Es hört sich so gut an: Kulmbach bekommt ein Grünes Zentrum - Behörden aus dem Bereich Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ziehen mit rund 100 Arbeitsplätzen in das denkmalgerecht sanierte Gebäude der alten Spinnerei beim Bahnhof ein. Das Vorzeigeprojekt mit einem Volumen von weit über 40 Millionen Euro schien unter Dach und Fach, als im März die Baugenehmigung erteilt wurde.

Aber jetzt kommen Zweifel auf. "Der Investor hat den Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro noch nicht bezahlt", bestätigt Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) auf Anfrage der BR. In der Stadt wird man nervös und fragt sich: Wo bleibt unsere Million?

Das Grüne Zentrum hat OB Lehmann von seinem Vorgänger Henry Schramm (CSU) geerbt. Schon 2018 verhandelte die Stadt mit verschiedenen Interessenten. Den Zuschlag bekam ein Schweizer Investor. Im Januar 2019 wurde das Gebäude an Frank Dieter Naumann aus St. Gallen verkauft. Man vereinbarte einen Festpreis von 1,2 Millionen Euro. Die Zahlung sollte erfolgen, wenn eine rechtsgültige Baugenehmigung vorliegt.

Bauantrag auf den letzten Drücker

Nach Auskunft der Stadt gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem privaten Investor aber alles andere als einfach. 2019 dachte man bereits über einen Rücktritt vom Verkauf nach. Auf den letzten Drücker wurde am 31. Dezember 2019 dann doch der Bauantrag eingereicht - allerdings unvollständig.

In der Planungsphase gab es laut Stadt einige Schwierigkeiten und Abstimmungsprobleme. Unvollständige Unterlagen, der Umgang mit Originalsubstanz, die erhalten werden muss, die Ausbildung des neuen Haupteingangs an der Ostseite, der beim Denkmalschutz keinen Anklang fand, die Größe des neuen Staffelgeschosses oder die Zufahrt zur Tiefgarage - eine Reihe strittiger Fragen sorgte für Verzögerungen.

Stadtrat gab grünes Licht

Ein Jahr ging ins Land, bis das Projekt genehmigungsreif war. Der Stadtrat gab im Februar grünes Licht für das Grüne Zentrum: Zustimmung zur Sanierung und Umnutzung des markanten Industriedenkmals am Bahnhofsplatz, dessen historische Fassade von 1928 mit ihrer seinerzeit fortschrittlichen, streng gerasterten Betonskelettbauweise erhalten wird.

"Die alte Spinnerei ist tief in der Identität der Stadt Kulmbach verwurzelt", sagte OB Lehmann damals. "Es liegt mir ganz persönlich am Herzen, dieses Gebäude zukunftsfähig zu machen und einer neuen Nutzung zuzuführen."

Und es sah vielversprechend aus. Im März schickte die Verwaltung die Baugenehmigung an den Investor raus. Man teilte ihm mit, dass alle Voraussetzungen erfüllt seien und der Kaufpreis am 21. Mai fällig werde. "Aber es ging kein Geld ein", so der Oberbürgermeister, "bis heute nicht."

Verständlich, dass man im Rathaus nervös wurde. "Ich halte mich an Verträge", erklärt Lehmann und zeigt sich skeptisch: "Wir haben Bedenken, ob es funktioniert und der Investor das Projekt realisieren kann."

Die Kontaktaufnahme mit dem Käufer in St. Gallen gestalte sich schwierig. "Ans Telefon geht er nicht." Aber es sei eine E-Mail gekommen, in der es hieß: Das Vorhaben werde wesentlich teurer, die Finanzierung gestalte sich schwierig, doch jetzt sei man auf der Zielgeraden.

Angaben, die auch Naumanns Rechtsanwalt Arnim Rosenbach, München, gegenüber der Stadt konkretisierte und auf Anfrage der BR wiederholte. "Ich gehe weiter fest davon aus, dass das Projekt realisiert wird", so Rosenbach. Es handle sich um ein sehr komplexes und umfangreiches Verfahren. Die Bezahlung des Kaufpreises kündigte er für "spätestens Ende Juli" an.

Der Investor teilte in der E-Mail ferner mit, die Bauzeit reiche noch aus. Ein Hinweis, der wichtig ist, denn der Geschäftsmann aus St. Gallen hat bereits Verträge mit seinem potenziellen Mieter: dem Freistaat Bayern.

Imby: Ende 2022 einziehen

"Wir stehen mit dem Investor in Kontakt und planen weiterhin, dass die Behörden bis Ende 2022 dort einziehen", erklärt Dieter Knauer, Geschäftsführer der Immobilien Freistaat Bayern (Imby). Es sei nach wie vor beabsichtigt, die Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV), das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach (AELF) und das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) längerfristig in der alten Spinnerei unterzubringen. "Damit dort ein sogenanntes Grünes Zentrum entsteht", so Knauer.

Man solle jetzt "nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass das Projekt wackelt", meint Rechtsanwalt Rosenbach. Einen Monat wird die Stadt die Füße sicherlich noch stillhalten. Aber dann muss das Geld auf dem Konto sein.