine gute Mannschaft hatten, denn der große Teil war bereits von der Schüler- über die Jugendmannschaft bis zu den Senioren zusammen und wurde damals von Gerd Wachowski trainiert. Siemko hat von uns viel verlangt, war aber auch sehr auf den ATS ausgerichtet. Wenn er damals nicht gesehen hätte, dass die Mannschaft wirklich gut war, hätte er einzelne Spieler nicht zum ATS geholt. Ich denke, das war damals auch der Grund, warum er überhaupt zum BSC ging und uns trainierte."
Hasenfuß empfindet heute noch einen bitteren Nachgeschmack, dass der BSC damals Gerd Wachowski einfach vor die Tür gesetzt hat: "Er hatte die Mannschaft aufgebaut und dann hatte man Gerd einfach so stillschweigend abserviert."
Norbert Stabenow war im Aufstiegsteam der fliegende Rechtsaußen: "Ich war nicht zu bremsen und habe gegen Burghaig in einem Spiel sechs Tore gemacht." Das heutige Ehrenmitglied des BSC Kulmbach möchte die Zeit nicht missen: "Es war schön mit den Trainern Hoffmann, Niebisch oder Siemko. Der beste Trainer wäre für mich damals eine Mischung zwischen Siemko und Niebisch gewesen. Der Siemko war so der militärische Trainer, und Niebisch war mehr sozial und menschlich - der hat auch gern mal ein Bier mitgetrunken. Aber aufgrund des Erfolges muss ich sagen, Karl Siemko war für mich der beste Trainer, den ich jemals hatte. Schnell war ich sowieso - aber er hat mir auch die Technik beigebracht."
Der 69-jährige Stabenow, der beim ATS Kulmbach lange Zeit in der Landes- und Bayernliga auf Torejagd ging, hängte seine Fußballstiefel mit 39 Jahren an den Nagel: "Ich hatte einen Hinterwand-Infarkt und dann war alles vorbei. Ich würde ja vielleicht heute noch spielen", sagt er und lacht.


Tennis nach einer langen Nacht

Mit 17 Jahren war Wolfgang Hoffmann damals der jüngste Spieler. Er schoss das entscheidende Siegtor in Grafengehaig: "Ich bin damals eigens für die ,Erste' freigemacht worden. Wir haben nach der Meisterschaft richtig einen drauf gemacht, und am nächsten Morgen holte mich Reiner Beck um 8 Uhr zum Tennisspielen in Lichtenfels ab. Ich konnte nicht einmal gerade auslaufen und habe dann gegen einen wesentlich älteren Gegner verloren."